Hartmut Straubinger neuer Superior im Kloster Knechtsteden

Neuer Superior von  Knechtsteden: Pater Hartmut Straubinger. Foto: TZ
Neuer Superior von Knechtsteden: Pater Hartmut Straubinger. Foto: TZ
Für das legendäre 7:1 der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft über Gastgeber Brasilien hatte er keine Eintrittskarten mehr bekommen. Dabei fand das Spiel in Belo Horizonte statt, wo Spiritaner-Pater Hartmut Straubinger die deutsche Gemeinde leitete. Also sah er sich die Begegnung in einem Nachbarhaus an, in dem die Bewohner spätestens nach dem 3:0 der Deutschen in Depression versanken. Und das galt für das ganze Land und auch seine Kirche. Noch Tage später, bei Exerzitien, trat der Erzbischof an Straubinger heran, legte ihm eine Hand auf die Schulter und befand nur konsterniert: „Das hättest Du uns nicht antun dürfen.“
 
Geschichten wie diese erzählt Pater Straubinger gern. Der 72-jährige Seelsorger war 45 Jahre in Brasilien tätig, ist soeben zurückgekehrt und hat die Nachfolge von Pater Bruno Trächtler als Superior des Klosters Knechtsteden angetreten. Er stammt aus Horb am Neckar, kam 1959 auf das Konvikt der Spiritaner in Donaueschingen und ist dann in der Missionsgesellschaft vom Heiligen Geist „hängengeblieben“, wie er sagt. Im Jahr 1970, nach dem Studium der Theologie, wurde Straubinger in Knechtsteden zum Priester geweiht und anderthalb Jahre später nach Südamerika versetzt, wo er in Rio de Janeiro erst einmal Portugiesisch lernte.
 
In Brasilien arbeitete Straubinger sowohl als Seelsorger als auch als Ökonom in der Kirchenverwaltung: in der Millionen-Metropole Sao Paulo, in Santa Catarina im Süden des Landes, in der Nähe der Hauptstadt Brasilia und im Bundesstaat Minas Gerais mit der Hauptstadt Belo Horizonte. Gefallen hat dem Fan des VfB Stuttgart die Fußball-Begeisterung der Brasilianer: „Die Treue zum Verein ist für viele von ihnen das Wichtigste überhaupt – und damit gut in die Predigten einzubauen.“
 
Und „subversiv gearbeitet“ hat Straubinger auch, wie er sagt, Bei seiner Tätigkeit in Sao Paolo während der Militärdiktatur drückte er Passagieren, die nach Deutschland flogen, im Auftrag des Erzbischofs immer wieder Kuverts in die Hand. Wie er erst viel später erfuhr, handelte es sich um Dokumente über Folterungen, die außer Landes geschmuggelt werden sollten.
 
Als neuer, für drei Jahre ernannter Superior von Knechtsteden  steht Straubinger 23 Patres und Brüdern vor. „Ich möchte den Missionsgedanken aufrechterhalten und die Freude am Evangelium weitergeben“, sagt er. Seine Devise ist dabei klar und deutlich: „Gegen Mutlosigkeit ankämpfen und positives Denken vermitteln!“. Und dabei setzt er „auf pastorale Gelassenheit, die bestehende Probleme akzeptiert und sie in aller Ruhe angeht“.