Stadt Neuss benennt zwei Straßen nach katholischen Persönlichkeiten

Foto: Stadt Neuss; Montage: Thomas Kaumanns
Foto: Stadt Neuss; Montage: Thomas Kaumanns
Hubert Timmer und Hermann Straaten – sie lebten in verschiedenen Zeiten, doch gemeinsam war ihnen, dass sie den katholischen Glauben in vorbildlicher Weise lebten. Jetzt werden beide dadurch geehrt, dass die Stadt Neuss eine Straße nach ihnen benennt.
 
Hubert Timmer gilt als christlicher Märtyrer des 21. Jahrhunderts. Er wurde am 4. Juni 1889 in Neuss geboren und römisch-katholisch getauft, wuchs dort heran und ging auch in Neuss zur Schule. Das Stadtarchiv Neuss weiß überdies, dass seine Eltern mehrfach innerhalb seiner Vaterstadt umgezogen sind.
Timmer war ein christlicher Gewerkschafter und zugleich Anhänger der Zentrumspartei, bis sie 1933 aufgelöst wurde. Nach seiner Heirat 1921 ging er zunächst nach Espa, bald darauf nach Butzbach im Bistum Mainz, wo er ein Lebensmittelgeschäft eröffnete.
Bereits im Mai 1933 berichtete die Butzbacher Zeitung, dass Timmer zu drei Monaten Gefängnis verurteilt worden sei, weil er u. a. geäußert hatte, dass die Regierungserklärung Hitlers lauter Lügen enthalte und dass es unwahr sei, keinem Juden sei ein Haar gekrümmt worden.
Endgültig wurde der aufrechte Katholik im Sommer 1941 verhaftet, weshalb er in das Gefängnis von Diez und anschließend nach Frankfurt-Preungesheim kam. Von dort musste er Zwangsarbeit für die Firma Teves leisten. Entkräftet starb er am 22. April 1944 im Gefängnis Frankfurt-Preungesheim.
In Weckhoven, wo an der Hülchrather Straße ein neues Baugebiet entsteht, wird nun eine Straße nach Timmer benannt. In diesem Stadtteil sind schon verschiedenen Widerstandskämpfern Straßen gewidmet, unter anderem Otto Wels und den Geschwistern Scholl.
 
Hermann Straaten wurde am 15.09.1917 in Neuss geboren, wo er auch die Schulzeit verlebte. Nach einer kaufmännischen Ausbildung in der Wilh. Werhahn KG wurde Straaten zunächst Volontär in verschiedenen Mühlen. Nach Kriegsdienst und russischer Kriegsgefangenschaft kam er nach Neuss zurück und heiratete 1950 seine Frau Cläre Josten, mit der er fünf Kinder bekam.
Viele Jahre war Straaten im Vorstand der Wilhelm Werhahn KG tätig. Daneben engagierte er sich in Berufsverbänden. 1959 kam er in den Aufsichtsrat der Gesellschaft für Buchdruckerei und wurde 1968 für mehr als 25 Jahre dessen Vorsitzender.
Neben dem Beruf engagierte Straaten sich vielfältig im kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Bereich. Er war Mitbegründer des Neusser Katholikenausschusses, den er 14 Jahre lang als Vorsitzender leitete und steuerte. Er arbeitete im Kölner Diözesanrat mit, war Mitbegründer und Vorstandsmitglied der Katholischen Arbeitsgemeinschaft Mütterbildung und begleitete in leitender Funktion den Aufbau des Edith-Stein-Hauses.
Auch im Neusser Ruderverein und im Schützenwesen engagierte sich Straaten, der 1964 sogar die Würde des Neusser Schützenkönigs erlang. Für seine Verdienste wurde er mit dem päpstlichen Gregoriusorden und dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet.
Hermann Straaten ist Namensgeber des Preises, den der Katholikenrat Neuss 2007 für gelungenes ehrenamtliches Engagement von Laien in den Pfarreien ins Leben gerufen hat. Er verstarb am 20. April 2006 in Neuss.
Der Straatenplatz wird zwischen Hafenbecken I und der Düsseldorfer Straße entstehen, wo auf einem früheren Grundstück der Wilhelm Werhahn KG ein neues Stadtquartier entsteht.