Katholische Bekenntnisgrundschulen vor dem Aus?

Stehen die katholischen Bekenntnisgrundschulen in Nordrhein-Westfalen vor dem Aus? Eine verklausulierte Ausführung von Dr. Burkhard Kämper, kommissarischer Leiter des katholischen Büros in NRW, beim „Samstagsforum“ des KKV in Kaarst lässt zumindest aufhorchen. Man befinde ich in einem Gesprächsprozess mit der Landesregierung, um die „Rechtslage der Realität anzupassen“. Mehr wollte Kämper auch auf Nachfrage nicht preisgeben.
 
Bekenntnisschulen haben in Nordrhein-Westfalen Verfassungsrang. Artikel 12 der Landesverfassung nennt für die Grundschule drei verschiedene Schulformen: Bekenntnisgrundschulen, Gemeinschaftsgrundschulen und (praktisch kaum bedeutsame) Weltanschauungsschulen.
 
In Bekenntnisschulen werden Kinder nach den Grundsätzen des betreffenden Bekenntnisses unterrichtet und erzogen. Oft gibt es eine enge Verbindung zur örtlichen Pfarrgemeinde.
In Gemeinschaftsschulen hingegen werden die Schülerinnen und Schüler „auf der Grundlage christlicher Bildungs- und Kulturwerte“ in Offenheit für diverse religiöse und weltanschauliche Überzeugungen unterrichtet. Ob und in welchem Umfang christliches Gedankengut oder religiöse Traditionen (wie etwa das Martinsfest) in der Schule einen Platz finden, hängt meistens vom Einzelfall ab.
 
Gerade bei den Eltern schulpflichtiger Kinder sind Bekenntnisgrundschulen außerordentlich beliebt. Vielerorts ist die Nachfrage höher als das Angebot – und das über die Konfessionsgrenzen hinweg. Sogar einige muslimische Familien wünschen lieber eine christliche Erziehung ihrer Kinder als Unterricht ohne jeden Gottesbezug.
Gleichwohl stößt diese Schulform auch auf Kritik – nicht nur wegen der staatlichen Vollfinanzierung. So führen die gesetzlichen Regelungen zur Aufnahme an Bekenntnisschulen mitunter dazu, dass Kinder eines anderen Bekenntnisses nicht aufgenommen werden und weite Wege zu einer anderen Schule zurücklegen müssen. Auch die verschärften Anforderungen an das Lehrpersonal sind Gegenstand von Kritik.
 
So kam es in den vergangenen Jahren verstärkt zur Umwandlung von (katholischen) Bekenntnisschulen in Gemeinschaftsschulen – vor allem in Neuss, wo aber noch 9 von 24 Schulen katholisch sind. Örtliche Pfarrer begleiteten dies nicht selten mit Wohlwollen. „Ich bin für eine sinnvolle Reduzierung der katholischen Grundschulen“, sagte etwa der frühere Neusser Stadtdechant Jochen Koenig im Jahr 2004.
 
Werden Bekenntnisschulen bald ganz aus der Schullandschaft verschwinden? Hat religiös geprägter Unterricht ausgedient? Die Redaktion katholisch-im-rhein-kreis-neuss.de wird weiter recherchieren und auch die Fraktionen im nordrhein-westfälischen Landtag um eine Stellungnahme bitten.