Männer-Segeltörn in Westfriesland

Männer-Segeltörn in Westfriesland
Diakon Rainer Bernert aus der Pfarreiengemeinschaft Neuss-West/Korschenbroich hatte zu einem Segeltörn im westfriesischen Wattenmeer sowie auf dem Ijsselmeer eingeladen. 26 Männer folgten der Einladung und segelten im Juni eine knappe Woche auf dem Zweimaster. Wir veröffentlichen einen Erlebnisbericht:
 
„Im Anschluss an die Sonntagsmesse in Glehn, an deren Ende eine größere Zahl von Teilnehmern durch Herrn Pfarrvikar Cieslak und Herrn Diakon Bernert mit dem Reisesegen verabschiedet worden war, machten wir uns am 19. Juni in Fahrgemeinschaften nach Harlingen in der niederländischen Provinz Friesland auf den Weg. Treffpunkt dort war gegen 18.00 Uhr ein Chinarestaurant in der Nähe des Hafens, wo wir uns zunächst einmal stärkten, um anschließend an Bord der „Fortuna“ zu gehen und unsere Kabinen zu beziehen, die, wie auf einem solchen Schiff üblich, ziemlich klein sind; so hat z.B. eine Zweibettkabine nur eine Grundfläche von etwa vier qm; das wussten wir allerdings vorher, so dass jeder sich bei der Bemessung des mitzunehmenden Gepäcks darauf eingestellt hatte und es keinerlei Probleme gab. Wir wurden vom Skipper Chris Staalsmid und seinem Matrosen freundlich begrüßt und mit den nötigen Informationen versehen. Zum Glück waren wir nicht darauf angewiesen, uns bis zum Schlafengehen in den engen Kabinen aufzuhalten, denn das Schiff hat einen ziemlich großen und gut eingerichteten Salon; auch für Getränke war ausreichend gesorgt.
 
Am Montag, dem 20. Juni, liefen wir aus dem Hafen von Harlingen aus, nachdem am Morgen zusätzlich zu den „Dauerteilnehmern“ noch die Herren Pastor Tewes und Michael Franz Breuer eingetroffen waren, die wegen anderweitiger Verpflichtungen nur für zwei Tage teilnehmen konnten und für die Nacht vom 20. zum 21. Juni Hotelzimmer reserviert hatten, und zwar auf der Insel Vlieland, die am ersten Tag eigentlich angelaufen werden sollte. Allerdings hatte sich in der Nacht vom 19. zum 20. Juni das Wetter deutlich verschlechtert; es regnete, und der Wind wehte mit Windstärke 6 bis 7. Das hinderte uns zwar nicht, nach dem Auslaufen aus dem Hafen (was mit Motorkraft geschah) Segel (angesichts des starken Windes natürlich nicht die gesamten 480 qm) zu setzen und allein mit Windkraft zu fahren, wobei wir nach den fachkundigen Anweisungen des Skippers und des Matrosen beim Setzen der Segel mitwirken mussten – was allen Beteiligten ausgesprochene Freude bereitete. Wegen des starken Windes konnten wir jedoch an diesem Tage die Insel Vlieland nicht anlaufen, deren Hafen eine recht enge Einfahrt hat, die es zudem erfordert, unmittelbar davor scharf nach Steuerbord abzubiegen. Der Skipper entschied sich daher, als Ziel des ersten Segeltages die Insel Terschelling zu wählen, deren Hafen sich wesentlich leichter ansteuern lässt und die wir gegen Mittag erreichten. Die Hauptferienzeit hatte zum Glück noch nicht begonnen, und so gelang es ohne größere Mühe, für die beiden zusätzlichen Teilnehmer in Terschelling Hotelzimmer zu finden. Da es bis zum späten Nachmittag in Strömen regnete, konnten wir von Terschelling zunächst nicht allzu viel besichtigen, was aber der guten Stimmung keinen Abbruch tat. Dafür sorgte nicht zuletzt auch unser „Hobbykoch“ Dieter Schulz zusammen mit seinem treuen Assistenten Walter Tauscher; die beiden haben uns nicht nur an diesem Tage, sondern auch in der übrigen Zeit mit Hilfe der zwar engen, aber gut ausgestatteten Kombüse auf der „Fortuna“ hervorragend versorgt.
 
