Drei Grevenbroicher Kirchen sollen Versammlungsräume integrieren

In die Kirche St. Joseph in der Grevenbroicher Südstadt sollen die im Pfarrheim untergebrachten Versammlungsräume integriert werden. Foto: TZ
In die Kirche St. Joseph in der Grevenbroicher Südstadt sollen die im Pfarrheim untergebrachten Versammlungsräume integriert werden. Foto: TZ
„Im Mittelalter war es völlig normal, dass im Kirchenschiff Dinge stattfanden, die nicht unmittelbar gottesdienstlich waren“, sagt Oberpfarrer Dr. Meik Schirpenbach. Und das hat einen guten Grund: Die Kirchen St. Matthäus, St. Lambertus und St. Joseph in Allrath, Neurath beziehungsweise in der Grevenbroicher Südstadt sollen so umgebaut werden, dass in sie Versammlungsräume integriert werden können.
 
„Ich sehe eine große Chance darin, das Gemeindeleben noch stärker an den Sakralraum zu binden. Wir können unsere Mitte so bewusster wahrnehmen. Das Heilige und das Weltliche gehören näher zusammen, wenn ersteres in letzteres ausstrahlen soll", so Schirpenbach, der leitende Pfarrer in Grevenbroich und Rommerskirchen. Nun arbeiten das Architekturbüro Lenze+Partner, die Werkgemeinschaft Quasten-Mundt sowie Professor Peter Böhm an der sogenannten Vorplanung.
 
Der Hintergrund ist klar: Die (zu) großen Gotteshäuser können immer weniger gefüllt werden, und der Grevenbroicher Seelsorgebereich „Vollrather Höhe“ muss die Kosten für die Gebäudeunterhaltung senken. In Allrath sollen so etwa Pfarrsaal und Gruppenraum unter der Orgelbühne entstehen. Eine Schiebewand könnte es ermöglichen, diesen Bereich bei Bedarf auch bei besonders gut besuchten Messen zu nutzen.
 
Ein Gebäudekonzept von 2017 hatte als Alternative den Abriss des Gotteshauses mit Ausnahme des alten Turms und den Bau eines kleineren Gebäudes vorgesehen. Dieser Plan wurde aber ad acta gelegt, als das Amt für Denkmalschutz und Denkmalpflege des Landschaftsverbands Rheinland dafür plädierte, das Gotteshaus aus den 1960er Jahren unter Schutz zu stellen. Der Bau wirkt auf die Experten „wie ein Vorläufer postmodernen Gestaltens und fungiert als architekturhistorisch interessantes Bindeglied zwischen den Stilrichtungen des 20. Jahrhunderts“.
 
Oberpfarrer Schirpenbach unterstützt diese Auffassung ausdrücklich: „Deshalb führen wir in Abstimmung mit der Denkmalpflege unsere Planungen weiter, Versammlungsräume in das Kirchengebäude zu integrieren. Allrath übernimmt hierbei eine bistumsweite Vorreiterrolle. Nur so werden sich Kirchen in Zukunft erhalten lassen. Dieses Anliegen hat für uns oberste Priorität.“
 
Auch in Neurath und in der Südstadt sind die Architekten damit beschäftigt, die bisher im Pfarrhaus beziehungsweise im Pfarrheim liegenden Versammlungs- und Nebenräume in die Kirchen zu verlagern. In St. Lambertus – denkmalgeschützt – soll der Altarraum erhalten bleiben und ein neuer, barrierefreier Zugang geschaffen werden. Aus Köln kommt der Vorschlag, das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Pfarrhaus nach dem Umbau der Kirche zu verkaufen. In St. Joseph beschäftigt sich der Kirchenvorstand zudem mit der Frage, wie es mit dem Gebäudekomplex weitergehen soll, in dem Jugendtreff, Pfarrheim und Kindergarten untergebracht sind.