Engel der Kulturen: Multireligiöses Kunstprojekt im Raphaelshaus

Kunstprojekt im Raphaelshaus: Gregor Merten verlegt das Bodenrelief.
Kunstprojekt im Raphaelshaus: Gregor Merten verlegt das Bodenrelief.
Auf der Suche nach einem Symbol für die Gruppe der unbegleiteten Flüchtlinge im katholischen Jugendhilfezentrum Raphaelshaus in Dormagen, der Abraham-Gruppe, stieß Direktor Hans Scholten auf die „Engel der Kulturen“ der Künstler Gregor Merten und Carmen Dietrich. Ideal verknüpft diese Skulptur die gemeinsame Wurzel der Weltreligionen des Judentums, des Christentums und des Islam. Alle drei Religionen berufen sich auf den Stammvater Abraham.
 
In der Schule und in den Gruppen wurde das Projekt wochenlang mit inhaltlichen und künstlerischen Elementen vorbereitet. 200 Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie externe Gäste nahmen dann an diesem multireligiösen Projekt unter der Leitung von Professor Dr. Joachim Windolph teil. Alle trafen sich am Reitstall, und von dort startete die Prozession – wie in Begleitung von Tieren der Einrichtung – über den Raphaelsweg. Vornweg rollte mit Hilfe von Kindern und Jugendlichen die große Stahlskulptur. An drei exemplarischen Stellen wurde sie auf den Boden gelegt und mit weißem Quarzsand ausgefüllt. Wieder aufgenommen, hinterließ sie eine Boden-Intarsie mit dem Symbol des Engels und dem Davidstern, Kreuz und Halbmond.
 
An der ersten Station, an der auch der Stolperstein für den ermordeten jüdischen Jungen Rudi Euteneuer liegt, gedachten die Anwesenden des Judentums. Worte aus der Tora und ein jüdisches Lied bekräftigten die Verbundenheit zu den jüdischen Wurzeln und der monotheistischen Pionierleistung der jüdischen Religion. Die zweite Station galt dem Christentum. Vor dem Haupthaus und in der Nähe des Mühlsteinbrunnens liegt nun das zweite Sandsymbol.
 
Das Gebet der Christen, das „Vater unser“, ein Abschnitt aus dem Neuen Testament und ein Lied bekräftigten auch hier wieder das Gedenken. Die dritte Station war die Abraham-Gruppe selbst. Junge Syrer und Afghanen sprachen Gebete aus dem Koran in der Muttersprache und übersetzten sie für die Anwesenden auf Deutsch. Höhepunkt und Abschluss war die Verlegung eines dauerhaften Bodenreliefs auf dem Schulhof.