Der rheinische Kardinal – Seelsorger, Diplomat und Brückenbauer

Der rheinische Kardinal – Seelsorger, Diplomat und Brückenbauer
Kölner Erzbischöfe schaffen es regelmäßig, in Neuss ganze Kirchen und Säle zu füllen – so auch kürzlich, als die Josef-Kardinal-Frings-Gesellschaft zur Vorstellung des Buches „Der rheinische Kardinal“ einlud. Der Kabarettist Konrad Beikircher übernahm es, in das neue Werk über Frings, der von 1942 bis 1969 Kölner Erzbischof war, einzuführen.
 
Nach dem Frings-Denkmal im Schatten des Quirinus-Münsters und der Benennung der Südbrücke nach dem in Neuss gebürtigen Erzbischof ist die Herausgabe des Buches das dritte große Projekt der Gesellschaft, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, Leben und Werk des bedeutenden Kardinals, Erzbischofs und Neusser Ehrenbürgers lebendig zu halten.
 
Gut 500 Seiten umfasst die Schrift des Neusser Journalisten und Autors Friedhelm Ruf, der im Auftrag der Frings-Gesellschaft tätig war. Dabei handelt es sich nicht um eine (wissenschaftliche) Biografie, wie sie etwa einst Norbert Trippen verfasst hat. Hauptanliegen war es vielmehr, Zeitzeugen zum Sprechen zu bringen, um „Wissen und Erfahrung der noch Lebenden zu sichern“, wie es Bernd Ramakers, Präsident der Frings-Gesellschaft, betonte. Die Liste dieser reicht von Familienmitgliedern über Neusser und Kölner Weggefährten, Messdiener, Firmlinge und Schützen bis hin zu dem Krankenpfleger, der Frings in seinen letzten Tagen begleitete. In rund 20 Kapiteln werden verschiedene Aspekte von Frings Leben und Wirken dargestellt, Interviews und zahlreiche Dokumente runden die Zusammenstellung ab.
 
Beikircher, der sich als „großer Verehrer“ von Frings zu erkennen gab, trug einige Passagen aus dem Buch vor – humorvolle Anekdoten, aber auch ernstere Stellen. So würdigte er Frings‘ bodenständige und leutselige Art, ging aber ausführlich auf das Verhältnis von Kardinal Frings und Konrad Adenauer ein, das distanzierter sei, als gemeinhin angenommen werde. Mehrfach forderte der Kabarettist, Frings solle endlich selig- und später dann auch heiliggesprochen werden. Dies könne doch das nächste Projekt der Frings-Gesellschaft werden.
 
Ob das in der Macht des Vereins liegt? Etwas realistischer klang da doch die Anregung Rufs, sich für ein Gedenken an Frings in der Münsterbasilika einzusetzen. Immerhin weise in der Kirche nichts auf das berühmte Pfarrkind hin.