Caritas bietet Kurberatung an: Wenn Mütter am Ende ihrer Kräfte sind

Caritas-Kurberaterin Gabi Mitschke (links) erläutert einer ratsuchenden Mutter und deren Tochter die Angebote. Foto: Peter Wirtz

Ausgebrannt, körperlich und seelisch erschöpft, oft überfordert, häufig krank – nicht wenige Mütter stoßen gesundheitlich an ihre Grenzen. Unter der Corona-Pandemie hat sich die Situation für viele noch verstärkt: „Der Spagat zwischen Homeoffice und Homeschooling hat vor allem die Mütter an ihre Belastungsgrenze gebracht“, berichtet Gabi Mitschke, Kurberaterin beim katholischen Caritasverband im Rhein-Kreis Neuss. Seit 1995 hört sie Frauen – und inzwischen auch immer häufiger Männern – zu, berät sie und hilft dabei, eine Kur über das Müttergenesungswerk zu organisieren.

Rund 350 Erstgespräche führt die Caritas-Kurberaterin pro Jahr. „Dabei wird ausgelotet, ob eine Kur überhaupt die richtige Lösung ist“, erklärt Mitschke. In einigen Fällen vermittelt die Kurberaterin die Betroffenen auch an die Erziehungsberatung oder die allgemeine Sozialberatung der Caritas weiter. Der Beratungsbedarf ist auf jeden Fall groß und hat unter Corona noch einmal zugenommen. Das gilt aber nicht für die vermittelten Kuren: „Viele Kurheime mussten monatelang schließen und dürfen auch jetzt nur 60 Prozent ihrer Plätze belegen“, schildert Mitschke die schwierige Situation. Es kam zu einem Rückstau an geplanten Kuren, der sich erst nach und nach auflösen wird. Hinzu komme die Sorge, ob überhaupt alle Kurhäuser die Pandemie überleben werden.

Normalerweise vermittelt Gabi Mitschke rund 80 bis 100 Kuren im Jahr, unter Corona waren es 15 bis 20. Eine fatale Entwicklung, zumal der Bedarf deutlich steigt: Sehr viele Mütter sagen: „Ich kann nicht mehr.“ In der Regel dauert es rund sechs Monate vom Erstgespräch bis zum Antritt einer Kur. „Je flexibler die Frauen sind, was die Zeit und den Ort der Kur betrifft, desto besser.“ Dennoch achtet die Beraterin sehr darauf, jeweils die passende Kurklinik des Müttergenesungswerks zu finden. „Es gibt in Deutschland rund 80 Kurhäuser für Mütter und Kinder und sechs nur für Mütter und jedes Haus hat seinen besonderen Schwerpunkt“, heißt es. Dazu gehören zum Beispiel Atemwegserkrankungen, Diabetes, Migräne, Krebs, aber auch Angsterkrankungen, Trauerbegleitung oder ähnliches.

Ziel jeder Einrichtung ist es, dass die Betroffenen in den drei Wochen Kur zur Ruhe kommen, entspannen, gesund werden und ihre Psyche stärken, um ihren Alltag anschließend besser bewältigen zu können. In der Regel wird eine Kur alle vier Jahre von der Krankenkasse übernommen. Voraussetzung ist allerdings, dass ein ärztliches Attest vorliegt und die Kinder nicht älter als zwölf Jahre alt sind.

Die kostenfreie Kurberatung der Caritas steht grundsätzlich allen Müttern, Vätern und pflegenden Angehörigen offen. Nach telefonischer Terminabstimmung folgt ein ausgiebiges Beratungsgespräch in der Beratungsstelle in Dormagen. Auf Wunsch sind aber auch Beratungen per Video, online oder am Telefon möglich.