Pastoraler Zukunftsweg: Die Kirche soll im Dorf bleiben

Pastoraler Zukunftsweg: Die Kirche soll im Dorf bleiben
Die Kirche soll im Dorf bleiben. So kann man in wenigen Worten zusammenfassen, was Dr. Werner Kleine vom Erzbistum Köln jetzt beim Neujahrsempfang des Katholikenrates Rhein-Kreis Neuss als Zukunftsperspektive präsentierte. Unter der Fragestellung „Was wird jetzt aus uns, Herr Bischof?“ berichtete der Pastoralreferent über den aktuellen Stand des „Pastoralen Zukunftsweges“ für das Erzbistum Köln.
 
Nachdem in den vergangenen Jahren vielerorts Pastoralverbünde gebildet und Pfarreifusionen beschlossen worden waren, haben viele Gläubige die Sorge, dass dieser Zentralisierungsprozess weitergeht und sich die Kirche immer weiter von ihnen entfernt. Doch genau das soll im Erzbistum Köln nicht passieren. Kleine nahm dazu eine klare Trennung der Begriffe Pfarrei und Gemeinde vor. Bislang wurden sie oft im gleichen Wortsinn gebraucht, doch das soll sich ändern: Die Pfarrei wird in Zukunft eine Verwaltungsgröße sein, wie es etwa die weltlichen Städte und Gemeinden auch sind. Unter diesem organisatorischen Dach soll es viele verschiedene Gemeinden geben. Das können Gottesdienstgemeinden in einer Kirche sein, aber genauso gut auch Kitas, Krankenhäuser, Vereine oder Familienkreise. Diese Gemeinden sollen in Zukunft durch Teams von verantwortlichen Laien geleitet werden.
Der Pfarrer – bisher vielerorts zentrale Figur einer Gemeinde – wird in Zukunft mehr als Ermöglicher gefragt sein. Mit seiner Unterstützung sowie mit modernen Strukturen, professioneller Zuarbeit und guter Kommunikation soll der Einsatz der Laien gefördert werden. Die größte Herausforderung dabei ist, das gestand Kleine ein, Haltungen zu ändern. Dazu müsse jeder bei sich selbst anfangen. „Die getauften und gefirmten Christen sind in Zukunft nicht mehr die Schafe, die gehorsam sein sollen. Wir sollen zu Schäferhunden werden, um das Wort Gottes in die Welt hinaus zu bellen!“
 
Was Kleine vortrug, ist der wesentliche Inhalt einer sogenannten Zielskizze, eines ersten Entwurfs im Zuge des Arbeitsprozesses. Zurzeit werden Rückmeldungen dazu gesammelt und ausgewertet. Voraussichtlich im Herbst wird ein Zielbild veröffentlicht, das bis 2030 gültig bleiben soll. Dessen Inhalt ist – daraus machte der Referent kein Geheimnis – auch eine Reaktion auf eine dramatische Ausgangssituation: Die Zahl der Kirchenaustritte schnellt in die Höhe, bis 2060 wird sich die Zahl der Katholiken in Deutschland voraussichtlich halbiert haben. Bereits im Jahr 2030 stehen im Erzbistum nur noch die Hälfte der pastoralen Dienste zur Verfügung.
 
Der engagierte und humorvolle Vortrag wurde mit viel Applaus bedacht, rief aber auch Fragen hervor. Cornel Hüsch, früherer Vorsitzender des Katholikenrates, vermisste in der Zielskizze die gewählten Laiengremien und warb dafür, ihnen auch in Zukunft einen festen Platz zu geben. „Wer macht’s? Wer gestaltet die Kirche vor Ort? Wie begeistern wir Menschen für diese Aufgabe?“, fragte Thomas Kaumanns, stellvertretender Vorsitzender des Katholikenrates, und wies darauf hin, dass ehrenamtliches Engagement heutzutage nicht mehr selbstverständlich ist. Diese und weitere Fragen wird der Katholikenrat vor Ort aufgreifen und vertieft behandeln. Die Vorsitzende Jutta Köchner kündigte bereits für den März eine Folgeveranstaltung an.

Foto: Adolf Thöne, Dr. Ulrike Nienhaus, Dr. Werner Kleine, Kreisdechant Monsignore Guido Assmann, Jutta Köchner und Thomas Kaumanns (von links nach rechts).