Reformen auch Thema bei der Bischofskonferenz

Reformen auch Thema bei der Bischofskonferenz
In diesen Tagen treffen die deutschen Bischöfe sich zu ihrer Herbst-Vollversammlung in Fulda. Dabei diskutieren sie auch über bevorstehende Reformen der Pastoral in den Diözesen. Radio Vatikan berichtet:

Lehmann fordert menschennahe Reformen
Kirche müsse trotz Sparkurs und weniger Pfarreien menschennah bleiben. Das haben die deutschen Bischöfe betont. Durch die Zusammenlegung von Pfarreien ziehe Kirche sich keineswegs „einfach aus der Fläche zurück”. Die Diözesen müssten sich grundsätzlich der Herausforderung stellen, Kirche einladend sichtbar zu machen, erklärte der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Kardinal Karl Lehmann.
„Die Konzentration, die hier geschieht, muss aufpassen, dass Krankenhäuser, Sozialstationen, Schulen und Kindergärten nicht isoliert werden, damit sie auch eingebunden werden. Die Kirche darf nicht ihr Gesicht verlieren, wohl aber ihr Aussehen verändern, um unter ebenfalls veränderten Bedingungen dem Menschen dort zu begegnen, wo der Alltag gelebt wird.”
Bei ihrer Frühjahrsvollversammlung im April in Kloster Reute hatten sich die deutschen Bischöfe in einem Studientag mit der Neuordnung der Pastoral in den Diözesen auseinandergesetzt. Trotz der enormen Unterschiede zwischen den Bistümern seien die finanziellen wie pastoralen Bedürfnisse gut Vergleichbar. Dazu der Vorsitzende der Pastoralkommission, Bischof Joachim Wanke aus Erfurt: „Die Problematik ist, in der Fläche präsent zu bleiben. Auch bei ausgedünnten Ressourcen. Da wird es ohne Zweifel zu liturgischen Konzentrationen kommen, aber es werden Lebensvorgänge von Kirche im Bereich der Diakonie, aber auch der Verkündigung des Zeugnisgebens, bleiben. Auch ohne klerikale Präsenz.”
Mit den – so Wanke – „drei Grundsäulen kirchlichen Lebens”, mit Verbänden, der Caritas und den Orden, stünden jetzt Gespräche an. In einer in Fulda vorgestellten Arbeitshilfe sind die Überlegungen der Oberhirten zusammengefasst. Ihr Titel: „Mehr als Strukturen…”
„Es gehört zu den Aufgaben von Leitung, zur Entlastung auch eines voranschreitenden Lebensprozesses, Entscheidungen zu treffen. Und wenn dort Leitungen versagen, dann bedeutet das einen Schaden für den gesamten Organismus. Vergleichen Sie doch nur einmal Kreisreformen und Gebietsreformen im politischen Bereich. Da haben wir in der Kirche noch relativ wenige Schwierigkeiten.” (rv)

Interview mit Bischof Joachim Wanke
Kirchliche Reformprozesse und Sparmaßnahmen sind unabwendbar. Kirche darf sich nicht zurückziehen, sondern wird sich in Zukunft wohl eher auf so genannte „pastorale Zentren“ konzentrieren. Das und mehr zu den kirchlichen Reformprozessen erklärt Bischof Joachim Wanke, Vorsitzender der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz. Die Fragen stellte Johannes Schröer. (rv)
Hier hören Sie das Interview.

Wanke verteidigt Reform
Der Erfurter Bischof Joachim Wanke hat die Reformprozesse in deutschen Diözesen verteidigt. „Veränderungen gehören dazu, Kleider mussten immer angepasst werden”, sagte der Vorsitzende der Pastoralkommission der deutschen Bischofskonferenz in Fulda.
„Uns prägen Bilder von Pastoral, die sich über Generationen hin verfestigt haben. Bestimmte Verfestigungen aus den letzten zwei, drei Jahrhunderten sind nicht immer das Bild, das zukunftsbestimmend sein muss.”
Wanke bedauerte den notwendigen Personalabbau. Reformen, Abrisse von Kirchen und einschneidende Veränderungen im Leben der Gläubigen seien in der Geschichte aber nicht ohne Beispiel.
„Der Ausbau von kirchlichen Anstellungen ist ein Zeitphänomen der Nachkriegszeit und des sprudelnden Kirchensteueraufkommens. Es gibt Chancen und Möglichkeiten, Menschen in der Kirche Arbeit und Brot zu geben, wir brauchten auch Mitarbeiter, aber es ist an sich vermittelbar, dass bei Auflösung von bestimmen Möglichkeiten dann gekündigt werden muss. Das ist eine menschliche Not, die auch seelsorglich begleitet werden muss, aber ich weigere mich zu sagen, dass das alles unbarmherzige Härte von kirchlichen Arbeitgebern ist, die keinen Blick haben für die Not von Menschen.” (rv)

Weitere Informationen und Dokumente sowie Texte von Statements und Predigten im Rahmen der Vollversammlung stellt die Deutsche Bischofskonferenz zur Verfügung: www.dbk.de.