Wevelinghoven: Gedenken an Nikolaus Groß

Die Marianische Schützenbruderschaft gedachte Nikolaus Groß.
Die Marianische Schützenbruderschaft gedachte Nikolaus Groß.
Anlässlich des Sebastianustags hat die Marianische Schützenbruderschaft 1509 zu Wevelighoven im Pfarrzentrum St. Martinus des vor zehn Jahren selig gesprochenen Märtyrers Nikolaus Groß gedacht.

Als die Bruderschaft 2009 anlässlich ihres 500-jährigen Bestehens eine in Holz geschnitzte Darstellung des heiligen Sebastianus geschenkt bekam, beschloss sie, sich jährlich am Patronatstag zu treffen, um seiner zu denken. In der Kapelle des Pfarrzentrums begann die Veranstaltung jetzt wieder mit einem Gottesdienst, ehe Prälat Professor Dr. Helmut Moll über Nikolaus Groß referierte. Moll hat im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts erstellt. Es umfasst in zwei Bänden die Lebensbeschreibung von mehr als 700 Blutzeugen.

Nikolaus Groß’ Credo ist immer aktuell geblieben. „Wo ein Mensch in Not ist, müssen wir liebevoll, barmherzig und mitleidig sein, wie Christus es gewesen ist. Wo Unrecht geschieht, müssen wir tapfer für das Recht und die Wahrheit eintreten, wie Christus es gelehrt hat“, lautete das Leitwort des 1898 bei Essen geborenen und 1945 von den Nationalsozialisten in Berlin hingerichteten Märtyrers.

Groß arbeitete unter Tage in einer Kohlengrube und begann mit 22 Jahren als Jugendsekretär in der christlichen Bergarbeitergewerkschaft. Schließlich wurde er erst Hilfs- dann Chefredakteur beim KAB-Organ „Westdeutsche Arbeiterzeitung“. Als Groß sein Büro in Köln bezog, hatte er sich bereits ein klares Urteil über den heraufziehenden Nationalsozialismus gebildet. Ausgehend von der Leitidee des „Arbeiterbischofs” und KAB-Gründers Wilhelm Emmanuel von Ketteler, dass eine Reform der Gesellschaft nur durch eine Reform der Gesinnung erreicht werden könne, sah er in den Erfolgen der Nationalsozialisten „politische Unreife” und „mangelnde Urteilsfähigkeit”. Schon damals betitelte er die Nazis als „Todfeinde des heutigen Staates”.

Groß, ein siebenfacher Familienvater, versuchte seine Zeitung vor der Vernichtung zu bewahren, ohne inhaltliche Zugeständnisse zu machen. Er verstand es, „zwischen den Zeilen” zu schreiben, so dass nur Eingeweihte es verstanden. 1938 erfolgte jedoch das endgültige Verbot des inzwischen in „Kettelerwacht” umbenannten Blattes. Dass Nikolaus Groß sich dem Widerstand anschloss, erwuchs seiner katholischen Glaubensüberzeugung. Für ihn galt, „dass man Gott mehr gehorchen muss als den Menschen”. 

Ab 1940 musste er Verhöre und Hausdurchsuchungen über sich ergehen lassen. Nach dem fehlgeschlagenen Attentat auf Hitler 1944 überschlugen sich die Ereignisse. Groß, der an der Vorbereitung und Ausführung selbst nicht beteiligt war, wurde am 12. August 1944 verhaftet und zunächst ins Gefängnis Ravensbrück und dann ins Zuchthaus nach Berlin-Tegel gebracht. Seine Frau Elisabeth kam zweimal zu Besuch und berichtete danach über deutliche Folterspuren an seinen Händen und Armen. 

Seine Briefe bezeugen eindrucksvoll, dass für Groß das beständige Gebet der Kraftquell in seiner am Ende aussichtslosen Lage war. Am 15. Januar 1945 erging das Todesurteil durch den Vorsitzenden des Volksgerichtshofs. Dessen protokollierte Schlussbemerkung und eigentlich einzige Urteilsbegründung war unmissverständlich: „Er schwamm mit im Verrat, muss folglich auch darin ertrinken!” Groß wurde erhängt, seine Leiche verbrannt, doch seine Ideale sind lebendig geblieben bis zum heutigen Tag.