„Hungertücher zu Tragetaschen“: Messdiener aus Wevelinghoven realisieren tolle Recycling-Idee

Kunterbunte Kunstwerke entstehen in der Pfarrgemeinde St. Martinus in Wevelinghoven aus alten Misereor-Hungertüchern. Foto: TZ

„Schwerter zu Pflugscharen“ heißt es beim alttestamentarischen Propheten Micha. „Hungertücher zu Tragetaschen“ lautet die Devise in der Pfarrgemeinde St. Martinus in Wevelinghoven. In der Sakristei der dortigen Kirche stapelten sich die Misereor-Hungertücher von 1976 an. Manche lagen da gleich auch in doppelter und dreifacher Ausführung. Aber wohin damit? Und dann kam einigen Messdiener-Müttern eine tolle Recycling-Idee.„Ich kann so schlecht etwas wegwerfen und hab den ganzen Stoffberg einfach erst einmal mit nach Hause genommen“, erzählt Katrin Coro. Gemeinsam mit ihren Weggefährtinnen Sonja Napret und Stefanie Bielstein kam sie dann nach langem Überlegen auf den rettenden Einfall: Tragetaschen sollten aus den Hungertüchern geschaffen werden – Tragetaschen, die nicht nur wegen ihres ungewöhnlichen Aussehens gefallen, sondern auch nützlich im Alltag sind und einen Kontrapunkt setzen zu den Plastiktüten, die die Weltmeere vermüllen.

Gesagt, getan: Da Sonja Napret im Ortskern an der Poststraße ein Schreibwaren- und Geschenkartikel-Geschäft mit großem Tisch und Nähmaschinen betreibt, war die Suche nach einem geeigneten Raum zur Herstellung schnell gelöst. Und auch der Rahmen der Aktion fand sich ohne Problem: Die Messdiener von St. Martinus treffen sich regelmäßig an Nachmittagen zu Spiel und Spaß und waren froh über die neue Abwechslung im Programm. Unter Anleitung mehrerer Mütter schnitten und nähten die Ministranten Tragetaschen aus Misereor-Hungertüchern, was das Zeug hielt. Und bald war der Stoffberg aufgebraucht. Insgesamt 140 Taschen entstanden aus der bedruckten Baumwolle, die stabil genug ist, um darin auch mittelschwere Waren nach Hause bringen zu können. Fast alle Taschen sind schon verkauft. „Ich bin immer noch fasziniert davon, wie das eingeschlagen ist“, sagt Maria Albini, Gemeindereferentin im katholischen Sendungsraum „Grevenbroich/Rommerskirchen“.Wer gedacht hat, damit sei die Geschichte zu Ende, sieht sich getäuscht. Nachdem die Wevelinghovener Hungertücher komplett verarbeitet worden waren, fragte Albini in zahlreichen Nachbargemeinden nach weiteren entbehrlich gewordenen Textilien dieser Art. „Jede Pfarrei hat doch meist noch Berge davon in den Schränken liegen“, so die Theologin.Die Resonanz ließ nicht lange auf sich warten. Inzwischen ist das Lager wieder gut gefüllt, und neue Pläne sind entstanden. Jetzt wollen die Messdiener und die engagierten Mütter auch Rucksäcke und Gebetbuch-Hüllen aus den alten Hungertüchern herstellen. Anhand eines Faltblatts, auf dem alle Hungertücher zu sehen sind, können die Kunden entscheiden, aus welchem Kunstwerk ihre Tragetasche, ihr Rucksack oder ihre Gebetbuch-Hülle angefertigt werden soll. Nähere Informationen unter Telefon (0 21 81) 7 11 34.