Marienberg-Schülerinnen zu Gast im Heiligen Land

Marienberg-Schülerinnen zu Gast im Heiligen Land
Das erzbischöfliche Gymnasium Marienberg konnte in den Herbstferien seine internationalen Schulkontakte mit einem neuen interessanten Begegnungsprogramm erfolgreich ausbauen. Eine Gruppe von 21 Oberstufenschülerinnen, begleitet von der stellvertretenden Schulleiterin Mechthild Wolber und dem Religionslehrer Stefan Wiesbrock, reiste für zwei Wochen durch das Heilige Land.

Sie besuchten die Heiligen Stätten in Jerusalem, die Heimat und Wirkungsstätten Jesu in Galiläa und lebten eine Woche lang in christlich-arabischen Familien in Mi’ilya, einem melkitisch-katholischen Dorf nahe der libanesischen Grenze. Die Neusser Schülerinnen besuchten den Unterricht und unternahmen Projekte in der dortigen Notredame-Highschool, einer vor 10 Jahren mit Unterstützung des kirchlichen Hilfswerks Misereor gegründeten Oberschule für die christliche Minderheit im Norden Galiläas. Die Christen, die etwa 2% der israelischen Bevölkerung ausmachen, erfahren sich wegen ihrer arabischen Herkunft häufig als Bürger zweiter Klasse. Damit ihre Jugendlichen eine Chance auf dem israelischen Arbeitsmarkt erhalten und nicht auswandern müssen, brauchen Sie bestmögliche Bildung besonders in innovativen Bereichen wie Umweltschutz und Technotronik, erklärte Eyad Kassis, der engagierte Schulleiter der Notredame-Highschool. Hierfür sind internationale Kontakte und das Erlernen der deutschen Sprache wichtige Voraussetzungen, weshalb die Schule seit einem Jahr das Fach Deutsch anbietet und einen Gegenbesuch in Neuss für das kommende Frühjahr plant.

Die Begegnung wird kein einmaliges Ereignis bleiben. Ein „Marienberg-Garten“ der auf dem Schulgelände von den Schülerinnen aus Neuss und Mi’ilya gemeinsam ummauert und angepflanzt wurde, ist ein lebendiges Symbol dafür, dass beide Schulen die begonnene Freundschaft wachsen lassen wollen. Auch wenn es zwischen arabischer und deutscher Mentalität nicht immer einfach war und es gelegentlich zu Missverständnissen kam, war die Begegnung insgesamt von großer Herzlichkeit und Gastfreundschaft geprägt. Die Schülerinnen gingen sehr offen aufeinander zu, konnten sich auf Englisch gut verständigen und im interkulturellen Miteinander vieles lernen.

Auch politische Aspekte der Region wurden von den Schülerinnen in Gesprächen und Exkursionen erfahren. Da Gilad Shalit, der von der Hamas entführte Soldat, in einem Nachbardorf Mi’ilyas wohnt, wurden Freude und Skepsis anlässlich des aktuellen Gefangenenaustauschs sehr nah miterlebt. Andererseits wurden bei einer Begegnung mit Palästinensern im Westjordanland die Auswirkungen israelischer Sicherheits- und Siedlungspolitik deutlich. Das Gespräch mit einem christlichen Palästinenser und Begründer des Friedens- und Begegnungszentrums „Tent of Nations“ beeindruckte die Schülerinnen sehr: „Es war ein unglaubliches Erlebnis und eine für mich außergewöhnliche Erfahrung, zu erkennen, wie viel Kraft man aus seinem Glauben schöpfen kann.“ Im Rahmen eines Projektkurses am Marienberg-Gymnasium haben die Schülerinnen die Chance, ihre vielfältigen Eindrücke auszuwerten und sich genauer mit den Hintergründen des Nahostkonflikts zu beschäftigen.

Für die Marienberg-Schülerinnen war die Fahrt noch mehr als eine Bildungs- und Begegnungsreise. Biblische Morgenimpulse, meditative Abendgebete, eine Messe mit einem deutschen Ordenspriester an der Brotvermehrungsstelle am See Genezareth etc. stellten einen geistlichen Rahmen der Erlebnisse dar und machten die Fahrt zu einer „Abenteuerreise auf dem Weg des Glaubens“, wie eine Teilnehmerin abschließend kommentierte.

Stefan Wiesbrock