Kirchengemeinde St. Peter investiert in Mikrofinanzfonds

© 2017 Opmeer Reports
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Manchmal reichen eine Kuh, etwas Saatgut und eine Rolle Stacheldraht, um eine Familie in Afrika oder Lateinamerika aus der Armut zu holen. Damit können die Menschen dort eine kleine Landwirtschaft starten, sich selbst versorgen und Überschüsse eintauschen oder gegen Bares verkaufen.
 
Ein normaler Bankkredit ist dort für viele unerreichbar, weil ihnen der Zugang zu Bankdienstleistungen verwehrt ist. An dieser Stelle kommen Anleger ins Spiel – und dazu gehört auch die Gemeinde St. Peter im Neusser Stadtteil Rosellen. Sie investieren in sogenannte Mikrofinanzfonds und diese Fonds geben ihr Geld an Mikrofinanzinstitute weiter. Das sind Banken oder bankähnliche Einrichtungen in unterentwickelten Regionen von Osteuropa über Asien bis nach Lateinamerika und Afrika.
An diese Institute können sich arme Menschen wenden, wenn sie einen Kredit brauchen. Das können in Kambodscha 40 US-Dollar für eine Muttersau oder in Montenegro 2.000 Euro für den Bau von Hotelzimmern sein. Gemeinsam ist bei beiden ein Darlehen, dass sie im Vertrauen auf die unternehmerischen Fähigkeiten der Kreditnehmer und ohne den Nachweis von Sicherheiten vergeben werden.
Sorglos gehen die Fondsgesellschaften dennoch nicht mit dem Geld der Anleger um. Das Management muss nachweisen, dass es sich mit den speziellen Verhältnissen des Mikrofinanzsektors gut auskennt. Die Sicherheit der Anlage speist sich auch aus der breiten Streuung. Die Rückzahlung der Zinsen ist unabhängig von weltwirtschaftlichen Trends.
Die Kredite fließen – wiederum regional unterschiedlich – nicht nur an Einzelpersonen, sondern auch an Gruppen oder kleine Dorfgemeinschaften. In Kambodscha zum Beispiel ist dies bei rund 70 Prozent aller Kredite der Fall, in Aserbaidschan nur bei 40 Prozent. Die soziale Kontrolle sorgt dafür, dass jedes Mitglied der Kreditnehmergruppe seine Verpflichtungen erfüllt. Dies gilt für ländliche Gebiete stärker als in der Stadt. Interessant ist auch, dass rund 80 Prozent der Kredite an Frauen und Frauengruppen gehen. Schon der Erfinder der Mikrokredite Muhammad Yunus, Wirtschaftswissenschaftler und Friedensnobelpreisträger von 2006, hatte Anfang der 70er-Jahre festgestellt, dass Frauen in unterentwickelten Ländern meist die Ernährerinnen der Familien sind.
 
„Als Kirchenvorstand verwalten und verantworten wir die Finanzen unserer Gemeinde. Wir sind für den Werterhalt der Gebäude und auch für die Finanzmittel hierfür zuständig. Wir haben nach fundierter Analyse und in Abstimmung mit den sogenannten Kirchenbanken in 2016 entschieden, einen Teil unserer Substanzkapitalien in einen Mikrofinanzfonds anzulegen. Dieses geschieht unter Berücksichtigung der Anlagerichtlinien für kirchliche Vermögensanlagen. So können wir nicht nur unserem Auftrag hier vor Ort in St. Peter nachkommen, sondern können auch noch dazu beitragen, dass jemand eine Kuh, eine Muttersau kaufen oder den Bau eines Hotelzimmers finanziert bekommt und sich so den eigenen Lebensunterhalt verdienen kann“, erklärt Wilhelm Kirchhoff vom Kirchenvorstand St. Peter das Engagement.
 
Link: Oikocredit - Mikrofinanzdienstleister