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Erzbischof Koch in der Lichtkirche: „Der Glaube muss wachsen – nicht die Zahlen“

21.07.2026

Wie kann christlicher Glaube Menschen heute noch erreichen? Diese Frage stand im Mittelpunkt eines Besuchs von Erzbischof Dr. Heiner Koch in der Lichtkirche auf der Landesgartenschau. Rund 50 Besucherinnen und Besucher sowie zahlreiche interessierte Passanten hörten sich das von Ulrike Nienhaus moderierte Gespräch an, nachdem der Berliner Erzbischof bereits das tägliche Mittagsgebet gestaltet hatte.

Unter dem Titel „Ist Glaube noch zeitgemäß?“ sprach Koch offen über die Herausforderungen, vor denen die Kirche heute steht. Dabei machte er deutlich, dass ihn sinkende Mitgliederzahlen zwar beschäftigen, sie aber nicht die eigentliche Herausforderung kirchlichen Handelns seien. „Der Glaube muss wachsen, nicht die Zahl“, betonte der Erzbischof. Entscheidend sei, Menschen zu begegnen und sie einzuladen – was diese daraus machten, liege letztlich in ihrer eigenen Verantwortung.

Koch, der aus dem Rheinland stammt, schilderte die besonderen Erfahrungen einer Kirche, die in Ostdeutschland längst eine gesellschaftliche Minderheit geworden ist. Gerade darin sehe er aber auch eine Chance. Ost- und Westdeutschland könnten voneinander lernen. Während im Osten eine nicht kirchlich gebundene Bevölkerung seit Jahrzehnten Normalität sei, könne die Kirche dort neue Formen entwickeln, Menschen anzusprechen.

Als ermutigendes Beispiel nannte Koch die Feier der Osternacht. Dort hätten sich in diesem Jahr 193 Menschen taufen lassen. Ebenfalls beeindruckend sei für ihn gewesen, dass bei der Firmung einer kleinen Gruppe von Jugendlichen zahlreiche Klassenkameraden, Lehrer und Freunde anwesend gewesen seien – viele von ihnen selbst nicht getauft. Die Kirche sei bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen. Darin sehe er eine große Chance: Menschen kämen zunächst aus Interesse oder wegen persönlicher Beziehungen in Kontakt mit Kirche.

Zugleich machte der Erzbischof deutlich, dass sich die gesellschaftliche Wirklichkeit verändert habe. Nur noch rund 35 Prozent der Kinder mit mindestens einem katholischen Elternteil würden heute getauft. Auch in den Gottesdiensten des Berliner Doms seien etwa 30 Prozent der Besucherinnen und Besucher nicht getauft. Deshalb müsse sich die Kirche fragen, wie sie Gottesdienste und kirchliches Leben so gestalten könne, dass sich auch Menschen angesprochen fühlten, die der Kirche fernstehen.

Für Koch liegt die Zukunft der Kirche deshalb vor allem im Kontakt mit den Menschen. Kirche dürfe nicht darauf warten, dass Menschen zu ihr kämen. „Wir sind zu den Menschen gesandt“, sagte er. Es gehe nicht nur darum, den Glauben zu verkünden, sondern das Leben mit den Menschen zu teilen. Aus konkreter Hilfe könne Beziehung entstehen – und daraus vielleicht auch Glauben. Die Aufgabe der Kirche sei es, einladend zu sein, Zeichen zu setzen und erkennbar zu bleiben.

Kochs Besuch in der Lichtkirche zeigte weniger eine Kirche im Rückzug als vielmehr eine Kirche, die neue Wege sucht: offen für Gespräche, nah an den Menschen und überzeugt davon, dass Glauben vor allem durch persönliche Begegnungen wächst.