Katholische Laien in Grevenbroich: Wir sind stark zukunftsorientiert

Rund um St. Peter und Paul formieren sich die katholischen Laien. Foto: TZ
Rund um St. Peter und Paul formieren sich die katholischen Laien. Foto: TZ
Die katholischen Laien im Grevenbroicher Seelsorgebereich "Elsbach/Erft" haben heftig ihrem scheidenden Pfarrer Willi Steinfort widersprochen, sie seien nicht genügend zukunftsorientiert.
 
Weit weniger pessimistisch als Steinfort sehen viele ehrenamtlich tätige Mitchristen der Pfarreien St. Peter und Paul Grevenbroich, St. Georg Elfgen, St. Maria Himmelfahrt Gustorf, St. Stephanus Elsen und St. Mariä Geburt Noithausen die Entwicklung der kirchlichen Verbände, Vereine und Gremien. So auch Robert Hoppe, Brudermeister der Gindorfer Sebastianusschützen und Mitglied des Vorstandsteams im Pfarrgemeinderat: "Ich glaube sehr wohl festgestellt zu haben, dass wir uns aufeinander zu entwickelt haben, und zwar innerhalb unserer ehemals fünf eigenständigen Pfarreien, aber insbesondere auch innerhalb unseres Pfarrverbands." Mit dieser Einschätzung sieht er sich in guter Gesellschaft. Auch Joachim Keuchel, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, oder Werner Hoffmann, Mitglied des Leitungsteams des Ortsausschusses der Pfarre Gustorf, sind den ehrenamtlich tätigen Mitchristen für deren unermüdliches Engagement "überaus dankbar".
 
Gar nicht verwundert zeigt sich Hoppe dann auch, dass diese Entwicklung nur langsam fortschreitet. Denn anders als Steinfort sieht er  dieses behutsame Annähern und die Zusammenarbeit im Kleinen als erste gute Basis eines gemeinschaftlichen Miteinanders als Pfarreiengemeinschaft - und das gerade vor dem Hintergrund einer teils Jahrhunderte alten Eigenständigkeit der einzelnen Pfarreien.  "Und ich glaube", so Hoppe, "angesichts einer sich gravierend verändernden Kirchenlandschaft haben gerade die ehrenamtlich tätigen Mitchristen unserer fünf Pfarrgemeinden einen nicht unerheblich hohen Anteil an dieser nach wie vor positiven Entwicklung". Kirche in heutiger Zeit zukunftsfähig zu gestalten ist nach Ansicht Hoppes kein Prozess, der sich von heute auf morgen oder in einem Zeitraum von vielleicht vier Jahren umsetzen lässt.
 
"War es in Zeiten des Obrigkeitsdenkens früherer Jahrhunderte vielleicht dem jeweiligen Vorsitzenden möglich, Dinge kraft seines Amtes neu zu reglementieren oder festzusetzen, dann bedarf es in heutiger Zeit eines Meinungsbildungsprozesses. In diesen muss ich als Vereinsvorsitzender meine Mitglieder mit einbeziehen, muss deren Argumente gewichten und daraus dann einen, für die Mehrheit tragfähigen Kompromiss ableiten. Das wiederum setzt voraus, dass ich meine Mitglieder kenne beziehungsweise kennen lerne, auf sie zugehe, Gemeinschaft lebe und mit ihnen spreche", so Hoppe. Neue Perspektiven, Ideen und Zukunftspläne würden oftmals im kleinen Kreis oder am eigenen Schreibtisch geboren. "Doch um diese eigenen Ideen zu verwirklichen", so Hoppe, "muss ich nach draußen, dazu muss ich vor Ort Überzeugungsarbeit leisten, und dafür muss ich das Gespräch suchen und bereit sein zu Kompromissen."
 
Steinforts Ansicht, das Pastoralteam sei gut aufgestellt und habe sich gut entwickelt, es sei nur an der falschen Stelle, ist für viele Laien "eher Ausdruck einer leider verspäteten Einsicht, dass die Zukunftsentwicklung eines ganzen Pfarrverbands nur mit den Menschen draußen vor der Kirche möglich ist und nicht in der Abgeschiedenheit der Pfarrämter und Kirchen". Hoppe: "Immer dann, wenn wir Ehrenamtler uns gemeinschaftlich mit dem Pastoralteam engagieren konnten, hat unser gemeinsames Miteinander in unserem Seelsorgebereich auch Früchte getragen." Als offensichtlichste Beispiele hierfür benennt er die seit drei Jahren praktizierte gemeinschaftliche Fronleichnamsprozession, den gemeinsamen Liturgieausschuss, die in mehreren Pfarreien sehr aktiven Frauengemeinschaften oder die Messdienergemeinschaft MINISEGEN ("Ministranten in Stadtmitte, Elsen, Gustorf, Elfgen und Noithausen").
 
Laut Hoppe gibt es aber auch Negativbeispiele, die weitestgehend ohne die Wertschätzung und Einbeziehung der Argumente der Ehrenamtler erfolgt seien. Als Beispiel nennt Hoppe die jährliche Ansprache der möglichen Firmkandidaten oder die für viele nicht nachvollziehbare Neuregelung der Beerdigungsordnung in Bezug auf Platzierung von Urnen in den Pfarrkirchen bei Beerdigungsgottesdiensten, die zunächst ohne Vorankündigung umgesetzt wurde. Erst Monate später sei dann durch das Seelsorgeteam der Versuch unternommen worden, die Neuregelungen aus kirchlicher Sicht zu erläutern und zu begründen.