Am nächsten Morgen begrüßte uns strahlender Sonnenschein, und der Wind wehte in einer zum Segeln geradezu idealen Stärke, so dass wir kurz nach dem Auslaufen wieder die Segel (jetzt aber die gesamten 480 qm) setzen konnten, die erst kurz vor dem Einlaufen in Vlieland wieder eingeholt wurden. Da wir an diesem Tage bereits um 10.00 Uhr gemeinsam eine hl. Messe feiern wollten, und zwar in der Dorfkirche von Vlieland, die uns die dortige protestantische Kirchengemeinde freundlicherweise überlassen hatte, waren wir schon ziemlich früh gestartet, um rechtzeitig in Vlieland zu sein. Im Hafen von Vlieland übernahm jeder von uns bei einem einheimischen Fahrradvermieter ein Fahrrad, und so trafen wir rechtzeitig an der Kirche ein, um zusammen mit Herrn Pastor Tewes und Herrn Diakon Bernert eine hl. Messe zu feiern, bei der wir auch auf professionelle Musikbegleitung nicht verzichten mussten, denn zu den Fahrtteilnehmern gehörte auch unser Organist Theo Dahmen, der unseren Gesang auf einem in der Kirche stehenden Flügel begleitete. Theo Dahmen hat sich aber auch im übrigen große Verdienste erworben, denn er hatte ein Akkordeon (auch unter der Bezeichnung „Schifferklavier“ bekannt) mitgebracht, so dass an Bord wiederholt und mit Begeisterung zur Freude der übrigen Fahrtteilnehmer gesungen wurde; einmal, als insgesamt vier Sänger tätig waren, erklärte ein – offenbar beeindruckter - Zuhörer, er habe bisher nicht geglaubt, dass man zu viert sogar sechsstimmig singen könne.
Nach der hl. Messe wurde dann mit den Fahrrädern ausgiebig die Insel Vlieland erkundet, auf der es zahlreiche gut ausgebaute Radwege gibt. Am Spätnachmittag mussten sich Pastor Tewes und Michael Franz Breuer verabschieden, die mit der Fähre nach Harlingen zurückfuhren. Der verbliebene Rest der Teilnehmer besuchte am Abend – nachdem wir zuvor dank der Bemühungen des Fachmanns Dieter Schulz an Bord der „Fortuna“ das Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Nordirland bei der Europameisterschaft im Fernsehen miterlebt hatten – ein schönes unmittelbar am Strand gelegenes Lokal zu einem gemeinsamen Abendessen, um anschließend am Hafen die Fahrräder wieder abzugeben.
 
