Reise zu den Chorschranken nach Gustorf und Bonn

Die Chorschranken-Repliken in Gustorf wurden von Konrad Sturm erklärt.
Die Chorschranken-Repliken in Gustorf wurden von Konrad Sturm erklärt.
Der Förderverein für das Missionshaus Knechtsteden hat eine gelungene Exkursion zu den Gustorfer (oder Knechtstedener) Chorschranken, einem romanischen Relief-Zyklus, angeboten. Ziele waren Gustorf und Bonn.
 
Bei den Chorschranken handelt es sich um zwölf Kaltsteinplatten mit Darstellungen aus dem Leben Christi, die sich im Original im LandesMuseum des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) in Bonn befinden. Sie gelten als ein „Hauptwerk der romanischen Skulptur Kölns“ und als die „umfangreichste uns erhaltene plastische Darstellung aus romanischer Zeit im Rheinland“. Jeweils vier Kalksteinplatten sind zu einer Szene zusammengestellt und  bilden eine Darstellung. Die Anlage wurde vermutlich um das Jahr 1150 in Köln gefertigt. Umstritten ist, wo die Schranken ursprünglich aufgestellt waren. Ein möglicher Ursprungsort ist die Klosterbasilka in Knechsteden.
 
Dies war für den Förderverein für das Missionshaus der Anlass, sich im Rahmen eines Tagesausflugs mit 40 Interessierten auf Spurensuche zu begeben. Nach dem Reisesegen am Gnadenbild in Knechtsteden begann die Reise mit der Fahrt nach Gustorf zur Kirche St. Mariä Himmelfahrt.
 
Die erhaltenen Relieftafeln waren zunächst in der Gustorfer Pfarrkirche an den Wänden des Chores eingemauert und wurden dann, nach dem Neubau der Kirche von 1872 bis 1874, in die Wände der Turmhalle eingelassen. Warum und wie sie dorthin gelangten, ist nicht mehr sicher zu klären. Im Jahr 1939 wurden die Relieftafeln durch den damaligen Landeskonservator erworben, um sie vor der Zerstörung durch den auf ihnen lastenden Druck zu retten. So kamen die Kaltsteinplatten in das LVR-Museum nach Bonn.
 
Später erhielt die Gustorfer Kirche Repliken der Chorschranken, Abgüsse der Originale, die heute in der Taufkapelle zu sehen sind. Dort erhielt die Reisegruppe vom örtlichen Experten Konrad Sturm eine Kirchenführung und konnte die Kopien der zwölf kunstvoll behauenen Kaltsteinplatten besichtigen. Danach folgte  der Höhepunkt des Ausflugs, nämlich der Besuch des LandesMuseums mit einer Sonderführung durch die mittelalterliche Sammlung. Dort wurden auch die zwölf Original-Kaltsteinplatten der Chorschranken besichtigt, die als Prunkstück der mittelalterlichen Abteilung an zentraler Stelle im ersten Obergeschoss aufgestellt sind.