Glücklich geerbt

Die Kirchengemeinde Heilige Dreikönige hat geerbt. Ein Glück, kann auch dieser Erbe jubeln, denn die Erbschaft versetzt die Gemeinde in die Lage, den Eigenanteil für ein neues Pfarrzentrum aufzubringen - statt das alte unter dem Druck der Sparanforderungen aus dem Projekt „Zukunft heute“ des Kölner Erzbistums zum Teil einfach stillzulegen. Denn das, so Pfarrer Herbert Ullmann, „würde unsere pastorale Arbeit beinahe unmöglich machen.“

Der vorhandene Altbestand mit dem Pfarrsaal und der jüngere Verbindungsbau mit Pfarrbücherei, Altenstube und Hausmeisterwohnung werden dem Bagger weichen müssen. Die Gruppen, die dort ihr Zuhause in der Gemeinde hatten, wurden gerade schriftlich über die neuen Sachlage informiert. Sie sollen sich nun überlegen, wie und wo sie in der Bauzeit „überwintern“ wollen - und welche Wünsche sie mit einem neuen Pfarrzentrum verbinden. Der Einsendeschluss ist knapp gesetzt: 25. Juni. Denn nachdem die Marschrichtung nun einmal feststeht, will die Gemeinde auch zügig aufbrechen. Baubeginn soll nach Möglichkeit schon im Frühjahr sein.

Der Entschluss zu diesem Schritt fiel den Entscheidungsträgern der Gemeinde nicht leicht, betont Pfarrer Herbert Ullmann. Denn andere Lösungen hatten zunächst Vorrang. Aber es hat nicht jeder das Glück der Nachbargemeinde St. Marien, die ihr Pfarrzentrum St. Barbara an die Caritas vermieten konnte. Mieter für einen Teil der Liegenschaft des Pfarrzentrums Heilige Dreikönige gab es nicht. Es fehlte an einer guten Anbindung, zählt Andrea Wahlen als stellvertretende Kirchenvorstandsvorsitzende einige Vermietungshindernisse auf, die Zahl der Parkplätze ist verschwindend gering, das Haus an sich schwer zu teilen - und direkt an der Kirche gebaut.

So schien der Abriss eines Teils der Gebäude und die Sanierung des zu nutzenden Restes lange der Königsweg zu sein, doch nachdem der Architekt Richard Wichmann die Kosten für die Sanierung - noch erhöht durch scharfe Brandschutzauflagen - denen für Abriss und Neubau gegenübergestellt hatte, stand fest: Neu wird billiger. Das Erzbistum, das eher Versammlungsflächen abbauen als neue schaffen will, geht den Weg mit und beteiligt sich zu 70 Prozent an den Kosten. Weil der Eigenanteil gesichert und die Investition rentierlich ist: Die Gemeinde halbiert ihre Versammlungsfläche, erklärt Ullmann, die aber dann aus eigener Kraft unterhalten werden.

Was gebaut wird, das weiß Architekt Wichmann noch nicht. Wo gebaut wird auch nicht, denn Ullmann würde das Pfarrzentrum gerne dichter an der Dreikönigenstraße bauen, es aus seinem Dornröschenschlaf, wie er sagt, wecken. Fest steht nur, dass das Pfarrzentrum einen neuen, vielfach zu nutzenden großen Saal bekommt, der auch Karnevalsfeiern der Gemeinde - in der Stadt legendär - möglich macht. Allerdings nicht im Jahr 2010. Dann fällt die Feier wegen Bauarbeiten aus.