In der Dormagener Raphaelschule wird jetzt auf Ergometern gelernt

Auf dem Ergometer lernt es sich in der Raphaelschule noch mal so gut.
Auf dem Ergometer lernt es sich in der Raphaelschule noch mal so gut.
Mathe-Unterricht in der Klasse 5 an der katholischen Raphaelschule in Dormagen: Alle Schülerinnen und Schüler sitzen an ihren Tischen und beschäftigen sich mit den Aufgaben. Alle Schüler? Nein! Im Hintergrund der Klasse ist ein leises Schleifgeräusch zu hören. Ein Schüler sitzt in einer etwas erhöhten Position, strampelt mit den Beinen und schreibt gleichzeitig etwas in das vor ihm liegende Heft. Was geht hier vor sich?
 
Radeln auf Spezial-Ergometern (mit Schreibpult und Bücherstützen) während des Unterrichts im Klassenraum soll wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge positive Auswirkungen auf Schulleistungen, Sozialverhalten und Gesundheit haben. Dies will die Raphaelschule in ihren Klassen ausprobieren. Dafür wurden sechs Ergometer angeschafft, die von den Handwerkern des Jugendhilfezentrums „Raphaelshaus“ mit eigens angefertigten Schreibpulten und Bücherstützen ausgerüstet worden sind.
 
Die futuristisch aussehenden Spezialgeräte wurden auf verschiedene Klassen der Förderschule für emotionale und soziale Entwicklung verteilt, in denen die Schülerinnen und Schüler nun beim Lernen in die Pedale treten können. Schnelles Strampeln und maximales Schwitzen sind bei der Aktion nicht gefragt, vielmehr sollen die Schülerinnen und Schüler langsam und mit geringem Widerstand in die Pedale treten, um den Puls ein wenig zu erhöhen. Lesen und Schreiben sollen dabei stets möglich bleiben.
 
Durch die Anregung des Herz-Kreislauf-Systems wird mehr Blut ins Gehirn gepumpt, was die Konzentration steigert. Das stetige Treten kommt dem Bewegungsdrang, besonders bei hyperaktiven Kindern, entgegen. Statt unaufgefordert durch die Klasse zu laufen oder am Platz mit dem Stuhl zu wippen, können die Kinder und Jugendlichen ihrem Bewegungsdrang nun in einem kontrollierten Setting freien Lauf lassen.  Erfahrungen aus einem Versuch in Österreich haben gezeigt, dass sich bei vielen Schülerinnen und Schülern das Sozialverhalten sowie die Schulleistungen positiv verändert haben. Die körperliche Fitness wird auf jeden Fall erhöht.
 
„Ich kann mich einfach besser auf den Unterricht konzentrieren, wenn ich mich dabei bewegen kann“, so Ricardo, Schüler der Klasse. „Früher ist Ricardo spätestens nach zehn Minuten von seinem Platz aufgestanden und durch die Klasse gelaufen. Auf dem Ergometer kann er nun schon über eine halbe Stunde dem Unterricht folgen“, ergänzt seine Klassenlehrerin. Neben den Ergometern binden die Lehrkräfte viele weitere Bewegungselemente wie Laufdiktate, kurze Aktivpausen oder aktive Lernspiele in den Unterricht ein, um dem Bewegungsdrang der Kinder und Jugendlichen entgegenzukommen und diesen dabei gleichzeitig für die Schule zu nutzen.