ZdK und CDU im Dialog

Hermann Gröhe in seinem Berliner Büro. Der Hl. Quirinus (rechts Bild) wacht über seine Arbeit.
Hermann Gröhe in seinem Berliner Büro. Der Hl. Quirinus (rechts Bild) wacht über seine Arbeit.
Anfang März trafen sich die Spitzen des ZdK (Zentralkomitee der deutschen Katholiken) und der CDU zu einem Austausch. katholisch-im-rhein-kreis-neuss.de sprach darüber mit dem Bundestagsabgeordneten für Neuss, Dormagen, Grevenbroich und Rommerskirchen, Hermann Gröhe, der als CDU-Generalsekretär mit am Tisch saß.

Herr Gröhe, Hand aufs Herz! War das Spitzengespräch von CDU und ZdK mehr Pflichttermin eines Generalsekretärs oder Kürveranstaltung eines engagierten Christen?


Gröhe: Sicherlich gehören Spitzengespräche mit wichtigen gesellschaftlichen Gruppen zu den Aufgaben der Führung einer Volkspartei. Für uns als „C-Partei“ haben dabei die Gespräche mit der Deutschen Bischofskonferenz, dem Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland oder dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken eine besondere Bedeutung, verbindet uns doch der gemeinsame Wille, die Gestaltung unseres Gemeinwesens an christlichen Werten auszurichten. Dass mir die Betonung dieser Gemeinsamkeit auch ein wichtiges persönliches Anliegen ist, habe ich dadurch unterstrichen, dass mein erster Besuch nach meiner Wahl zum CDU-Generalsekretär dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, gegolten hat.

In der gemeinsamen Presseerklärung von CDU und ZdK werden vor allem die inhaltlichen Gemeinsamkeiten betont, etwa bei europapolitischen Fragen oder beim Einsatz für die Religionsfreiheit. Das klingt nach viel Harmonie. Oder werden in solch einem Gespräch auch streitige Themen angesprochen? Ringt man miteinander um Positionen?

Gröhe: Unser jüngstes Spitzengespräch von CDU und Zentralkomitee der deutschen Katholiken war in der Tat von großen Gemeinsamkeiten geprägt. So hat es mich gefreut, mit welch deutlichen Worten sich das ZdK zum vereinten Europa und zur Europapolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt hat. Auch wird unser Einsatz für Religionsfreiheit, nicht zuletzt für verfolgte Christen, ausdrücklich gewürdigt. Für uns als CDU war es darüber hinaus besonders wertvoll, aus erster Hand zu erfahren, welche Erwartungen von Seiten des ZdK an den Dialogprozess in der katholischen Kirche gerichtet werden. Denn ein gelebter christlicher Glaube und die kirchliche Ermutigung für gesellschaftliche Verantwortungsübernahme von Christinnen und Christen sind auch der notwendige Nährboden für eine christlich geprägte Politik. Natürlich gab es in der Vergangenheit aber auch Konflikte - beispielsweise wenn katholische Verbände eine massive Ausweitung staatlicher Sozialleistungen oder einen noch schnelleren Anstieg der Entwicklungshilfe gefordert haben.

Kritiker werfen der CDU vor, sie entferne sich von den Kirchen und vernachlässige das christliche Profil. Kardinal Meisner fordert bisweilen, die CDU möge das „C“ aus ihrem Parteinamen streichen. Warum soll ein überzeugter Christ trotzdem noch CDU wählen?

Gröhe: CDU und CSU stehen wie keine andere deutsche Partei für den Erhalt der christlichen Prägung unseres Gemeinwesens, die sich beispielsweise in der umfangreichen, auch staatlich geförderten Mitwirkung der Kirchen in wichtigen Bereichen unseres Gemeinwesens - etwa im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich - zeigt. Der besondere Schutz von Ehe und Familie sowie der Schutz des Lebens gerade an seinem Anfang und an seinem Ende spielen für uns eine besondere Rolle. Wir sind verlässliche Partner der christlichen Kirchen, aber auch ihrer Wohlfahrtsverbände. Angesichts schwieriger Herausforderungen bei der Aufarbeitung des schrecklichen Missbrauchs von Kindern auch in kirchlichen Einrichtungen haben wir die Entschiedenheit einer entsprechenden Aufarbeitung von Seiten der katholischen Kirche ausdrücklich gewürdigt und sie gegen billige anti-katholische Stimmungsmache in Schutz genommen. Wir wissen, dass das „C“ auch die Einladung an engagierte Christinnen und Christen sowie die Kirchen ist, uns kritisch darauf hin zu befragen, inwieweit uns christliche Werte im politischen Alltag leiten. Fragen und Kritik in diesem Sinne nehmen wir sehr ernst. Ich bin allerdings auch dankbar dafür, dass beispielsweise der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, und Essens Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck ihrerseits zum Ausdruck gebracht haben, dass sie für eine Politik dankbar sind, die sich an eben diesem „C“ orientiert. Gerade die vielen aktiven Christinnen und Christen in den Reihen der Union haben neben der gewissensschärfenden Mahnung auch solche Worte der Ermutigung verdient.

Die Gesellschaft wird bunter und säkularer, die Kirchen verlieren am Mitgliedern. Das stellt auch das Verhältnis von Staat und Kirche auf die Probe. Bundespolitiker anderer Parteien fordern eine strikte Trennung von Staat und Kirche; Papst Benedikt XVI. spricht von einer „Entweltlichung“ der Kirche – allerdings ohne das zu konkretisieren. Wie wird sich Ihrer Einschätzung nach das Verhältnis von Staat und Kirche in Deutschland weiterentwickeln?

Gröhe: Bei einem großen Empfang der CDU Deutschlands am Vorabend des Besuchs von Papst Benedikt XVI. in Berlin hat sich unsere Parteivorsitzende, Bundeskanzlerin Angela Merkel, ausdrücklich zum bewährten Miteinander unseres Staates mit den Kirchen und Religionsgemeinschaften bekannt.
Forderungen nach einer strikten Trennung von Staat und Kirche, die unter Hinweis auf sinkende Mitgliederzahlen der Kirchen und andere Traditionen in anderen Teilen Europas immer wieder erhoben werden, lehnen wir entschieden hab. Unsere grundgesetzliche Ordnung ist ein geeignetes Angebot, aber auch ein verbindlicher Rahmen für die Entfaltung auch anderer Religionsgemeinschaften in unserem Land. Und als Christen sollten wir die Freiheitlichkeit dieser Ordnung beherzt nutzen, uns zu unserem Glauben zu bekennen und diesem Bekenntnis zugleich durch die tatkräftige Mitwirkung an der Gestaltung unseres Gemeinwesens Glaubwürdigkeit verleihen.

Herzlichen Dank für das Gespräch!