Ein ungewöhnlicher Freitagabend

Ein ungewöhnlicher Freitagabend
Weit über hundert Veranstaltungen, mehrere Tausend Besucher, noch vielmehr Eindrücke durch Raum, Licht, Musik und Gebet – am vergangenen Freitagabend standen die christlichen Kirchen in Neuss offen.

Katholische, alt-katholische, evangelische und griechisch-orthodoxe Christen hatten in Neuss, Kaarst und Meerbusch-Osterath zur „Nacht der offenen Kirchen eingeladen“. Einheitlich war der Rahmen – gemeinsames Glockengeläut zu Beginn, gleiche Gebete und Fürbitten, doch völlig unterschiedlich waren die Akzente der Kirchen: Viele Gemeinden setzten dabei ökumenische Akzente, so etwa bei der ökumenischen Taizé-Nacht von Hl. Dreikönige und dem Gemeindezentrum Einsteinstraße oder bei einer Lichterprozession (Sieben Schmerzen Mariens Büttgen / Lukaskirche Kaarst). Manche Gemeinden setzten ihren Kirchraum in Szene, wie z.B. in St. Cyriakus durch eine Illumination der Kirchenfenster. Bei anderen stand die Liturgie im Mittelpunkt. Wieder andere Gemeinden hatten musikalische Programme vorbereitet, so etwa die Pfarren des katholischen Seelsorgebereichs im Neusser Süden.

Auch im Quirinus-Münster wurden musikalische Akzente gesetzt: Auf „musikalische Intermezzi mit dem Neusser Kammerorchester“ folgte ein offenes Gemeindesingen. Den ganzen Abend über war die Kirche in Kerzenlicht getaucht. Viele Neusserinnen und Neusser ließen sich die Chance, diese einmalige Atmosphäre zu erleben, nicht entgehen.

Viele Zuschauer lockte auch die evangelische Christuskirche in der Innenstadt an: „Nähe unnahbar“ – in Anlehnung an Sprüche Salomos 18, Vers 24 führten Mitglieder des Tanzraums Neuss ein Tanzstück über Dis-Tanz und Akzep-Tanz auf. Im abgedunkelten Kirchraum sorgten Spots für eine bunte Beleuchtung des Altarraums, schwarz gekleidete Tänzerinnen bewegten sich formschön zur rhythmischen Musik.

Die evangelisch-freikirchliche Gemeinde (Baptisten) auf der Furth hatte zu Meditation, Liedern, Andacht und Gebet eingeladen. Das große Taufbecken, in dem durch vollständiges Eintauchen pro Jahr bis zu drei Aufnahmen in die kleine, aber aktive Gemeinde vollzogen werden, war geöffnet. Pastor Hans-Jürgen Scherpel ging in einem Impuls auf die Bedeutung der Taufe ein: „Der Täufling wird in den Tod getaucht und zum neuen Leben erweckt.“

Das „Publikum“ in den Kirchen war durch und durch gemischt: Praktizierende Christen hatten sich genauso auf den Weg gemacht wie der Kirche ferner Stehende. Manche hatten sich vorher gründlich informiert und eine ganze Tour durch Neuss geplant. Auch kirchliche Mitarbeiter nutzen die Chance, einmal über den eigenen Teller- oder besser: Gemeinderand hinauszublicken, so etwa die Messdiener von Hl. Dreikönige / St. Pius.

Ein wenig schade war da, dass manche Kirchen von außen wie geschlossen aussahen und wenig einladend wirkten. Ganz anders in St. Marien: Helfer aus dem Pfarrgemeinderat und aus der Pfarrjugend hatten sich – mit Kerzen „bewaffnet“ – aufgemacht. Sie sprachen vorbeigehende Menschen an und luden sie ein, in die Kirche zu kommen und eine Kerze anzuzünden. Auch junge Leute, die zu später Stunde vom Bahnhof zur Disco unterwegs waren, konnten dazu bewegt werden, in der nur von Kerzen erleuchteten Kirche einige Minuten in Stille zu beten.

Gar nicht still war es in der St. Pius-Kirche: Die Junge Kirche im Rhein-Kreis Neuss hatte zwei Konzerte organisiert, unter anderem ein Conga- und Percussion-Konzert. Die außen und innen in farbiges Schweinwerferlicht getauchte Kirche wurde von rhythmischen Trommelstücken erfüllt. Im Pfarrzentrum war ein „Relax-Café“ eingerichtet.

Zum ersten Mal mit von der Partie war die Krankenhausseelsorge des Lukaskrankenhauses. Neben einer Bilderausstellung lockten Musik und Gebet. Die Eröffnungsandacht und die Gebete zur vollen Stunde wurden in die Krankenzimmer übertragen – für die evangelische Pastorin Angelika Ludwig eine Botschaft an die Patienten: „Ihr seid nicht allein, ihr seid im Gebet mit allen verbunden.“

Bei der Vielzahl der Angebote war für jeden etwas dabei: „Ich finde es gut, dass verschiedene Geschmäcker angesprochen werden“, sagte Johanna Jansen (18), die in St. Marien mithalf, aber auch die Chance nutzte, andere Kirchen zu besuchen.

Organisiert wurde die Nacht der offenen Kirchen von der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK). Unterstützt wurde die Aktion von den Stadtwerken Neuss sowie von der Sparkassenstiftung.