NACHGEFRAGT: Was passiert eigentlich mit den Einnahmen aus Kollekten?

NACHGEFRAGT: Was passiert eigentlich mit den Einnahmen aus Kollekten?
Nicht selten kommt die Frage auf, was mit den Einnahmen aus Kollekten passiert, die in den Sonn- und Werktagsmessen gesammelt werden. Mitunter fragen auch Brautpaare konkret nach, die gerne ein ihnen wichtiges Projekt unterstützen möchten. Kreisdechant Msgr. Guido Assmann gibt eine Antwort auf diese Frage und gewährt einen Einblick in die Kirchenfinanzierung in Deutschland:

„Eine wichtige Säule ist in Deutschland die Kirchensteuer. Jeder, der Lohnsteuer zahlt, zahlt zusätzlich 9% der Höhe der Lohnsteuer als Kirchensteuer. Diese wird an die Bistümer weiter geleitet und von dort nach einem Verteilschlüssel an die Kirchengemeinden weiter gegeben, der eine möglichst große Gerechtigkeit garantieren möchte. Hiermit werden die Seelsorge sichergestellt, der Gottesdienst und eine Grundversorgung an Versammlungsflächen. Das Erzbistum finanziert darüber hinaus aus der Kirchensteuer die Priester, Diakone, Gemeindereferenten, Kirchenmusiker, Küster und Sekretärinnen für die jeweilige Pfarreiengemeinschaft.

Eine weitere Säule der Finanzierung sind die Kollekten. 16 Sonntagskollekten im Jahr sind vom Erzbistum festgelegt und werden in allen Kirchen gemeinsam gehalten. Zumeist handelt es sich um Gaben für Hilfsprojekte, die unsere Solidarität für die Schwestern und Brüder in anderen Ländern zum Ausdruck bringt.
Natürlich bleiben dann vor Ort noch weitere Aufgaben, die aus örtlichen Kollekten zu finanzieren sind. Die Heizkosten der Kirche, die Blumen für den Gottesdienst, die Kerzen und der Weihrauch werden daraus bezahlt. Möchte eine Kirchengemeinde einen Gärtner beauftragen für die Pflege der Außenanlagen, muss sie dies selber finanzieren. Hat die Pfarrei einen Hausmeister, muss sie die Personalkosten selber aufbringen. Alternativ müssen diese Aufgaben von Gemeindemitgliedern übernommen werden.

Die Kollekte ist Bestandteil der Gabenbereitung der Messfeier. Schon in der Bibel wird berichtet, dass zur sonntäglichen Versammlung alle Gläubigen eine Gabe mitbrachten, um die Arbeit der Apostel zu unterstützen. Außerdem wurde von der Gabe ein Teil für die Armen gegeben und ein Teil für das gemeinsame Mahl nach der Messfeier. Waren es früher durchaus Naturalien, so ist es heute die Geldgabe. Sie verbindet den Geber mit der eigentlichen Gabe, nämlich mit Jesus, denn wir alle sind der Leib Christi, die Kirche.

Die Kollekten sind also ganz konkret für Aufgaben in der örtlichen Kirchengemeinde vorgesehen und notwendig. Sonderkollekten oder zielgerichtete Kollekten werden bei uns immer in den Pfarrnachrichten angekündigt. (…) Im Gottesdienst ist die Gabe Teil der Mitverantwortung der versammelten Gemeinde für die Aufgaben der Kirche. Allen, die sich hier regelmäßig beteiligen sei mit diesen Zeilen einmal besonders herzlich gedankt."