Sich von der Kirche auf den Philippinen inspirieren lassen

Sich von der Kirche auf den Philippinen inspirieren lassen
Ein wenig alltägliches Ziel haben zwei pastorale Lernreisen, zu denen Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki eingeladen hat. Insgesamt 36 pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden in diesem Monat für je gut zwei Wochen auf die Philippinnen reisen. Begleitet von Vera Krause und Dieter Tewes von der „Diözesanstelle für den pastoralen Zukunftsweg“ werden sich die Teilnehmenden auf einen Erkundungsweg machen, um sich von der pastoralen und spirituellen Praxis der philippinischen Ortskirche inspirieren und für die eigene Arbeit im Erzbistum Köln anregen zu lassen.
 
„Es gibt nicht viele Orte auf der Welt, wo man zurzeit so gut für die pastorale Entwicklung in Deutschland lernen kann wie auf den Philippinen“, erklärt Vera Krause. Sie leitet die Diözesanstelle Pastoraler Zukunftsweg im Erzbistum Köln und spricht mit dieser Einschätzung ganz direkt auch auf die langjährige und intensive Zusammenarbeit mit dem Pastoralinstitut „Bukal ng Tipan“ (Quelle des Bundes) an, den Kooperationspartner vor Ort. Dem stimmt auch Dieter Tewes zu, der bereits neunmal mit Pastoralteams aus verschiedenen deutschen Diözesen (Münster, Paderborn, Limburg, Hamburg, Berlin, Erfurt u.a.) in dem Institut war, das weltweit vernetzt ist. Die sehr gute theoretische und praktische Begleitung vor Ort erlaubt besondere Einblicke in den Alltag einer Ortskirche am anderen Ende der Welt.
 
Doch nur auf den ersten Blick scheint es wenig Anknüpfungspunkte zwischen der Kirche des Inselstaates im westlichen Pazifischen Ozean und der im Erzbistum Köln zu geben. Denn beide kennen eine durchaus ähnliche volkskirchliche Prägung, beide ringen um die kirchliche Beheimatung auch der jüngeren Generationen und beide kämpfen um Gehör und Einfluss hinsichtlich der großen gesellschaftlichen Herausforderungen im jeweiligen Heimatland. Die Verschiedenheiten, die da sind, versprechen besondere Lernimpulse für die Kundschafter aus Deutschland.
 
82 Prozent der gut hundert Millionen Philippinos sind katholisch, doch es gibt traditionell wenige Priester und eine noch geringere Anzahl an anderen hauptberuflichen pastoralen Diensten. Daher sind Pfarreien mit 30.000, 50.000 oder auch 70.000 Katholiken seit jeher üblich. Die Vergrößerung von pastoralen Einheiten, die in Deutschland – auch im Erzbistum Köln – viele Ängste auslöst, ist auf den Philippinen Alltagserfahrung einer Kirche, die sich durch Partizipation, Dezentralität und lebendiges Glaubensleben vor Ort auszeichnet. „Hier wollen wir kapieren, nicht kopieren“, sagen Vera Krause und Dieter Tewes.
 
Beide Reisen, auf die die 36 Teilnehmenden aufgeteilt sind, beginnen nach einem Ankunftstag in der näheren Umgebung mit zweitägigen Kurzexerzitien im Bukal-Seminarhaus „Maryshore“ auf der Insel Negros in den „Visayas“, den „mittleren Inseln“ der Philippinen. Im gleichen Haus schließt sich eine fünftägige Seminarphase an, in der die pastoralen Grundlagen, Konzeptionen und Ausrichtungen der Kirche auf den Philippinen sowie die Arbeit des Pastoralinstitutes Bukal ng Tipan vorgestellt werden. Bei einem anschließenden gut viertägigen „Exposure“ im Erzbistum Jaro auf der Nachbarinsel Panay werden die Gruppen hautnah in das vielfältige Leben der Kirche auf den Philippinen eintauchen. Es basiert sehr ausgeprägt auf dem Bild des Zweiten Vatikanischen Konzils von der Kirche als dem Volk Gottes auf dem Weg. Nach kurzer Verschnaufpause noch in den Visayas geht es für zwei abschließende Tage ins Bukal-Haus „Maryhill“ bei Manila, die ganz der Reflektion des Erlebten gewidmet sind.
 
Die Teilnehmenden der beiden Lernreisen kommen aus dem gesamten Erzbistum Köln: Pfarrer, Pfarrvikare, Diakone, Pastoral- und Gemeindereferent/-innen sowie Seelsorge-Verantwortliche aus dem Generalvikariat. „Wir hoffen, dass die Erfahrungen der Reise für die Zukunft der Kirche von Köln an vielen Stellen Früchte tragen werden“, erklären Vera Krause und Dieter Tewes. Zu den Reisen hatte Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki persönlich eingeladen. In seinem diesjährigen Fastenhirtenbrief erläutert er seine Motivation so: „Wir wollen weltweit voneinander lernen. Dabei wollen wir Dinge nicht eins zu eins übertragen, sondern zu verstehen beginnen, welche Visionen und pastoralen Ausrichtungen den verschiedenen Ortskirchen den Weg gewiesen haben, im jeweiligen Kontext Kirche für und mit den Menschen zu sein.“