Grevenbroich/Rommerskirchen: Patronate für die künftigen Groß-Gemeinden ermittelt
10.08.2026
Die Seelsorgebereiche der Pastoralen Einheit Grevenbroich/Rommerskirchen haben die Patronate ihrer künftigen Groß-Gemeinden ermittelt. „Es war echt eine schöne Sache“, so Dr. Meik Schirpenbach, der leitende Pfarrer.
Sein Eindruck von der Entscheidungsfindung ist sehr positiv: „Wir waren uns von Anfang an einig, die Sache auf eine breite Basis zu stellen. Die Rückmeldung von Gemeindemitgliedern per Postkarte oder Mail hat uns überwältigt. Viele haben sich intensiv Gedanken gemacht. Wir haben dann in einer Gruppe aus PGR- und KV-Leuten eine Vorauswahl von fünf Namen für jeden Seelsorgebereich getroffen.
Auf den vier Gemeindeversammlung wurden diese ausführlich vorgestellt. Dann ging es nicht in eine Abstimmung nach Mehrheitsprinzip, sondern im Sinne des von Papst Franziskus angestoßenen synodalen Prozesses ging es in den intensiven Austausch sowohl in Kleingruppen als auch im Plenum. Nach etwa zwei Stunden konnten dann zwischen den zwei verbliebenen Heiligen entschieden werden, aber so, dass jeder gut mit dem Ergebnis mitgehen konnte.
Für mich war das ein intensives Geistereignis – sehr harmonisch, offen, nachdenklich und von inhaltlichen Überlegungen bestimmt. Von außerhalb (auch aus dem Generalvikariat) wurde uns gesagt: Ihr macht das viel zu aufwändig, und das dauert zu lange. Ich bin froh, dass wir es so gemacht haben. Es war für alle Beteiligten ein intensives Erlebnis, wie ein Miteinander auch über die einzelnen Gemeinden gelingen kann. Zuhören und versuchen, den Anderen ernst und mit zu nehmen. Endlich über Inhalte und nicht bloß über Strukturen und Organisationsfragen reden – das mach uns zuversichtlich für das, was vor uns liegt.“
Die Pfarrpatrone der vier künftigen Kirchengemeinden in der Pastoralen Einheit Grevenbroich/Rommerskirchen auf einen Blick:
Vollrather Höhe: St. Willibrordus und Gefährtinnen (658-739)
Der heilige Willibrord hat auf dem Gebiet des heutigen Grevenbroichs glaubensvertiefend und die Seelen befreiend gewirkt, namentlich innerhalb der Pfarre Neuenhausen. Am dortigen Welchenberg hat er eine Quelle hinterlassen, den Willibrordusbrunnen. Als Gründer des Bistums Utrecht verbindet er das Rheinland mit seinen niederländischen Nachbarn. Sein Grab befindet sich in Echternach, wo ihm zu Ehren die Springprozession veranstaltet wird, bis heute ein fröhliches Glaubensfest.
Willibrord gehört zu einer großen, gutvernetzten Gruppe von iro-schottischen und angelsächsischen Wandermönchen, die vor Ort mit der bereits christlichen Oberschicht sowie lombardischen Mönchen intensiv kooperierten (niederländisch: „De heiligen van Wintershoven“). Mit den „Gefährtinnen“ möchten wir namentlich an die heilige Irmina von Trier und Gertrud von Nivelles erinnern. Das soll zum Zusammenwirken vor Ort ermutigen. Willibrord wirkte grenz- und kulturüberschreitend, begriff sein Leben als Pilgerschaft, knüpfte bei dem an, was er vor Ort vorfand und entwickelte es weiter. Seine Weite, in der Glaubenstiefe begründet, und seine kooperierende Vermittlung des Evangeliums inspirieren bis heute. In einer Zeit von Künstlicher Intelligenz und fortschreitender Digitalisierung aller Lebensbereiche steht Willibrord für die Auseinandersetzung mit der unmittelbar gegebenen Wirklichkeit und die menschliche Begegnung.
