14. Orgelsommer im Quirinusmünster Neuss

14. Orgelsommer im Quirinusmünster Neuss
Zum vierzehnten Mal veranstaltet der Förderkreis der Kirchenmusik am Quirinusmünster Neuss einen „Orgelsommer“. „Olivier Messiaen zum 100. Geburtstag“ – ist in diesem Jahr der thematische Rahmen für fünf Konzerte überschrieben.

Den Auftakt bildet am Sonntag, den 03. August ein Programm verschiedener Komponisten. Hier steht das Messiaens Ruf als innovativer Orgelkomponist prägende „Dieu parmi nous“ – „Gott unter uns“ im Mittelpunkt des Konzertes. Des weiteren sind eher selten gespielte Werke von Matthias Weckmann, den Messiaen-Zeitgenossen Jeanne-Angèle Joulain und Herbert Brewer. An der Orgel ist Christian Ringendahl aus Markdorf am Bodensee zu Gast.

Im zweiten Konzert am Mittwoch, den 06. August, präsentiert Elmar Lehnen, Organist an der Basilika in Kevelaer, ein Programm mit Orgelmusik aus der Pariser Kirche, an der Olivier Messiaen selbst 50 Jahre gewirkt hat, der St. Trinité; darunter findet sich auch sein zyklisch angelegtes Frühwerk “L’Ascension” (Die Himmelfahrt), außerdem erklingt von Théodore Salomé “Deux Canons op.21”, von Naji Hakim das “Salve Regina” und von Alexandre Guilmant die 5. Sonate in c-moll.

Am Sonntag, den 10. August spielt Münsterkantor Joachim Neugart Auszüge aus Messiaens “Pfingstmesse” und sein Erstlingswerk “Banquet celeste”. In Beziehung dazu stellt er die Praeludien und Fugen von Camille Saint-Saens und einige Fantasiestücke von Louis Vierne (darunter das “Carillon de Westminster”)

Am Mittwoch, den 13. August schließlich ist ein Höhepunkt der diesjährigen Reihe zu erwarten: Das „Trio Pantoum“, besetzt mit Musikern der Düsseldorfer Symphoniker und die Pianistin Dorothea Eppendorf, für die eigens ein Konzertflügel aus Köln angemietet wird, gestalten Messiaens „Quartett auf das Ende der Zeit“, das Messiaen in der Kriegsgefangenschaft in Görlitz 1941 komponierte und dort mit inhaftierten Künstlern vor 6000 Insassen uraufführte – ein bewegendes Dokument der sehnsuchtsvollen Erwartung des (ewigen) Friedens.
Die Interpretation dieses Kammermusikwerkes im romanischen Kathedralraum ist aufgrund der besonderen exegetischen Anlage des Werkes sowohl theologisch gerechtfertigt, wie auch aus klanglichen Gründen reizvoll und das kompositorische Profil schärfend. Dieses Konzert, das mit Hilfe der Förderung durch das Kultursekretariat Wuppertal durchgeführt wird, bringt auch eine von Joachim Neugart in Klang gesetzte musikalische Begegnung mit einem Werk von Aivar Kalejs, Domorganist in Riga, der seine bewegende „Via dolorosa“ für Orgel den unter Stalins Herrschaft deportierten lettischen Mitbürgern gewidmet hat.

Im Abschlußkonzert am Sonntag, den 17. August spielt Domkantor Wolfgang Schwering aus Xanten aus Messiaens Spätwerk das „Verset“ und den Zyklus „Les Corps glorieux“, außerdem einige Werke aus dem Orgelalbum des jungen und bisher zu Unrecht weitgehend unbekannten deutschen Komponisten Thorsten Maus.


Alle Konzerte beginnen um 20 Uhr. Der Kostenbeitrag zu den reinen Orgelkonzerten beträgt jeweils € 7/ ermäßigt € 5.; zum Quartett-Konzert am 13.08. €10/ €7. An der Abendkasse wird eine Abo-Card für alle fünf Konzerte zum Preis von € 29/ € 18 angeboten.



Die Geschichte der Orgel des Neusser Quirinusmünsters


Die große Orgel des Quirinus-Münsters Neuss wurde im Jahre 1907 von der Orgelbaufirma Ernst Seifert, Köln-Mannsfeld und Kevelaer im rein pneumatischen Membranladensystem gebaut. Die Disposition umfaßte 78 Stimmen, verteilt auf drei Manuale und Pedal. Das Instrument wurde in den beiden Seitenemporen auf der Nord- und Südseite aufgestellt. Der Spieltisch befand sich auf der Hauptempore. Die Orgel fand damals durch die Fachwelt große Beachtung. Der erste große Einschnitt in die Substanz des Werkes geschah bereits 1914, als bei einem Turmbrand herabstürzende Glocken die Hauptempore und den Spieltisch zerstörten. Die Orgel wurde darauf elektrifiziert, der neue Spieltisch wurde auf der nördlichen Empore plaziert. In dem 1934 für notwendig erachteten Spieltisch finden sich Umbenennungen der Disposition, die dem veränderten Zeitgeschmack entsprachen, zunächst aber keine Eingriffe in das Pfeifenwerk mit sich brachten. Die zum Hauptschiff weisenden Emporenbögen wurden 1938 mit stummen Prospektpfeifen bestückt, um dem Werk ein "würdiges Aussehen" zu verleihen. 1942 wurde die Orgel ausgelagert, um sie vor Kriegseinwirkungen zu bewahren. 1947 wurde sie dann instandgesetzt. Hierbei kam es dann zu Veränderungen der Disposition im Sinne einer Aufhellung des Gesamtklangs. Gleichzeitig erfolgte die Vorbereitung eines vierten Manualwerkes in Verbindung mit einem neuen Spieltisch, der auch heute noch in Gebrauch ist. 1955 wurde das Pfeifenwerk des vierten Manuals installiert. Bei der jüngsten Reinigung und Instandsetzung 1993/94 wurden sämtliche Windkanäle erneuert, das Schwellwerk erhielt ein neues Gehäuse aus massiver Fichte, die Verkabelung im Spieltisch wurde erneuert, neue Gebläsemaschienen, jetzt im Gehäuse aufgestellt, sorgen für eine verbesserte Windstabilität. Im Spieltisch wurde eine elektronische Wechselwirkungsschaltung untergebracht. Das Gehäuse wurde farblich neu gefaßt. Die Orgel beweist ihre vorzüglich Eignung zur Darstellung romantischer Orgelmusik in Liturgie und Konzert. Besonders erwähnenswert ist der ausdrucksstarke Fundus an Grundstimmen und Zungenstimmen. Das Werk basiert auf einem 32'-Pedalfundament und umfaßt heute 86 klingende Register. Die samstäglichen Orgelstunden zur Marktzeit und die Münsterkonzerte erfreuen sich einer konstanten Zuhörerschaft.