St. Martinus: 125-Jahr-Feier in Nettesheim

St. Martinus in Nettesheim. Foto: TZ
St. Martinus in Nettesheim. Foto: TZ
Die Gemeinde St. Martinus in Nettesheim feiert Jubiläum: Vor nunmehr 125 Jahren nahm ihre Kirche die heutige Gestalt an. 

Das Schiff wurde 1885 erweitert, der Turm erhöht. Diesen Anlass würdigen die Gläubigen, die zur Rommerskirchener Pfarreiengemeinschaft „Gilbach“ gehören, mit einem informativen Programm rund um das Gotteshaus. Am Samstag, 6. November, spricht der ortsansässige Historiker Dr. Josef Schmitz ab 15 Uhr in der Kirche über das Thema „Von den Anfängen des Dorfes Nettesheim und seiner Kirche“. Schmitz ist nicht zuletzt aufgrund seiner Veröffentlichungen über die Geschichte der Gemeinde Rommerskirchen über die Grenzen der Pfarrei hinaus bekannt. Im Anschluss an seine Ausführungen ist gegen 16.30 Uhr ein „Kirchenspaziergang“ mit Gerti Goertz und Matthias Kratz geplant. Dabei werden die Besucher über Altäre, Fenster, Orgel, Gewänder und andere Kostbarkeiten informiert. Am Sonntag, 7. November, feiern die Nettesheimer ab 9.15 Uhr einen Festgottesdienst, den ihre Chöre mitgestalten. Vorbereitet wurde die heilige Messe von Gemeindemitgliedern. Anschließend folgt eine Führung für Familien und andere Interessierte. Die Leitung übernimmt Monsignore Franz Josef Freericks aus Rommerskirchen, Dechant des Dekanats Grevenbroich/Dormagen. Begleitend dazu wird eine Ausstellung alter Fotos über das Gotteshaus und seine Geschichte gezeigt. Die Präsentation wurde unter Leitung von Kirchenvorstandsmitglied Hans Josef Huthmacher auf die Beine gestellt. 

St. Martinus, Mittelpunkt des Nettesheim, Butzheim, Frixheim und Anstel umfassenden Gemeindegebiets und einer der gelungensten Sakralbauten im heutigen Kreisdekanat Neuss, entstand als Kirche eines Fronhofs, der sich im Besitz des Kunibertstifts in Köln befand. „Die Kirche in Nettesheim liegt, verglichen mit anderen Eigenkirchen im Rheinland, ungewöhnlich weit vom Fronhof entfernt“, schreibt Dr. Josef Schmitz in seinem 1987 erschienenen Buch „Leben am Gillbach“, liefert aber gleich die Begründung dafür mit: „Die Wahl dieser Stelle scheint begründet: Die Kirche wurde in der Regel auf einer hochwassersicheren Anhöhe erbaut. Eine solche bot sich, soweit dies heute noch zu beurteilen ist, in unmittelbarer Nähe des Fronhofs nicht an.“ 

Das unterste Geschoss des Turms ist der älteste Teil der Kirche und stammt aus dem zwölften Jahrhundert. Er wurde unter Verwendung von Basaltblöcken und römischen Ziegeln aus Tuffstein erbaut. Seine 1,60 Meter dicken Mauern lassen darauf schließen, dass er der Bevölkerung auch als Flucht- und Wehrturm bei einer Bedrohung durch Kriegshorden und Räuberbanden diente. 1241 legte der Probst von St. Kunibert den Grundstein zum Neubau der Kirche, nur der romanische Turm blieb erhalten.
 
In den Kriegswirren der folgenden Jahrhunderte wurde die Kirche mehrfach erheblich beschädigt. So hat sie im Burgundischen Krieg 1474/75 im Zug der Belagerung von Neuss durch Karl den Kühnen so sehr gelitten, dass sie mit Ausnahme des wehrhaften Turms 1515 neu erbaut werden musste. 1858 wurden der alte Chorraum abgerissen und das Kirchenschiff um drei Achsen mit einer neuen Chorapsis verlängert. Dieser aus Ziegelsteinen errichtete Neubau war zunächst wesentlich höher als der alte Teil, der erst 1885 dem Neubau angepasst wurde und die heutige (Dach-) Höhe erhielt. Dadurch musste vor 125 Jahren auch der Turm aufgestockt werden und erhielt eine zweite Glockenstube. Seither hat sich die Bausubstanz der Kirche nicht mehr verändert.