Der folgende 22. Juni brachte dann einen Höhepunkt des Törns, nämlich ein sog. „Trockenfallen“ auf einer Sandbank im Wattenmeer. Es herrschte wiederum sonniges und ideales Segelwetter mit einem Wind, der immerhin dazu führte, dass mindestens zwei Teilnehmer ihrer Kappen verlustig gingen, die der Wind ihnen vom Kopfe wehte und die alsbald im Wasser landeten. Da die „Fortuna“ als Plattbodenschiff problemlos auf einer Sandbank aufliegen kann, steuerte Skipper Chris Staalsmid sie – zunächst unter Segeln, dann nach Einholung der Segel mit Motorkraft – bei ablaufendem Wasser etwa drei bis vier Stunden vor Niedrigwasser vorsichtig aus der Fahrrinne heraus und ziemlich rechtwinklig auf eine Sandbank zu, bis sie auf diese auflief, und stellte dann den Motor ab. Nachdem das Wasser so weit abgelaufen war, dass es nur noch eine Tiefe von etwas über einem Meter hatte, erklärte er das Schwimmbad für eröffnet und hängte eine vorhandene Treppe über die Reling, so dass man ohne Schwierigkeiten ins Wasser steigen konnte, das eine Temperatur von allenfalls etwa 16 Grad hatte. Von dieser Möglichkeit haben immerhin fünf oder sechs mutige Teilnehmer Gebrauch gemacht. Was hier geschah, erregte übrigens die Neugier eines jungen Seehundes, der immer wieder um das Schiff herumschwamm und uns beobachtete. Als das Wasser weiter gefallen war und die Sandbank trocken lag, stiegen weitere Teilnehmer über die gerade erwähnte Treppe nach außenbords, um die Sandbank zu Fuß zu erkunden. Unter ihnen war auch der Matrose, dem es gelang, den jungen Seehund, der sich ebenfalls auf der Sandbank aufhielt, zu fassen und für kurze Zeit auf den Arm zu nehmen, was diesem allerdings gar nicht gefiel. Der Unwille des Seehundes über diese Behandlung kann aber nicht so groß gewesen sein, denn er blieb, als das Wasser wieder stieg und die Sandbank überflutete, weiterhin in unserer Nähe.
Weil das Schiff sich während des Trockenliegens nicht bewegen konnte und daher ruhig lag, nutzten einige Interessierte die Gelegenheit, den vorderen Mast zu erklettern, wozu sie zuvor ein Sicherheitsgeschirr anlegen mussten, so dass das Unternehmen gefahrlos blieb. Nachdem das Wasser so weit gestiegen war, dass das Schiff wieder aufschwamm, fuhren wir mit Motorkraft in Richtung Ijsselmeer, das wir durch eine Schleuse im vor etwa 85 Jahren errichteten Abschlussdeich (der die frühere Zuiderzee vom offenen Meer trennt, so dass diese zum Binnengewässer geworden ist und ihre heutige Bezeichnung „Ijsselmeer“ erhalten hat) erreichten; kurz vor Einbruch der Dunkelheit legten wir im Hafen von Makkum an.
 
Von dort ging es am nächsten Morgen bei schlechter gewordenem Wetter unter Segeln zum Hafen von Workum, einem der schönen alten Städtchen am Ijsselmeer; nachdem unsere beiden „Küchenmeister“ uns mit einem Imbiss versorgt hatten und das Wetter wieder schön geworden war, nahmen wir die Gelegenheit wahr, Workum zu besichtigen, bis wir zu einem letzten Abendessen wieder an Bord kamen, bei dem es sich geradezu um ein Meisterwerk von Dieter Schulz und Walter Tauscher handelte.
 
Am letzten Tage, dem 24. Juni, ging es dann wieder durch die Schleuse aus dem Ijsselmeer ins Wattenmeer und unter Segeln nach Harlingen, in dessen Hafen wir gegen Mittag (natürlich mit Motorkraft) einliefen. Nun hieß es, Abschied von der „Fortuna“ und ihrer Besatzung zu nehmen, die uns Tage beschert hatte, an die alle Teilnehmer mit großer Freude zurückdenken. Wir bestiegen wieder unsere Autos, die auf einem bewachten Parkplatz im Hafengebiet von Harlingen sicher aufgehoben waren, um rechtzeitig vor der Dankmesse für die Ehrenamtler des Pfarrverbandes am Abend des 24. Juni zu Hause zu sein.
 
Das Ganze war für alle Teilnehmer ein unvergessliches Erlebnis. Hervorzuheben ist, dass wir während der gesamten Fahrt eine überaus harmonische Gemeinschaft waren und sich alle bestens miteinander verstanden haben. Wir sind Herrn Diakon Bernert zu großem Dank verpflichtet, dass er diesen schönen Segeltörn vorbereitet und geleitet hat.“