Pfarrer Vossen predigte in Reimen

Wolfgang Vossen, Pfarrer in den Seelsorgebereichen „Norf/Rosellen“ und „Hoisten/Weckhoven – Am Hagelkreuz“ nahm den Karnevalssonntag und den Festtag des Hl. Blasius zum Anlass, seine Predigt in Reimform abzufassen. katholisch-in-neuss.de dokumentiert den Text:

Karneval 2008 – Blasius

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Heute vielleicht es euch gefällt,
wenn eine Kerze hier die Predigt hält.
Auch wenn der eine oder and’re lacht:
Ich hab die Kerze mitgebracht,
um euch zu erhellen das Gemüt,
damit jeder deutlich spürt und sieht:
Menschen ohne Licht bestimmt was fehlt!
So die Kerze euch erzählt.

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Fünf Gedanken sollen zu erkennen helfen Ihnen,
wozu Kerzen alles können dienen.
Nummer eins - das ist doch klar:
eine Kerze immer hilfreich ist und war,
wenn Dunkelheit uns macht zu Blinden,
da hilft ihr Licht, den Weg zu finden.
Will ich durch das Dunkle gehen,
hilft sie mir dabei zu sehen,
damit mein Fuß nicht stößt an einen Stein
oder was sonst noch könnt gefährlich sein.

Bevor man den Strom erfand,
war überall in Stadt und Land
es mit der Kerz’ zu leuchten üblich
am Abend oder wenn das Wetter trüblich.

Auch heut noch wenn der Strom ausfällt,
ist nicht zu bezahlen mit viel Geld,
zu wissen, wo Kerz und Streichholz liegen,
um uns in Sicherheit zu wiegen.

So kann die Kerze euch erzählen:,
Menschen ohne Orientierung tut was fehlen!

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Zum zweiten - das wohl jeder kennt:
Kerzen leuchten im Advent.
Sie machen hell die dunkle Zeit
und bringen damit Fried und Freud.
Und brennen sie erst mal am Tannebaum,
braucht man nur in Kinderaugen schaun,
da weiß man schnell und unbedingt:
Kerzenlicht uns Stimmung bringt.

Ist für’s Rendevous der Tisch gedeckt,
werden Kerzen aufgesteckt.
Für ein behagliches Gefühl
bringt der Kerzenschein sehr viel.

So kann die Kerze Euch erzählen:
Menschen ohne Gefühl wird bestimmt ‚ne Menge fehlen!

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Zum dritten: wenn es draußen schneit und friert,
und Kerzenlicht den Raum dann ziert,
erfreut uns nicht nur der Flamme Schein,
sie bringt auch Wärme mit herein.
Man braucht nur ein’ge Zeit am Tisch zu sitzen,
da fängt man kräftig an zu schwitzen.

Sitzt gemütlich man beisammen,
kommt unter Tee- und Kaffeekannen
von Oma das altgediente Stövchen.
Es wirkt dann wie ein warmes Öfchen,
hält warm den Kaffee oder Tee.
Also, wenn ich’s recht beseh’:
gegen Kälte nutzt der Kerze Schein,
allerdings nicht nur äußerlich allein.

Betracht ich in uns’rer Kirche nur
der Muttergottes Holzfigur,
da entzünden immer wieder Menschen Kerzen,
um zu erwärmen ihre Herzen,
die durch Not und Leid erkaltet sind.
Sie erhoffen von der Mutter mit dem Kind,
dass Not und Leid sie wende
und bringe alles an ein gutes Ende.
Also können doch die Kerzen
äußerlich erwärmen und die Herzen.

So kann die Kerze euch erzählen:
Menschen ohne Herzenswärme wird was fehlen!

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Viertens: Kerzen haben auch noch andre Seiten,
denn wer vergisst zu löschen sie beizeiten,
der bringt sich selber in Gefahr
und andre, das ist leider wahr.
Schon mancher Haus- und Zimmerbrand
durch Unvorsicht wohl so entstand.
Sind wir also ehrlich:
Kerzen und Feuer sind sehr wohl gefährlich.

Man kann’s im Struwelpeter ja schon lesen:
Als Paulinchen ist allein zuhaus gewesen,
da spielt sie mit dem Feuer.
Den Tieren ist das nicht geheuer.
„Und Minz und Maunz, die Katzen
erheben ihre Tatzen,
erheben ihre Pfoten,
die Mutter hat’s verboten“

So kann die Kerze euch erzählen:
Menschen ohne Vorsicht wird bestimmt was fehlen.

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Nun fünftens sieht die Kerz hier komisch aus.
So eine habt ihr sicher nicht zuhaus.
Und eigentlich ihr zwei hier seht,
die merkwürdig zusammen sind gedreht.

Hat’s vielleicht mit Karneval zu tun,
wo die Narren tagelang nicht ruh’n?
Welche Narretei
steckt denn in der Kerzen zwei?
Ist’s Abbild von Tanzmarie und ihrem Jungen,
die an Karneval sind eng umschlungen,
um Aschermittwoch nach den tollen Tagen
einander „Tschüss“ und „Lebewohl“ zu sagen.

Nein, damit hat es nicht zu tun – von wegen!
Die Kerzen sind bestimmt für’n Blasiussegen.
Der Blasius war ein frommer Mann,
wurde trotzdem Bischof irgendwann.
Es war zu jener frühen Zeit,
als die junge Christenheit
vieles duldete und litt,
gegen sie der Kaiser stritt.

Von vielen Legenden und Geschichten
von Blasius will eine uns berichten:
Von einem Kind, ne Gräte hat’s verschluckt,
vor Luftnot es schon heftig zuckt.
Durch ein Wunder des heil’gen Bischofs Blasius
war mit dieser Not schnell Schluss.

Weil damals er dies Wunder tut,
sein Segen ist noch heute gut
für unser Heil und jedenfalls
ist er gesund für uns’ren Hals.

So kann die Segenskerze uns erzählen:
Ohne Segen wir dem Mensch was fehlen!

Schluss
So predigt uns sie Kerze hier mit ihrem Licht:
Worans’s dem Menschen wohl gebricht,
fehlt Orientierung ihm in dem Gewühl,
fehlt Herzenswärme ihm und das Gefühl,
fehlt Vorsicht ihm und auch der Segen.
Zum Schluss dann sollten wir noch überlegen,
bei allen diesen Lichtgedanken,
wem wir das letztlich wohl verdanken.

Der Blasius ja nicht aus eigner Kraft,
wunderbares hat geschafft.
Mit Christus war eng verbunden
in frohen und auch schweren Stunden.
Weil er fest auf Gott vertraut,
die Kirche heut noch auf ihn schaut.

Als wichtigstes also soll die Kerz` erzählen:
Ohne Gott dem Menschen wird was fehlen!

Denk an ihn, auf ihn vertrau!
sagt die Kerze – Amen, Alaaf und Helau!