Räume der Begegnung schaffen

Räume der Begegnung schaffen
Wenn Rentner aus der Seniorengemeinschaft Schülern bei ihren Hausaufgaben helfen, wenn Schüler ihnen umgekehrt Internetkurse anbieten, wenn ein Gymnasium an einer Fronleichnamsprozession teilnimmt ...

... oder ein Kirchenmusiker eine Musikgruppe an der benachbarten Hauptschule leitet, dann sind das gelungene Beispiele für Kooperationen zwischen Schulen und Kirchengemeinden. Doch weil der regelmäßige Gemeindeartikel über das örtliche Schulleben oder die Ausstellung der Pfarrbücherei in der Schule immer noch längst nicht überall selbstverständlich sind, lud der Neusser Katholikenrat jetzt zur Veranstaltung „Schule (be)trifft Gemeinde".

„Schön, dass heute sowohl Lehrer als auch Kirchenvertreter gekommen sind, um über die bessere Vernetzung von Schule und Gemeinde zu reflektieren", sagte Annette Rieks aus dem Ratsvorstand in ihrer Begrüßungsansprache. Als Gastredner war Markus Dörstel aus der Hauptabteilung Seelsorgebereiche des Generalvikariats gekommen. Er betonte, dass die Kirche im Rahmen der neuen pastoralen Konzepte, die aufgrund der Umstrukturierung der Seelsorgebereiche notwendig seien, verstärkt auch die Schule zum gemeindlich-pastoralen Handlungsfeld machen müsse. „Sie muss sich mit den Lebensräumen der Menschen verknüpfen und neue Räume der Begegnung schaffen", so Dörstel. „Und die Schule ist ein ganz wichtiger Lebensraum."

Die eine solche „Verknüpfungsarbeit" unterstützenden Steilen nutzten den Abend in der Aula des Erzbischöflichen Friedrich-Spee-Kollegs, um sich vorzustellen: Elke Chladek, die für die Schulpastoral in den Regionen Düsseldorf und Neuss zuständig ist und Projekt- und Besinnungstage für Schüler oder „Oasentage" für Eltern und Lehrer organisiert, sowie Zsuzsanna Schmöe von der Katholischen Fachstelle für Jugendpastoral und Jugendhilfe, die gemeinsam mit Schulen und Gemeinden nach „Ideen für Kooperationsmodelle" sucht - und die Zuhörer aufforderte: „Rufen Sie mich an, dann machen wir was zusammen!"

Über die Schwierigkeit, „langlebige Angebote" in den „Biorhythmus der Schule" zu etablieren wurde ebenso diskutiert, wie über Sinn und Unsinn von Seelsorge- und Kontaktstunden.

Blieb der Referent in seinen Ausführungen teils auch ein wenig abstrakt, seiner prinzipiellen Forderung wusste Dörstel Ausdruck zu verleihen: „Wir müssen weg von der Rekrutierungspastoral. Es ist Schwachsinn zu fragen: Was kommt unten raus?" Kinder- und Jugendpastoral dürfe man nicht eigennützig mit dem Ziel leisten, durch sie mehr künftige Kirchensteuerzahler, mehr Gottesdienstbesucher oder eine lebendigere Gemeinde zu erhalten. „Ziel muss es einzig und alleine sein, die Jugendlichen zu evangelisieren und mit Jesus Christus in Kontakt zu bringen." Dazu, so der Tenor des Abends, bedürfe es vieler kleiner Begegnungen im Schulalltag und einer Abkehr von der Unsitte, den Erfolg von Jugendpastoral quantitativ zählen, messen oder wiegen zu wollen.