Capella Quirinas reist weiter nach Kyoto

Der Kammerchor Capella Quirina meldet sich wieder aus Japan. Inzwischen hat er Tokyo verlassen und mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen die alte Hauptstadt Kyoto erreicht.

Das Wochenende vor dem Quartierwechsel war mit zwei Konzerten und einem Gottesdienst ausgefüllt: Am Samstag ging es zum zweiten Mal von der japanischen Hauptstadt ins südlicher gelegene Hamamatsu. Dort wurde der Chor zum gemeinsamen Auftritt mit dem „Hamamatsu Kinderchor“ erwartet. Quirinus-Kantor Joachim Neugart hatte mit der Leiterin des Chores aus Hamamatsu Junko Ikuma für das gemeinsame Musizieren mit John Rutter „Mass of the Children“ für Solisten, kleines Orchester, Kinderchor und Erwachsenen-Chor eine gute Wahl getroffen. Neben den Chören waren auch das Ensemble der Gesangs- und Instrumentalsolisten ganz im Sinne der Völkerverständigung mit japanischen und deutschen Musikern besetzt. Wieder konnten Sabine Schneider (Sopran), Sebastian Klein (Bariton), Stefanie Sassenrath (Oboe) und Stefan Palm (Klavier) überzeugen. Die kleinen Sängerinnen und Sänger des Kinderchores zeigten sich exzellent vorbereitet und bei der Aufführung der Rutter-Messe aufs höchste aufmerksam. Im ersten Teil des Konzertes überraschte die Capella Quirina die Zuhörer mit Japanischen Volksliedern in der Vertonung von Vic Nees.

Am Ende des Konzertes konnte das Publikum im voll besetzten Saal noch so begeistert applaudieren, der japanische Bühnenmanager ließ keine Zugabe zu, da er den im Programmablauf festgelegten Beginn des anschließenden gemeinsamen Empfangs auf die Minute genau gewährleisten wollte.

Auf diesem Empfang wurden die Neusser Gäste von den Eltern der Kinderchor-Sängerinnen und –Sänger bewirtet. Alle Grußworte mündeten in den Wunsch, die musikalische Zusammenarbeit bei künftigen Besuchen – sei es in Deutschland oder in Japan - fortzusetzen. Den japanischen Mädchen machte es offensichtlich viel Spaß, sich mit ihren deutschen Mitsängern fotografieren zu lassen, wobei es ihnen besonders einige besonders groß gewachsene Männer angetan hatten. Für 21:10 Uhr stand dann im Ablaufplan „Party ends“ – und für die Neusser Gäste hieß es, den Weg zum Bahnhof zur Rückfahrt nach Tokyo anzutreten. Wer gedacht hatte, Pünktlichkeit sei eine deutsche Tugend, wurde nicht nur von den japanischen Eisenbahnen eines besseren belehrt.

Der letzte Tag in Japans Metropole spielte sich dann im Wesentlichen in der katholischen „St. Mary’s Cathedral“ und ihrer Umgebung im Stadtteil Mejiro ab: Zunächst stand die Mitgestaltung des sonntäglichen Hochamtes auf dem Programm, in dem des 55. Jahrestages der Begründung der Partnerschaft der Erzbistümer Köln und Tokyo gedacht wurde. Msgr. Guido Assmann war zur Konzelebration der Hl. Messe eingeladen und der Chor gestaltete den Gottesdienst musikalisch im Wechsel mit dem Chor der Kathedrale mit Sätzen von J.S. Bach, Edvard Grieg und Anton Bruckner. Natürlich durfte auch das Neusser Quirinuslied nicht fehlen. Die Darbietungen waren gleichzeitig Werbung für das am frühen Abend stattfindende Konzert des Chores.

Zunächst aber konnten sich die Sängerinnen und Sänger auf einem rund um die Kirche stattfindenden Pfarrfest mit Basar und Imbissständen entspannen und stärken.
Doch schon bald hieß es, sich für das Konzert einzusingen und die Details für das anstehende Konzert abzustimmen. Auch wenn das gleiche Programm schon einige Tage zuvor in St. Ignatius erklungen war, war es eine Herausforderung, sich auf die komplexe Akustik dieses ganz aus Sichtbeton gestalteten großen Kirchenraumes einzustellen. So konnte etwa die Sichtverbindung zwischen Dirigent und beleitendem Organisten bei einer Bach-Motette nur mit Hilfe von Kamera und Bildschirm hergestellt werden. Für die zweite Aufführung der hochkomplexen Choralmesse von Jona Kümper in Japan musste sich der Chor gar auf die beiden Seiten der Orgelempore verteilen und ohne direkte Verbindung untereinander singen. Es entspricht aber dem professionellen Anspruch der Capella Quirina, dass all diese Herausforderungen gemeistert werden konnten. Das Ergebnis war ein Konzert, das ein wirklich begeistertes Publikum zurückließ. Diesmal musste der Chor nach seinem Abtritt gar noch einmal auf die Bühne, weil das Publikum nach zwei Zugaben nicht bereit war, die Kirche zu verlassen.

Interessant waren die vielen Gespräche nach dem Konzert: Da wurden die Chormitglieder deutsch oder auch englisch angesprochen von Zuhören, die etwa dem ersten Tokioter Konzert so beeindruckt waren, dass sie unbedingt auch das zweite hören wollten, von Japanern, die in Deutschland studiert oder gearbeitet hatten oder von der Leiterin eines bekannten japanischen Chores, die von weither angereist war, um den Neusser Chor zu hören.

In Kyoto hatte die musikalische deutsche Reisegruppe nun an zwei freien Tagen Gelegenheit, tief in die japanische Geschichte einzutauchen. Wo kann man das besser als in der Stadt, in der hunderte von Tempeln und Schreinen davon zeugen, dass hier bis ins 19. Jahrhundert für 800 Jahre das japanische Machtzentrum war? Allein 17 dieser Anlagen haben den Status eines „Weltkulturdenkmals“. Am Donnerstag steht dann ein Konzert in Doshisha Universität auf dem Programm, bevor die Reise in Osaka endet.

Filme der Japanreise sind unter folgenden Internetadressen zu sehen:

http://www.youtube.com/user/haaadeee#p/a/u/0/_xxlD9uWJs0
http://www.youtube.com/watch?v=B0HOhqML-OA
http://www.youtube.com/user/haaadeee#p/a/u/0/_xxlD9uWJs0