Predigtreihe zur Gohrer Odilien-Oktav: Missbrauchsskandal als Zumutung

Ziel der Gohr-Pilger: das Gnadenbild der heiligen Odilia in der romanischen Pfarrkirche. Foto: TZ
Ziel der Gohr-Pilger: das Gnadenbild der heiligen Odilia in der romanischen Pfarrkirche. Foto: TZ
Unter dem Leitwort „Zumutungen“ steht die Odilien-Oktav 2021 in Gohr. Die Wallfahrt zum Gnadenbild der heiligen Odilia in der romanischen Pfarrkirche beginnt am Sonntag, 13. Juni, um 11 Uhr. Es folgen tägliche Gottesdienste, zu denen sich auch auswärtige Pilger angesagt haben. Die Kirche ist zusätzlich zu den Messzeiten montags bis samstags jeweils von 15 bis 17 Uhr für Besucher geöffnet. Beendet wird die Oktav am Sonntag, 20. Juni, mit dem 11-Uhr-Gottesdienst.
 
Klaus Koltermann, der leitende Pfarrer im Seelsorgebereich Dormagen-Nord, hat eine Predigtreihe vorbereitet, die sich mit den Zumutungen des Rufs Gottes zu Veränderungen beschäftigt. „Mit der Missbrauchs- und Vertuschungskrise hat sich, so scheint es, etwas Grundlegendes verändert. Es sind nun nicht mehr allein die von außen herkommenden Anfragen, die zu Rechtfertigung und Standpunkt-Klärung auffordern. Vielmehr macht sich bei vielen Menschen bis weit in den Kern der Stammgemeinde hinein ein Zweifel breit, ob es mit der Kirche seine Richtigkeit habe, wenn man im Blick auf Missbrauch und Vertuschung das Verhalten kirchlicher Amtsträger, den lausigen Umgang der Leitungsebene und die gelähmt wirkende Aufarbeitungs- und Erneuerungsarbeit der kirchlichen Institution zur Kenntnis nehmen muss“, so Koltermann.
 
Sein Eindruck ist klar: „Bei vielen Menschen, die bislang treu zur Kirche standen und sich nicht unbedingt in den ersten Reihen der kirchlichen Reformbewegung wiederfanden, ist etwas zerbrochen – das Hintergrundvertrauen, dass die Kirche zwar wohl hier und da erneuerungsbedürftig ist, aber dass sie doch – nach der Erneuerung durch das Konzil und angesichts vieler persönlicher Glaubenserfahrungen auch im kirchlichen Rahmen – grundsätzlich auf dem richtigen Weg sei.“
 
Dieser Zweifel geht laut Koltermann bei vielen Menschen tief und sollte ernst genommen werden: „Zunächst macht sich der Zweifel als Enttäuschung breit. Es ist die Enttäuschung darüber, dass diese Kirche, die vielen Menschen eine so lange Strecke ihres Lebenswegs entlang Heimat dafür gab, ihren Glauben leben und entwickeln zu können, offenbar noch ein anderes, bislang ungekanntes Gesicht zeigt. Eine Zumutung für immer mehr Menschen unserer Tage…“ Solchen Zumutungen möchte der Seelsorger Hinweise aus der Bibel entgegenstellen.