Rommerskirchen: St. Hildegard von Bingen (1098-1179)
Zu Lebzeiten der heiligen Hildegard blühte das kirchliche Leben am Gillbach auf. Zahlreiche bauliche Spuren haben sich aus dieser Zeit an vier Kirchen erhalten. Hildegard besuchte auf ihren Predigtreisen Köln. Sie war Prophetin, deren Reichweite viele erst heute verstehen. Sie fand für ihre Glaubenserfahrungen eine eigene Sprache. Ihre reiche, inspirierende schriftliche Hinterlassenschaft steht für ein ganzheitliches Christentum, das sich in den folgenden Jahrhunderten im Westen vielfach verengte.
In tiefer Verbundenheit mit Gott und Schöpfung durchschaute sie umfassende ökologische Zusammenhänge, deren Bedeutung den Menschen gerade im ländlichen Raum immer bewusster wird. Alles steht für sie von Gott her in Einheit und Beziehung. Gott und Welt, Leib und Seele, alles ist Leben und im Gleichgewicht. Hildegard inspiriert, in diese Richtung das heutige Christentum zu bekennen und zu leben, um aus den Sackgassen der Zivilisation herauszufinden. Hildegard war mutig, predigte vor Kaisern, Bischöfen und Päpsten. Mit diesem Mut und dieser Offenheit möchten die Gläubigen ihrer heutigen Welt begegnen.
Niedererft: Heilige Gertrud von Helfta (1256-1301/2)
Gertrud lebte als Zisterzienserin im Kloster Helfta am Rand von Eisleben in Sachsen-Anhalt. Als eine der bekanntesten Mystikerinnen Deutschlands trägt sie den Beinamen „die Große“. Sie verband ihren geistlichen Tiefgang mit handfester Menschenkenntnis, wurde vielen zur Begleiterin und baute das Kloster zu einem der geistlichen Zentren des deutschen Sprachraums aus. Den Begriff der „Exerzitien“ oder der „Geistlichen Übungen“ prägte sie wesentlich. Sie steht für den inneren Halt, den die Menschen heute so sehr brauchen.
Da Eisleben der Geburts- und Sterbeort Martin Luthers ist, hat sie auch eine hohe ökumenische Bedeutung. Das nach der Wende 1989 von den Zisterzienserinnen wiederbelebte Kloster steht in enger Verbindung mit dem Kloster Langwaden. Es ist ein Hoffnungszeichen für die Christen in Sachsen-Anhalt.
Elsbach/Erft: Katharina von Alexandrien (um 300)
Sie war die Patronin des 1298 gegründeten Wilhelmitenklosters in Grevenbroich, dessen Kirche den älteren Teil der heutigen Pfarrkirche St. Peter und Paul bildet. Sie stammt der Überlieferung nach aus Zypern und erhielt als wissensdurstige und neugierige junge Frau eine philosophische Ausbildung in der damaligen internationalen Metropole Alexandrien. Durch die Begegnung mit einem Einsiedler aus dem damals entstehenden ägyptischen Mönchtum wurde sie Christin. Ihren Glauben verteidigte sie gegenüber ihren gebildeten Kritikern. Sie steht für das Zusammenspiel von Glaube und Wissenschaft und starb als Märtyrin.
Immens ist ihre Wirkungsgeschichte: Sie steht für die Verbindung der Kulturen rund ums Mittelmeer bis nach Deutschland. Ihr Grab befindet sich im Katharinenkloster auf dem Sinai, wo der brennende Dornbusch stand, welches eine heilige Stätte für Christen, Muslime und Juden ist. Kirche und Moschee stehen dort nebeneinander. So steht ihr Name für die Begegnung von Christen und Muslimen, die man vor Ort immer stärker erfährt. Als Patronin von Universitäten wie in Paris fordert sie die Christen heraus, über ihren Glauben Rechenschaft zu geben und ihn mit innerer Weite in die Sprachen der Zeit zu übersetzen.