Hirtenbrief zur Fastenzeit: Woelki gibt „Regierungserklärung“ ab

Hirtenbrief zur Fastenzeit: Woelki gibt „Regierungserklärung“ ab
Was dem Papst die erste Enzyklika ist, ist für den Bischof sein erster Hirtenbrief: erstmals nach seiner Amtseinführung wendet sich Kardinal Woelki heute an alle Gläubigen seines Erzbistums. Den traditionellen Hirtenbrief zur Fastenzeit nutzt er, um seiner Amtszeit eine Richtung zu geben. Deutlich wird: Der Kirche stehen große Veränderungen bevor.
 
„Kann der auch mehr als nur Flüchtlinge?“ Kritiker des neuen Kölner Erzbischofs fragen sich bereits, welche Themen Kardinal Woelki jenseits seines sozialen Engagements setzen wird, wohin er das bedeutendste Bistum Deutschlands in Zukunft führen möchte. Wie Insider schon vermutet hatten, steht die Antwort im Hirtenwort, das an diesem Wochenende in allen Kirchen des Erzbistums verlesen wird.
 
Angesichts tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderungen plädiert Woelki für eine neue und nachhaltige Form des Kirche-Seins. Der Weg dorthin sei aber kein administrativer Vorgang, sondern einen geistlicher Prozess, der in der Begegnung mit dem Herrn in Gebet, Heiliger Schrift und der Feier der Eucharistie gründe. Orientierung fänden die Christen vor allem in der Heiligen Schrift; in der Auseinandersetzung mit der Bibel werde Gott selbst zum Handelnden.
 
Der Kölner Erzbischof wünscht sich Glaubensgemeinschaften als „spirituelle Tankstellen“ für das religiöse Leben. Sie sollten sich mit Pfarreien bzw. Seelsorgebereichen und kirchlichen Einrichtungen zu „pastoralen Räumen entwickeln, in denen sie selbst mit allen kirchlichen Einrichtungen wie die unserer Kindertagesstätten, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime und die der verbandlichen Caritas als Orte kirchlichen Lebens noch mehr als bisher miteinander vernetzt sein werden.“
 
Dadurch solle es gelingen, den Blick über Kerngemeinde und Gottesdienstbesucher hinaus zu weiten. Die Kirche müsse auch „die anderen 85-90 % im Blick zu behalten, und zwar so, dass diese innerlich beteiligt sind, mit Christus in Verbindung kommen und sich selbst als einen lebendigen Teil von Kirche erfahren.“