Neue Perspektiven für Menschen mit Demenz

Foto: ECF-Architekten
Foto: ECF-Architekten
Die Vorarbeiten haben einige Jahre gedauert, doch seit dem Herbst des vergangenen Jahres sind die Bagger angerollt und bauen: das „St. Augustinus Memory-Zentrum“ auf der Neusser Furth.
Bis 2015 entsteht an der Steinhausstraße auf 8.000 Quadratmetern Fläche der innovative 20-Millionen-Euro-Bau der St. Augustinus-Kliniken. Er soll zur zentralen Anlaufstelle werden für alle, die mit Demenz konfrontiert sind: Betroffene, Angehörige, niedergelassene Ärzte, Pflegekräfte, Wissenschaftler u.v.m. Die medizinische Leitung des Zentrums übernimmt Priv. Doz. Dr. med. Jens Benninghoff, der praktische und wissenschaftliche Expertise sowie eine umfassende Vernetzung zum Thema Demenz mitbringt. Auch erste handfeste Angebote für Demenzkranke und ihre Angehörigen gibt es schon jetzt.
 
Demenz-Zentrum für Pflege, Beratung und Forschung
 
In den kommenden zwei Jahren eröffnen die St. Augustinus-Kliniken mit dem millionenschweren Projekt ganz neue Perspektiven: In einem modernen Bau mit transparenter Architektur vereint sich das vielfältige Know-how des Gesundheits- und Sozialunternehmens zu Gunsten des komplexen Themas „Demenz“. Kompetente ambulante und stationäre Pflege mit präventiver, medizinischer und therapeutischer Versorgung der Betroffenen steht genauso im Fokus wie gezielte Beratungs- und Unterstützungsangebote. Mit seiner breit gefächerten Netzwerkstruktur erhält das Zentrum innovativen Pflege-, Behandlungs- und Forschungscharakter: Universitäten und Demenzexperten arbeiten wissenschaftlich zum Thema, erfahrene Fachkräfte aus Psychiatrie, Krankenhaus, Senioren- und Behindertenhilfe transferieren wertvolle Erkenntnisse in die Praxis.
 
Alles unter einem Dach: Das breitgefächerte Angebot
 
70 neue Arbeitsplätze werden geschaffen, denn nahezu lückenlos soll die Versorgung rund um die Demenzerkrankung im neuen Zentrum werden: Modernste medizinische Diagnostik ebnet den Weg zur individuellen Therapie. Ambulant lässt sich diese in der gerontopsychiatrischen Ambulanz oder in der Tagesklinik absolvieren. Eine ideale stationäre Versorgung finden Interessenten, entsprechend ihrem Erkrankungsstadium, im gerontopsychiatrischen Pflegeheim mit einem offenen und einem geschützten Bereich, in verschiedenen Hausgemeinschaften sowie einer stationären Palliativversorgung. Eine integrierte Tagesstätte in der Kurzzeitpflege macht auch eine befristete Individualbetreuung für Patienten möglich. Demenzerkrankten und ihren Familien steht die Beratungs- und Koordinationsstelle BEKO mit großem Know-how zur regionalen Versorgungsstruktur zur Seite und hilft aktiv bei der Bewältigung des Alltags. Durch die direkte und enge Verzahnung von Forschung, Wissenschaft und Schulung unter einem Dach fließen gewonnene Erkenntnisse nahtlos in die praktische Arbeit des Zentrums ein – auch dies ein neuer Ansatz im Umgang mit Demenz.
 
Demenz – die gesellschaftliche Herausforderung
 
Allein in Deutschland leben laut Deutscher Alzheimer Gesellschaft bereits 1,4 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung. Sofern kein Durchbruch in Prävention und Therapie gelingt, wird sich die Zahl der Erkrankten bis zum Jahr 2030 nahezu verdoppeln. Das bedeutet für die Zukunft eine Zunahme von etwa 100 Krankheitsfällen pro Tag – allein in Deutschland. Dieser Trend macht weder vor Nordrhein Westfalen noch vor Städten wie Düsseldorf oder Neuss halt. Die demographische Entwicklung fordert die gesamte Gesellschaft und damit auch die Politik: Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben derzeit gerade einmal acht von insgesamt 194 Mitgliedsstaaten Lösungsansätze zur medizinischen und sozialen Fürsorge von Demenzkranken entwickelt. Deutschland ist bisher noch nicht dabei. Das neue St. Augustinus Memory-Zentrum will sich dieser Herausforderung im Rheinland beispielhaft stellen und bündelt, als bundesweiter Vorreiter, Erkenntnisse aus Wissenschaft und Praxis optimal zum Wohl der Kranken. „Momentan müssen sich belastete Angehörige, Ärzte, Polizisten, Busfahrer und andere mühsam Informationen zum richtigen Umgang mit Demenzkranken zusammensuchen“, so Dr. Martin Köhne, Demenzexperte und Ärztlicher Direktor des psychiatrischen Krankenhauses St. Alexius/St. Josef in Neuss. Christa Bruns, Geschäftsführerin der St. Augustinus-Seniorenhilfe, fügt hinzu: „Neue Wege müssen dringend beschritten werden – das tut das St. Augustinus Memory-Zentrum und setzt dabei bundesweit Maßstäbe.“
 
Mehr Lebensqualität für Menschen im Alter
 
„Viele von uns haben die Chance, deutlich älter zu werden als die Menschen vor 100 Jahren“, sagt Thilo Spychalski, Geschäftsführer der St. Augustinus-Kliniken. Das ist ein Grund zur Freude, aber leider steigt damit auch das Risiko, an Alzheimer oder einer anderen Form von Demenz zu erkranken. Dieser Herausforderung begegnen wir nur, wenn Experten alle Kompetenzen zugunsten Demenzkranker bündeln! Das tun wir nun ganz konkret mit dem Bau des St. Augustinus Memory-Zentrums und leisten damit einen wichtigen Beitrag für eine möglichst menschenwürdige Gesellschaft der Zukunft.“
 
Quelle: St. Augustinus-Kliniken