Neujahrsempfang des Katholikenrates: Kirchtürme müssen über sich hinausweisen

Neujahrsempfang des Katholikenrates: Kirchtürme müssen über sich hinausweisen
Der Neujahrsempfang des Katholikenrates hat seinen festen Platz im Geschehen von Stadt und Kreis Neuss. So kamen auch gestern wieder mehr als 100 Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft im Kloster Immaculata zusammen.
 
Nach der Feier der Heiligen Messe folgte der Festakt, bei dem Pfarrer Dr. Meik-Peter Schirpenbach zum Thema „Sendungsraum Grevenbroich-Rommerskirchen: Pastoraler Wahnsinn oder Chance für das Evangelium?“ sprach. Er forderte eine radikale Abwendung vom jahrzehntelang praktizierten Modell der priesterfixierten Gemeinde, bezeichnete das Prinzip „Ein Pfarrer – eine Gemeinde“ gar als historischen Fehler. Vieles, was in solchen Gemeinden geschehe, sei nicht nachhaltig. Sie wirkten oft als geschlossener Verein, strahlten wenig Freude aus.
Stattdessen plädierte der Geistliche für eine stärkere Fokussierung auf das Wesentliche, den Glauben an die Auferstehung Jesu Christi. Er forderte ein neuartiges Kirchturmdenken, und zwar in dem Sinne, dass Kirchtürme über sich selbst hinausweisen müssten. Alle Getauften seien Vertreter der Kirche, dazu bestimmt, den Glauben nach draußen zu tragen und sich – auch außerhalb der Gemeinden – zu engagieren. Als aktuell größte Herausforderung bezeichnete der Pfarrer, der selbst alle Wege mit dem Fahrrad zurücklegt, den Klimawandel. Religiöse Menschen hätten das Potenzial, dazu eine Haltung zu entwickeln und die Probleme zu lösen.
Der erfrischende, in Teilen provokative Vortrag Schirpenbachs rief Nachfragen hervor und bot Gelegenheit, das Gesagte in Diskussionen zu vertiefen.
 
Im Zuge des Neujahrsempfangs kündigte Jutta Köchner, die Vorsitzende des Katholikenrates, an, dass in diesem Jahr wieder der Hermann-Straaten-Preis vergeben werde. Mit dieser Auszeichnung würdigt der Katholikenrat Beispiele gelungenen Engagements in katholischen Gemeinden und Verbänden.