„Alles hängt mit allem zusammen“: Generalinspekteur Breuer beim Neusser Augustinus Forum zur neuen Weltlage 

05.03.2026

Augustinus Forum in Neuss: Generalinspekteur Carsten Breuer diskutierte mit der ZDF-Journalistin Andrea Maurer über Sicherheit und Verteidigung in Zeiten globaler Krisen.
Augustinus Forum in Neuss: Generalinspekteur Carsten Breuer diskutierte mit der ZDF-Journalistin Andrea Maurer über Sicherheit und Verteidigung in Zeiten globaler Krisen.

Der ranghöchste Soldat der Bundeswehr sieht Europa vor einer neuen sicherheitspolitischen Realität. „Alles hängt mit allem zusammen“, sagte Generalinspekteur Carsten Breuer beim Augustinus Forum in Neuss. Vor mehr als 650 Gästen sprach er mit der ZDF-Journalistin Andrea Maurer über Sicherheit und Verteidigung in Zeiten globaler Krisen. Dass das Thema aktueller kaum sein könnte, zeigte schon der Einstieg des Abends: Der Krieg in der Ukraine, neue militärische Eskalationen im Nahen Osten und hybride Angriffe auf europäische Staaten prägen derzeit die internationale Sicherheitslage.

Breuer beschrieb eine Welt, in der sich Konflikte zunehmend überlagern und gegenseitig beeinflussen. Der Krieg in der Ukraine, Spannungen im Nahen Osten, Cyberangriffe oder Sabotage seien Teil eines sicherheitspolitischen Gesamtbildes. „Wir können das nicht mehr separieren“, sagte der Generalinspekteur. Russland verstehe Krieg dabei nicht als klar abgegrenzten Zustand, sondern als Kontinuum – von Einflussnahme bis hin zu offenen militärischen Aktionen.

Besonders aufmerksam verfolgte das Publikum seine Einschätzung zur möglichen Entwicklung der kommenden Jahre. Nach Analysen westlicher Experten könnte Russland bis 2029 militärisch so weit aufgerüstet haben, dass ein Angriff auf NATO-Gebiet möglich wäre. „Heißt das, dass 2029 etwas passieren wird? Nein. Hoffentlich nicht. Aber es könnte“, so Breuer. Gerade deshalb müsse Europa seine Verteidigungsfähigkeit stärken.

Dabei betonte der Generalinspekteur immer wieder die Rolle der Gesellschaft. Sicherheit sei nicht allein Aufgabe der Streitkräfte. „Einer solchen Bedrohung kann man nur gesamtgesellschaftlich begegnen“, sagte Breuer. Eindrücklich schilderte er Eindrücke aus der Ukraine, wo Menschen selbst in Frontnähe versuchen, ihren Alltag aufrechtzuerhalten – für ihn ein Beispiel für gesellschaftliche Widerstandskraft.

In der Moderation griff Maurer immer wieder aktuelle Entwicklungen auf – von der Rolle der NATO über die deutsche Brigade in Litauen bis hin zu neuen Technologien auf dem Schlachtfeld. Drohnen, künstliche Intelligenz und Automatisierung würden künftig eine größere Rolle spielen, ordnete Breuer ein. Gleichzeitig warnte er davor, sich auf einzelne Technologien zu konzentrieren: Auch klassische militärische Fähigkeiten blieben entscheidend.

Die Anwesenden wurden zuvor vom stellvertretenden Stiftungsvorsitzenden Cornel Hüsch sowie von Dr. Michael Schlagheck, dem Leiter des Augustinus Forums, begrüßt. Das Forum lädt regelmäßig Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Gesellschaft nach Neuss ein. Die Aufzeichnung können sich Interessierte online ansehen: www.stiftung-cor-unum.de/augustinus-forum