Neusser Kirchengemeinden legen Finanzen offen

Neusser Kirchengemeinden legen Finanzen offen
Die vier Kirchengemeinden der Neusser Innenstadt haben jetzt ihren Finanzbericht für das Jahr 2015 vorgestellt. Nachdem die Glehner Gemeinde St. Pankratius bereits im Frühjahr ihren Haushaltsplan zur Einsicht ausgelegt hatte (katholisch-im-rhein-kreis-neuss.de berichtete), versucht die Pfarreiengemeinschaft Neuss-Mitte den großen Wurf: Die Jahresabschlüsse werden in einem gedruckten Heft verteilt, das in den Kirchen, Kitas und Büchereien ausliegt sowie im Internet verfügbar ist.
 
Neben den Bilanzen und Jahresergebnissen des Kirchengemeindeverbandes, der vier Kindertagesstätten sowie der vier Kirchengemeinden enthält der Bericht ausführliche Angaben zu Mittelherkunft und -verwendung. So erfährt der Leser etwa von bis dato kaum bekannten Stiftungen und Fördervereinen oder kann den Immobilienbesitz auf den Quadratmeter genau nachlesen (dazu gehören übrigens auch 16 ha landwirtschaftliche Flächen). „Für den Erhalt der kirchlich not­wendigen Gebäude benötigen wir viel Geld“, erklärt Oberpfarrer Msgr. Guido Assmann. „Vor allem die Got­teshäuser und Pfarrheime haben keine Einnahmen, verursachen aber enorme Ausgaben. Unsere katholischen Kindertagesstätten sind zum größten Teil baulich modernisiert, erweitert und so­gar teils neu gebaut.“ Er verweist auch auf 80 Ange­stellte und deren Familien, die durch ein verlässliches Gehalt, das sie durch ihre Arbeit verdienen, leben könnten.
 
Das größte Pfund aber seien die vielen Katholiken, die sich un­entgeltlich engagieren: zum Beispiel in Chören und Musik­gruppen, in der Jugendarbeit, im Besuchsdienst, in den Gremien, in der Liturgie als Messdiener, Lektor oder Kommunionhelfer.
 
Assmann betont, dass die Arbeit in der Seelsorge und das kirchliche Leben der ganzen Stadt zugutekomme: „Die katholischen Kirchengemeinden  in Neuss-Mitte haben eine Schule, Kindertagesstätten, Räume für Beratungen, Büchereien, die allen Bürgerinnen und Bürgern offen stehen. Jedes Jahr helfen wir unbüro­kratisch vielen Menschen aus den uns zur Verfügung stehen­den Caritasmitteln. Wir ermög­lichen Kindern die Teilnahme an Erholungsmaßnahmen und erfreuen viele Senioren durch ei­nen Besuch oder einen Gruß mit kleinem Präsent zum Geburts­tag.“
 
Im Gegensatz etwa zu dem Haushalt einer Kommune bleibt der Finanzbericht jedoch die Antwort auf die Frage schuldig, welche Kosten für einzelne Produkte oder Dienstleistungen (wie z.B. Jugendarbeit oder Kirchenmusik) anfallen. Der Kirchensteuerzahler kann somit auch nicht bewerten, welche Prioritäten die Gemeinden setzen oder wo es an Mitteln fehlt. Vielleicht ist das Ausdruck einer Grundhaltung, die Assmann deutlich macht: „Bei allen wich­tigen finanziellen Überlegungen muss immer im Vordergrund stehen: Menschen mit Gott in Berührung zu bringen. Dafür setzen wir uns ein.“
 
Der Finanzbericht liegt in gedruckter Fassung aus und ist online einzusehen: http://neuss-mitte.de/finanzbericht-2015/