Katholikenrat im Rhein-Kreis Neuss gegründet

Katholikenrat im Rhein-Kreis Neuss gegründet
Die Katholikenräte Neuss, Grevenbroich und Dormagen haben einen gemeinsamen Katholikenrat im Rhein-Kreis Neuss gegründet. Die drei Vorsitzenden unterzeichneten jetzt eine Urkunde zur Fusion der Gremien.

Anlass dafür war der Neujahrsempfang des Neusser Katholikenrates. Zu Beginn der Veranstaltung feierte Kreisdechant Monsignore Guido Assmann gemeinsam mit Monsignore Jochen Koenig eine Hl. Messe in der Kapelle des Klosters Immaculata. In seiner Predigt rief Assmann - passend zu den derzeitigen Umstrukturierungen in der katholischen Kirche - dazu auf, nicht im "früher war alles besser" zu schwelgen, sondern auf dem Guten aus der Vergangenheit aufzubauen und die Zukunft mutig in Angriff zu nehmen.

Im Saal des Klosters konnte Hans-Dieter Schröder, Vorsitzender des Neusser Katholikenrates, zahlreiche Gäste begrüßen. Erschienen waren viele Mitglieder aus Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäten sowie haupt- und ehrenamtlich tätige aus vielen kirchlichen Bereichen. Auch Vertreter anderer Religionsgemeinschaften zählten zu den Gästen. Die Reihe der Ehrengäste wurde angeführt von Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke und den Bürgermeistern Herbert Napp (Neuss) und Franz-Josef Moormann (Kaarst). Neben dem Redner Hermann Gröhe MdB und Heinz Sahnen MdL nahmen auch viele Stadtverordnete am Festakt teil. Die Neusser Schützen vertraten Schützenkönig Dr. Hermann-Josef Verfürth sowie Regimentsoberst Dr. Heiner Sandmann.

Nachdem die Vollversammlungen der Katholikenräte aus Neuss, Grevenbroich und Dormagen beschlossen hatten, zu einem gemeinsamen Katholikenrat zu fusionieren, unterzeichneten die Vorsitzenden Hans-Dieter Schröder (Neuss), Erhard Dischler (Grevenbroich) und Dr. Peter Wiemer (Dormagen) eine Urkunde zur Fusion. Anlass für diesen Schritt sind sowohl die Neuordnung der Seelsorgebereiche im Erzbistum Köln als auch damit einhergehende Veränderungen in der Laienarbeit. "Mit dieser Fusion ist die Basis für zukunftsfähige Arbeit sichergestellt", äußerte sich Hans-Dieter Schröder zufrieden.

Im Rahmen des Empfangs hielt der Neusser Bundestagsabgeordnete, Staatsminister Hermann Gröhe einen Vortrag über die christlichen Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates. Zu Beginn des Jahres 2009, da die Bundesrepublik Deutschland 60 Jahre lang besteht und der Fall der Berliner Mauer bereits 20 Jahre her ist, verwies Gröhe darauf, dass beide Anlässe christliche Wurzeln gehabt hätten. So hätten die Väter des Grundgesetzes nach der Barbarei des Dritten Reiches ganz bewusst einen Bezug auf christliche Wertvorstellungen in die Verfassung aufgenommen. Im Zuge der friedlichen Revolution von 1989 seien es viele Christen gewesen, die den Lauf der Geschehnisse mit ihrem Wirken in Gang gesetzt hätten. Das Grundgesetz sehe - anders als die Verfassungen mancher europäischer Länder - keinen Laizismus, also keine strikte Trennung zwischen Kirche und Staat vor. Zwar habe sich der Staat religiös und weltanschaulich neutral zu verhalten, sich also nicht mit einer bestimmten Kirche oder Religionsgemeinschaft zu identifizieren; und doch gebe es in vielen Bereichen eine gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Staat und Kirchen, so z.B. beim Religionsunterricht, bei den theologischen Fakultäten, in der Militär- und Anstaltsseelsorge sowie bei der Erhebung der Kirchensteuer. Ferner verwies Gröhe auf einige biblische Traditionen, die bis heute unser Zusammenleben prägen. So sei es doch der "barmherzige Samariter", der uns bis heute lehre, anderen Menschen in Not und Unglück zu Hilfe zu eilen. Gröhe rief dazu auf, den Beitrag des Christentums zu unserem Staat und unserer Gesellschaft in der heutigen Zeit der Säkularisierung, des europäischen Einigungsprozesses und der Multireligiosität deutlicher in Erinnerung zu rufen.