VORGESTELLT: Jugendmigrationsdienst

VORGESTELLT: Jugendmigrationsdienst
Wo bekomme ich einen Sprachkurs? Auf welche Schule können unsere Kinder gehen? Wie kann ich meine Zeugnisse und mein Studium anerkennen lassen? Was ist eine Fachoberschulreife?

Die Palette der Fragen, mit denen die Mitarbeiter des Jugendmigrationsdienstes (JMD) des Rhein-Kreises Neuss konfrontiert werden, ist vielfältig. Rund dreihundert junge Zugewanderte suchten im vergangenen Jahr die Beratungsstellen des JMD, ein Angebot der Katholischen Jugendwerke, in Neuss, Dormagen, Grevenbroich und Meerbusch auf.

Knapp dreißig Jahre lang nannte sich die Fachberatungsstelle Jugendgemeinschaftswerk und kümmerte sich in erster Linie um Aussiedlerkinder und -jugendliche, war aber stets auch für Migranten aus anderen Ländern offen. Bei abnehmenden Aussiedlerzahlen und steigendem Beratungsbedarf bei allen Migranten reagiert der Jugendmigrationsdienst auf den demographischen Wandel. Demnach wird sich der Anteil jugendlicher Migranten in Deutschland auf über vier Millionen verdoppeln, die Jugendsozialarbeit ist entsprechend gefordert.

Ob aus dem Kongo, Afghanistan, Irak, Polen, Russland oder Sri Lanka – die jungen Ratsuchenden kommen inzwischen aus aller Herren Länder, darunter Aussiedler, Asylbewerber, Arbeitsmigranten oder auch Studenten. In der Hilfestellung einer gelingenden Integration sieht der Jugendmigrationsdienst mit drei hauptamtlichen Mitarbeitern seine Hauptaufgabe. Neu Zugewanderte bekommen zunächst einen Überblick über das deutsche Schulsystem, werden begleitet zu den Schulberatungsstellen, gemeinsam wird überlegt, wie der weitere Lebensweg aussehen könnte. In individuellen Förderplänen werden Ziele Schritt für Schritt mit den Jugendlichen erarbeitet, regelmäßig wird reflektiert, was gut geklappt hat, was nicht und was weiter Priorität haben muss. Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund, die bereits seit vielen Jahren im Kreis zuhause sind, können anklopfen, wenn schulische oder berufliche Perspektiven fehlen oder sie an bürokratischen Hürden scheitern. Natürlich kommen auch soziale Probleme auf den Tisch. Mal ist es die Isolation, unter der viele Jugendliche leiden, mal sind es die Kontaktschwierigkeiten aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse oder Probleme mit den Eltern, die häufig mit den Sorgen ihrer Kinder überfordert sind, selbst viel zu sehr mit den eigenen Problemen im Zuge der Migration beschäftigt sind. Nach wie vor kommt derzeit noch die Mehrzahl der Klienten aus dem russischsprachigen Raum. Daher bietet der JMD bei besonderen Verständnisproblemen auch die Beratung in russischer Sprache an.

Mit Hilfe von Ehrenamtlern bemüht sich der JMD ebenso Abhilfe zu schaffen. Zahlreiche Nachhilfegruppen haben in der Vergangenheit akute Leistungsprobleme geschmälert, schulische Seiteneinsteiger der Haupt- und Realschulen werden vom JMD zusätzlich gefördert. Sozialpädagogisch begleitet werden die Teilnehmer von Integrationskursen, vermittelt wird in Förderschulen und Internate, geholfen wird bei Bewerbungen und der Suche nach Ausbildungsplätzen, eng arbeitet der JMD mit den Berufsberatungsstellen zusammen oder vermittelt in andere Fachberatungsstellen. Auch in Sachen Integrationspolitik ist der JMD aktiv, ist vertreten in den Sitzungen der Integrationsräte in Dormagen und Neuss. Einen Schwerpunkt bildet auch die Netzwerkarbeit, wo besonderer Wert auf die Kontakte zu Ämtern, Schulen, Jugendeinrichtungen, Pfarrgemeinden oder zu Migrantenorganisationen und Kulturvereinen Wert gelegt wird. Der Jugendmigrationsdienst hat seine Büros in Dormagen an der Kölner Strasse 36, Tel. 02133/477802 und in Neuss am Münsterplatz 16, Tel. 02131/277100.

Autor: Wolfgang Müller-Breuer, Jugendmigrationsdienst