Direkt zum Kardinal per Internet

Direkt zum Kardinal per Internet
Erzbischof Joachim Kardinal Meisner wird auf einer neu eingerichteten Internetseite Fragen zu Glauben, Leben und Kirche beantworten. Unter der Adresse www.direktzumkardinal.de ist seit Pfingsten ein Portal freigeschaltet, auf dem sich jeder mit Fragen be¬teiligen kann.

Die Fragen werden auf der Plattform online veröffentlicht. Jeder Nutzer kann eigene Beiträge an den Erzbischof von Köln formulieren oder sich an der Abstimmung bereits gestellter Fragen beteiligen. Daraus entsteht eine Rangfolge der Beiträge. Die auf diese Weise bestbewertete Frage wird in einem zweiwöchigen Turnus von Kardinal Meisner persönlich beantwortet. Zur besseren Übersichtlichkeit wurden Themenbereiche angelegt. Anfragen, Bewertungen und die Antworten des Erzbischofs bleiben online einsehbar, sodass ein interaktives Kommunikationsforum im Sinne des „Web 2.0“ entstehen soll.

Für Kardinal Meisner ist diese Plattform ein erster Schritt hin zur Kommunikation über Internet, das vor allem viele junge Menschen zum Austausch nutzen. Ein Sprecher des Erzbistums erklärte, dieser Weg ermögliche zwar keinen unmittelbaren Gedankenaustausch, dafür aber einen vertieften. Einen Facebook-Auftritt, den sich die Mehrzahl der Teilnehmer einer Domradio-Umfrage gewünscht hatte, wird der Kölner Erzbischof hingegen vorerst nicht einrichten.

Moderiert wird die Plattform von einem externen Internetdienstleister, der sich auf diese Kommunikationsform spezialisiert hat und ähnliche Seiten für Vertreter aus Politik und Gesellschaft betreibt, darunter auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Hier geht es zur Portal: http://direktzu.kardinal-meisner.de/ebk


Kommentar: „Mitmach-Internet“ ohne Mitmachen

Kardinal Meisner hat scheinbar den Weg ins „Mitmach-Internet“ – auch Social Web oder Web 2.0 genannt – gefunden. Endlich, denn es wurde auch Zeit! Statt Facebook, YouTube und die anderen Plattformen zu nutzen, haben das Erzbistum Köln und sein Oberhirte bisher nahezu jeden Online-Trend verpasst oder ihr eigenes Süppchen gekocht, wie etwa das kaum genutzte Portal MedienTube. Viele Bischöfe, Pfarrer, Kapläne oder Diakone sind schon lange weiter, die Jugendverbände und –einrichtungen der Kirche sowieso.

Nun also ein erster Schritt. Ob er erfolgreich wird und zum Dialog zwischen dem Hirten und seiner Herde beiträgt, wird sich zeigen. Zweifel sind aber angebracht: Denn im Kern ist die neue Plattform nichts anderes als ein Email-Formular – das gab es bisher auch schon. Allerdings werden die engen Benutzerregeln die Auswahl nur einer zu beantwortenden Fragen dafür sorgen, dass die meisten Beiträge gar nicht zugelassen oder beantwortet werden. Und wer das Glück hat, dass seine Frage doch ausgewählt wird, muss bis zu zwei Wochen auf eine Antwort warten.

Damit ist direktzumkardinal.de eigentlich weit vom wirklichen „Mitmach-Internet“ entfernt, denn das lebt von der Initiative und Dynamik seiner Mitglieder und nicht von engen Vorgaben des Betreibers.

Thomas Kaumanns