Schließung von sieben Pfarrbüros – Bankrott der Kirchengemeinden?

Schließung von sieben Pfarrbüros – Bankrott der Kirchengemeinden?

Dicke Luft im Sendungsraum Neuss-Süd: Sieben Pfarrbüros sollen geschlossen, ihre Aufgaben in einem Verwaltungszentrum zusammengefasst werden. Während die Gemeindeleitung diese Entscheidung auf ihre Fürsorgepflicht gegenüber den Mitarbeiterinnen stützt, sprechen Gläubige vom „Bankrott der Kirchengemeinden“.

In den Pfarreiengemeinschaften „Rund um die Erftmündung“ und „Apostelpfarren“ gab es bislang zwei Pastoral- und sechs Kontaktbüros. Letztere waren seit Mitte März wegen der Corona-Pandemielage geschlossen. Jetzt erfuhren die Gemeinden durch einen Brief von Pfarrverweser Kaplan Sebastian Lambertz und Verwaltungsleiter Christoph Feckler: sie werden nie wieder öffnen.

An Stelle der acht Büros an den Kirchen soll es in Zukunft nur noch ein zentrales Büro für den gesamten Neusser Süden geben. Dieses soll in Weckhoven entstehen. „Unser Ziel ist dabei, für den Sendungsraum ein schlagfertiges und gut ausgestattetes Pastoralbüro zu haben, welches den heutigen Erfordernissen in der Verwaltung nachkommen kann“, heißt es in dem Schreiben. In den vergangenen Monaten habe man gemerkt, wie wichtig kurze Wege in den Pastoralbüros sind und wie wichtig Telefon und E-Mail in der Kommunikation geworden sind. „Wir haben alle gelernt, dass es wichtiger ist, jemanden zu erreichen als dass der Ort wichtig ist, wo man jemanden erreicht.“ Deshalb nun die Neuausrichtung mit einem Verwaltungszentrum. Das bisherige zweite Pastoralbüro in Grimlinghausen soll verstärkt als pastorales Zentrum genutzt werden. Die Sprechstunden in den übrigen Büros sollen ersatzlos entfallen.

Heinz Sahnen, Kirchenvorstandsmitglied in der Erfttaler Gemeinde St. Cornelius, spricht von heftigen Diskussionen und Empörung bei den Gemeindemitgliedern. „Ein Pfarrbüro ist mehr als nur eine Anlaufstelle für die Bestellung von Messintentionen oder eine Anmeldestelle für Firmlinge. Das Pfarrbüro ist eine zentrale Stelle der Seelsorge, es ist eine Anlaufstelle für kirchliches Leben in einer Gemeinde“, sagt der 73-jährige, der sich seit Jahrzehnten auf vielfältige Weise für das Gemeinwesen in Erfttal engagiert. Er vergleicht das Pfarrbüro mit einer „örtlichen Telefonseelsorge“. Außerdem kritisiert er, dass weder die pastoralen noch die wirtschaftlichen und kirchenrechtlichen Gremien der Gemeinden mit der Entscheidung befasst worden sind: „Pastoralteam und Laien sollen partnerschaftlich zusammen arbeiten. Ist das geschehen?“

Die Stimmung im Sendungsraum Neuss-Süd ist angespannt – ob die dicke Luft sich bald wieder auflöst oder zu einer Explosion führt, bleibt abzuwarten.

Kommentar: Lasst die Kirche im Dorf!

Nur noch ein Büro, eine XXL-Verwaltung für acht Pfarrgemeinden. Ist das eine notwendige Weiterentwicklung oder der Bankrott der Kirche?

Richtig ist: Die Kirche muss vor Ort sichtbar und ansprechbar sein. Und zwar nicht nur mit Gottesdiensten oder Veranstaltungen, sondern auch mit einer offenen Tür. Mit einem Treffpunkt, wo Gespräche „zwischen Tür und Angel“ stattfinden können, wo die trauernde Witwe Zuspruch erfährt oder wo der hungrige Bettler einen Gutschein für den Lebensmittelmarkt bekommt. Aber genauso richtig ist auch: Das ist nicht die erste Aufgabe von Pfarrämtern, die heutzutage professionelle und effiziente  Verwaltungsarbeit leisten müssen.

Was nun? Die Kirche wird dann – und nur dann – im Dorf bleiben, wenn es gelingt, den schmerzlichen Verlust der Pfarrbüros mit frischen Ideen und neuen Angeboten aufzufangen. Daran sollten die Gemeinden arbeiten, und zwar Haupt- und Ehrenamtliche gemeinsam!

Thomas Kaumanns

 

Hinweis: Dieser Kommentar ist ein redaktioneller Beitrag und keine offizielle Äußerung des Katholikenrates Rhein-Kreis Neuss.