Kinder regieren eine Stadt – und haben Ärger mit der städtischen Bürokratie

Kinder regieren eine Stadt – und haben Ärger mit der städtischen Bürokratie
„Lass das mal die Kinder machen“ – unter diesem Motto lebten in der vergangenen Woche rund 200 Kinder in einer Kinderstadt, welche die Katholische junge Gemeinde (KjG) im Erzbistum Köln in der Elmar-Frings-Sporthalle im Schulzentrum an der Bergheimer Straße in Neuss aufgebaut hatte.
 
Die KjG-Kinderstadt ist ein Herbstferien-Programm für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren. Die Kinder gestalten ihre eigene Stadt, arbeiten in Betrieben wie der Holz-Werkstatt, Zeitungsredaktion oder Pizzeria, besuchen die Musikschule, verdienen ihr eigenes Kinderstadt-Geld („Tacken“), sie haben ihre eigenen Gesetze, wählen den Bürgermeister und leben ihre eigenen Visionen. In dem Projekt erleben die jungen Menschen hautnah, was Demokratie, Wahlen, Steuern bedeuten und welche Auswirkungen diese Dinge auf das gemeinschaftliche Zusammenleben haben.
Die Hochzeit des Bürgermeisters, ein Brand im Kirchturm oder heftige Parlamentsdebatten über zu hohe Kosten für das Arbeitslosengeld – beinahe alle Geschichten, die das wirkliche Leben schreibt, kommen auch in der Kinderstadt vor. Für manch erwachsenen Betrachter mag es erstaunlich sein, mit welchem Problembewusstsein auch kleine Kinder an das Leben herangehen und versuchen, die Herausforderungen, die in einem Gemeinwesen zwangsläufig entstehen, zu meistern.
 
Organisiert wird die KjG-Kinderstadt alle drei Jahre vom Diözesanverband der KjG im Erzbistum Köln. Sie stellt auch die rund 100 Betreuerinnen und Betreuer, die fast alle ehrenamtlich arbeiten. Manch ein Erwachsener nahm sich sogar Urlaub, um an der Maßnahme mitzuwirken.
 
Mit der Bürokratie einer Stadt kam das Kinderstadt-Projekt jedoch nicht nur im eigenen Einwohnermeldeamt in Berührung: Für Ärger in der sorgte nämlich ein nach Angaben der Verantwortlichen erst kurzfristig erlassener Verwaltungsgebührenbescheid der Stadt Neuss über rund 550 Euro. Mehr als 3.000 Euro mussten die Organisatoren zudem für die Anschaffung von neuen Messebauwänden ausgeben. Alte, bereits vorhandene Stellwände durften aufgrund der Neusser Brandschutzbestimmungen nicht verwendet werden, so die Projektleitung.
Beim „Staatsempfang“ für Vertreter von Politik, Kirche und Medien rief die KjG zu Spenden auf, um diese erheblichen Mehrkosten zu decken. Bürgermeister Reiner Breuer blieb der Veranstaltung fern und bekam nicht mit, welche Auswirkungen das Handeln seiner Verwaltung auf solche Projekte hat.
 
Weitere Informationen unter: http://kinderstadt.kjg-koeln.de/