Gelungene Premiere: Weihnachtsmusik in der Dreikönigenkirche

Gelungene Premiere: Weihnachtsmusik in der Dreikönigenkirche

Kann man an einem Sonntagnachmittag nach Weihnachten, also nach den Feiertagen, an denen Christen oft mehrfach Gottesdienste besuchen, eine Kirche auch noch für ein Konzert voll bekommen? Ja, man kann es. Der Beweis gelang kürzlich in der Neusser Dreikönigenkirche. Diese war für ein Konzert unter dem Motto „Joy tot he world“ bestens gefüllt.

Mit der Zusammenstellung des Programms hatte Kantor Michael Landsky den Geschmack des Publikums voll getroffen. Eineinhalb Stunden lang wechselten sich weihnachtliche Lieder und Musikstücke aus verschiedenen Epochen und Stilrichtungen ab – teils zum Zuhören, teils zum Mitsingen. Vor allem das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern, ein Format, das andernorts ganze Stadien füllt, wurde vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Ehrenamtliche Helfer hatten die Kirche mit Kerzen und Strahlern in ein stimmungsvolles Licht getaucht, so dass das Konzert zu einem Erlebnis für alle Sinne wurde.

Mitwirkende an diesem Nachmittag waren der Dreikönigenchor, das Ensemble 3Klang, die Blechbläsergruppe International Brass sowie Instrumentalsolisten. Sie erhielten am Ende stehende Ovationen. Einen kräftigen Applaus gab es auch auf die Frage von Kantor Landsky, ob es im neuen Jahr eine Wiederholung eines solchen Konzertes geben soll.


A N A L Y S E

So geht Kirchenmusik heute!

Landauf, landab beklagen Musiker und Musikinteressierte den Niedergang der Kirchenmusik. Viele Chöre überaltern oder schrumpfen und haben große Mühen, ihr traditionelles Repertoire weiter aufzuführen; viele Konzerte werden mit großem Aufwand und hohen Kosten vorbereitet und locken dann doch nur drei Dutzend Zuhörer an.

Die Neusser Dreikönigengemeinde zeigt, wie es anders gehen kann. Der Schlüssel zum Erfolg: nicht die zehnte Aufführung von Mozarts Requiem oder die x-te Wiederholung des Bach’schen Weihnachtsoratoriums, nicht ein Konzert als bloßer Konsum eines Kulturgutes, sondern ein Konzert zum Mitmachen und Miterleben, begeisternd und ansteckend. So wird Musik in der Kirche wirklich zur Kirchen-Musik, die nicht nur Kunst ist, sondern auch Verkündigung.

Thomas Kaumanns