Herbergssuche reloaded: Nikolauskloster organisiert Marientragen

Die schwangere Maria - eine Kopie aus Peru - wird rund ums Nikolauskloster getragen.
Die schwangere Maria - eine Kopie aus Peru - wird rund ums Nikolauskloster getragen.
Täglich werden wir in den Medien von Flüchtlingskatastrophen verfolgt. Und schon längst spielen sich diese Tragödien nicht mehr in fernen Ländern ab. Tausende Syrer, Eritrea oder Afghanistan haben oftmals eine lebensgefährliche Flucht hinter sich, erlebten Leid und Ablehnung und suchen nun bei uns um die Ecke in Turnhallen oder Zeltstädten eine Schlafgelegenheit, um sich von den Strapazen zu erholen. Jetzt noch als Flüchtling hochschwanger zu sein, wäre denkbar ungünstig.
 
Doch auch diese ungünstige Situation ist Realität – und war es bei der Gottesmutter Maria. Jene musste kurz vor ihrer Niederkunft aus politischen Gründen nach Judäa aufbrechen. Doch auch ihr wird, ähnlich wie manchem Flüchtling, trotz ihres Zustandes kein Dach in der Herberge gewährt. So muss sie mit einem Stall in Bethlehem vorlieb nehmen, in der Jesus geboren wird.
„Auf dem Weg zu sein und Ablehnung zu erfahren, das sind urmenschliche Erfahrungen“, erklärt Pater Felix Rehbock, Rektor des Nikolausklosters der Oblatenmissionare bei Glehn. „Gerade in dieser Zeit ist diese biblische Geschichte von der Herbergssuche greifbar nahe. Allerdings wollen wir dem mit unserem Marientragen einen Gegenpunkt setzen – Herbergssuche reloaded, sozusagen.“
 
In der Tat braucht die schwangere Marienfigur in der Dammer Gegend im Advent nicht mehr im Regen oder gar Schnee übernachten. Der Oblatenmissionar erzählt, wie das Konzept des Marientragens funktioniert: „Eine Familie holt die Marienfigur bei einer anderen Familie ab. Dabei gibt es die Möglichkeit, eine kleine Gebetseinheit passend zum Advent zu halten. In der Regel gibt es bei den Gastgebern ein leckeres Abendessen. Am nächsten Tag empfängt man dann selbst Gäste, die der Schwangeren eine neue Herberge für eine Nacht ermöglichen.“
 
So einfach sich das Konzept anhört, umso ergreifender ist die Erfahrung. Pater Felix: „Viele Menschen haben mir berichtet, dass sie durch das Marientragen die Adventszeit viel intensiver wahrgenommen haben als Vorbereitung auf Weihnachten.“ Allein schon durch das Empfangen werden, selbst Empfangen und das gemeinsame Beten mit unbekannten Menschen, so der Ordensmann, baue sich eine besondere Atmosphäre der Gemeinschaft auf. „Ich werde willkommen geheißen und darf ein paar Stunden am Leben einer anderen, mir bis dahin fremden Familie teilhaben. Diese Erfahrung machen wir nicht oft.“ Das gemeinsame Essen bestärke zusätzlich diese Willkommenskultur. „Letzten Endes werde ich beim Marientragen beschenkt mit der Liebe von Weihnachten“, schlussfolgert der Oblate.
 
Beginn des Marientragens ist am ersten Adventssonntag, 29. November. Ab dann „tourt“ die schwangere Marienfigur von Familie zu Familie, bis sie pünktlich am Heiligen Abend wieder in der Kirche des Nikolausklosters quasi zur Entbindung ankommt. Damit die Organisation entsprechend funktioniert, wird ein Plan der Gastfamilien ausgearbeitet. Wer Lust bekommen hat, an dieser besonderen Art der Vorbereitung auf Weihnachten teilzunehmen, meldet sich im Nikolauskloster unter der Telefonnummer 0 21 82/82 99 60.