Von Constantin Graf Hoensbroech

Die Faszination des Weltjugendtags weitergeben

Ein Hauch von Wehmut und Abschied lag über diesem traditionellen Neujahrsempfang, zu dem der Katholikenrat Neuss in diesem Jahr ins Collegium Marianum geladen hatte. Schließlich endet am 31. Juli die 150-jährige Geschichte dieser Einrichtung des Erzbistums Köln, in der Männer auf dem zweiten Bildungsweg auf das Priestertum vorbereitet werden. Auch der Katholikenrat, das höchste Laiengremium der Stadt, muss sich dann neue Räumlichkeiten suchen. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir bald eine neue Bleibe gefunden haben", zeigte sich Katholikenratsvorsitzender Hans Dieter Schröder optimistisch.

Die Frage nach der neuen Bestimnung des Marianum konnte indes nicht beantworten. "Die Entscheidung darüber wird im Generalvikariat in Köln getroffen." Achselzucken auch beim derzeitigen Direktor Herbert Ullmann: "Ich weiß absolut nichts", sagte er: und fügte hinzu: "Ich hoffe nicht, monatelang mit einem Leerstand in meiner Pfarrei konfrontiert zu werden." Für den Pfarrer von Heilige Dreikönige und St. Pius wäre es sicherlich schmerzhaft, .gerade das Gebäude als leerstehende Immobilie in seinem Gemeindebezirk zu sehen, in dem er jahrelang so segensreich gewirkt hat. Sicher ist bislang nur, dass nach Semesterende Mitte Juni voraussichtlichzehn Seminaristen ins Priesterseminar nach Bonn übersiedeln werden. Unsicher hingegen ist weiterhin die Zukunft der 15 Angestellten in dem weitläufigen Bau an der Preußenstraße. Eine Anfrage der WZ dazu an das Kölner Generalvikariat blieb ebenso unbeantwortet wie die nach zum Stand der Verhandlungen mit potenziellen Investoren, etwa dem Neusser Bauverein.

Im Mittelpunkt des Abends, zu dem sich zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens sowie viele der im November neu gewählten Pfarrgemeinderäte eingefunden hatten, stand jedoch der Rückblick auf "ein Jahr, das uns allen wohl nachhaltig in Erinnerung bleiben wird", so Schröder. Der Tod von Papst Johannes Paul II, die Wahl von Joseph Kardinal Ratzinger zum Papst und vor allem der Weltjugendtag waren ,"Ereignisse, bei denen Spiritualität, Glaube und Lebensfreude sichtbar wurden". Gerade in den Dekanaten des Rhein Kreises habe der Weltjugendtag bleibende Zeichen gesetzt und tiefe Spuren hinterlassen. "Es gilt die Faszination dieses Ereignisses weiterzugeben", meinte Schröder nicht zuletzt mit Blick auf das neue Jahr. Denn im Mai findet in Saarbrücken der 96. Deutsche Katholikentag statt. Thomas Großmann, Leiter der Arbeitsgruppe "Katholikentage" beim Zentralkomitee der Deutschen Katholiken berichtete über den Stand der Vorbereitungen zu dem Großereignis unter dem Motto "Gerechtigkeit vor Gottes Angesicht". Er ermutigte die Vertreter Neusser Pfarreien, sich zu bcteiligen. "Das Gelingen hängt auch davon ab, wie sehr die inneren katholischen Zirkel diese Tage für ein Ereignis halten, das mitzugcstalten und mitzuerleben sich lohnt." Ob er dabei den Kölner Erzbischof ]oachim Kardinal Meisner im Hinterkopf hatte? Der ist schließlich für seine ablehnende Haltung gegenüber Katholikentagen hinlänglich bekannt. Schröder jedenfalls ist von der frohen und befreienden Botschaft einer solchen Veranstaltung überzeugt und ermutigte die Neusser Katholiken, sich einzubringen.
http://www.katholikentag.de