Katholiken zogen kritische Bilanz

Cornel Hüsch ist Vorsitzender des Katholikenrats. Foto: TZ
Cornel Hüsch ist Vorsitzender des Katholikenrats. Foto: TZ
Die Zukunftsfragen der Kirche müssen auf allen Ebenen offen und ohne Ausgrenzungen diskutiert werden. Diese Meinung prägte die Hauptversammlung des Kreiskatholikenrats in Kaarst. 

„Die Sprache der Kirche und ihrer Verantwortlichen ist nicht mehr die Sprache der Menschen. Wir stellen uns Fragen, die nicht mehr die Fragen der Menschen sind, und wir geben Antworten auf Fragen, die keiner mehr hat“, konstatierte Cornel Hüsch, der Vorsitzende des Gremiums, das 177000 Katholiken im Kreisdekanat Neuss vertritt. 

Hüsch kritisierte insbesondere den Fasten-Hirtenbrief des Kölner Erzbischofs über Sexualität und Ehe. Dieses Thema sei „der Lackmustest der Welttauglichkeit der Sittenlehre der Kirche“. Hüsch: „Offenheit und die Ermutigung zur Nutzung der Freiheit der Kinder Gottes, mit den Gaben und Geschenken Gottes – wobei die Sexualität eine besondere Gabe ist – umzugehen, wäre jetzt das Gebot der Zeit.“ Hinweise auf „einzig legitime Formen“ der gelebten Sexualität hülfen nicht weiter. „Solche Hinweise verschließen die Augen vor der Wirklichkeit und zeigen wenig Barmherzigkeit“, so Hüsch. 

Der Vorsitzende ging auch auf die Frage nach dem Zölibat der Priester ein. „Eine Aufhebung des Zwangszölibats würde nicht alle Probleme der Kirche lösen. Ein Impuls würde sie aber sein“, hieß es. Es sei sicherlich „Gnade und Berufung“, den Zölibat zu leben. Er müsse aber nicht die ausschließliche Lebensform von Priestern darstellen. 

Cornel Hüsch rief die Vertreter der Seelsorgebereiche und Verbände angesichts der Debatte über Strukturreformen auf, „sich wieder dem Inhalt und nicht mehr der Verpackung zu widmen“. Mit anderen Worten: „Wir haben Jahre um uns selbst gekreist und zum Teil hitzig über kleine Verbesserungen gefeilscht. Nicht wenige sagen: Wir sind es satt. Wir meinen, dass nun die Zeit der Umorganisation der Kirchengemeinden beendet sein muss.“ 

Der Zusammenkunft im Kaarster Pfarrzentrum vorangegangen war eine heilige Messe in der benachbarten Kirche St. Martinus. Kreisjugendseelsorger Marcus Bussemer und Pfarrer Jürgen Arnolds feierten den Gottesdienst, der vom Neusser Komponisten Gregor Linßen musikalisch umrahmt wurde. Den Abschluss der Versammlung bildete eine von Vorstandsmitglied Joachim Braun moderierte Gesprächsrunde. Der Theologe Peter Otten, Mitautor des Buches „Wenn nicht hier, wo sonst? – Kirche gründlich anders“, berichtete über die am Sozialraum orientierte Pastoral in den Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst, die sich an alle Nachbarn richtet und nicht nur an die Gottesdienstbesucher und Kirchensteuerzahler.