Bürgermeister streicht Mittel: Lotsenpunkt in Erfttal vor dem Aus

Bürgermeister streicht Mittel: Lotsenpunkt in Erfttal vor dem Aus
Der Lotsenpunkt in Neuss-Erfttal – ein kirchliches Angebot der Altenhilfe – steht anscheinend vor dem Aus. Grund dafür ist, dass der Neusser Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) städtische Zuschüsse für diese Einrichtung einbehält. Aus dem Kreis der Betreiber ist zu hören, dass die Einrichtung im Sommer schließen muss, wenn die ursprünglich zugesagten Gelder nicht fließen.
 
Seit 2015 konnte im dicht besiedelten Neusser Stadtteil Erfttal ein Netzwerk zur Vermittlung von altersgerechten Hilfen mit Mitteln des Diözesan-Caritasverbandes ausgebaut werden. Mit dem Lotsenpunkt finden Menschen, die konkrete Fragen zu Hilfeangeboten, Dienstleistungen, Beratungsstellen oder Freizeitaktivitäten für Senioren haben, eine Anlaufstelle. Ebenso gilt dies für Unternehmen und Verbände als Anbieter von Hilfeleistungen, die sich als solche anbieten und registrieren lassen möchten. Im Konzept ist auch vorgesehen, bei Hausbesuchen und mittels eines Leitfadens den Hilfebedarf älterer Menschen zu ermitteln und benötigte Angebote und Leistungen zu organisieren bzw. zu koordinieren. Das Ziel: Vorhandene Hilfen sollen vor Ort verfügbar gemacht werden, damit sie wirklich bei den Bedürftigen ankommen. Zu den Netzwerkpartnern gehören die Pfarreiengemeinschaft „Rund um die Erftmündung“, das Bürgerhaus des Sozialdienstes katholischer Männer, die evangelische Kirche, die Diakonie (Pflegestützpunkt im Paul-Schneider-Haus) und das Netzwerk Pro-Pflege (katholisch-im-rhein-kreis-neuss.de berichtete).
 
Die Idee des Lotsenpunktes hat offensichtlich nicht nur die Erfttaler Bevölkerung, sondern auch die (Sozial-)Politiker der Stadt Neuss überzeugt. Deswegen beschlossen sie im vergangenen Herbst, in ganz Neuss vier Lotsenpunkte zu fördern. Einer davon sollte in Erfttal sein, wo die Caritas-Projektförderung ausläuft. Das verhindert jedoch ein „Moratorium“ des Bürgermeisters. Wie er kürzlich auf Anfrage mitteilte, hat er über mehrere Maßnahmen der Jugend- und Sozialarbeit einen Umsetzungsstop verhängt, „damit die Politik Entscheidungen zur Haushaltskonsolidierung im Kontext treffen kann und nicht gerade eine Einrichtung aufgebaut wird und diese oder andere ein paar Monate später aus Sparzwängen geschlossen wird“. Im Klartext: Es soll gespart werden. Deshalb bleiben Zuschüsse, die eigentlich längst beschlossen sind, eingefroren. Betroffen ist auch ein in der Nordstadt geplantes Jugend- und Stadtteilzentrum, das ein katholischer Träger gern aufbauen möchte. Die eingesparte Summe beträgt übrigens rund 120.000 Euro – bei einem Haushaltsvolumen von knapp 500 Millionen Euro.
 
Jugend- und Sozialpolitiker verschiedener Fraktionen des Neusser Stadtrates zeigten sich entsetzt über das Vorgehen des Bürgermeisters und pochen darauf, dass ihre Beschlüsse eingehalten werden. CDU und Grüne wollen das in der nächsten Sitzung des Stadtrates zum Thema machen. Die Senioren in Erfttal, die den Lotsenpunkt unbedingt erhalten wollen, haben also in der Politik Mitstreiter.