Dormagen-Nord: Gremien bitten Vatikan um Apostolische Visitation

Im Schatten von St. Pankratius in Nievenheim ist ein Brief an den Vatikan mit der Bitte um eine Visitation entstanden.

In einem Brief an den Vatikan haben die Gremien im Seelsorgebereich Dormagen-Nord um eine Apostolische Visitation des Erzbistums Köln gebeten. Adressat ist Kardinal Marc Ouellet, der Präfekt der Kongregation für die Bischöfe. Das Schreiben im Wortlaut: 

"Eminenz, sehr geehrter Herr Kardinal Ouellet, die Krise der katholischen Kirche im Erzbistum Köln weitet sich von Tag zu Tag immer weiter und immer dramatischer aus.  Katholische Christinnen und Christen sind entsetzt über die zum Himmel schreienden Ereignisse der letzten Wochen und Monate.

  • Mit der Ablehnung der Veröffentlichung des Gutachtens der Rechtsanwaltskanzlei Westphal, Spilker, Wastl seit vergangenen März begehen die Verantwortlichen eine Vertuschung sondergleichen. Sie steht im Widerspruch zu der von der Bistumsleitung versprochenen Aufklärung des systemischen Umgangs mit  Missbrauchsfällen. Es entsteht der Eindruck, dass der Kölner Kirchenleitung nicht genehme Ergebnisse verheimlicht werden sollen.

  • Durch die Nicht-Veröffentlichung von Namen der Täter, durch den Schutz derjenigen, die den Missbrauch gedeckt haben, kommen die Opfer nicht zur Ruhe. Sie mussten jahrelang Missbrauch ertragen, leiden ihr Leben lang unter den Folgen und erleben nun durch diese Vertuschung eine sich fortführende Traumatisierung.

  • Die Opfer werden zudem instrumentalisiert, weil sie dazu gebracht wurden, sich gegen eine Veröffentlichung auszusprechen, ohne dass ihnen Einsicht in das Gutachten gewährt wurde.

  • In gewissen Kreisen wird durch diese Vertuschung von höchster Stelle ein Klima des Hasses erzeugt, die Menschen dazu bringt, Opfer zu verunglimpfen.

  • Priester, die berechtigte Kritik an dieser Vertuschung üben, werden mit Sanktionen bedroht.

Diese paternalistische Haltung der Kirche gegenüber Betroffenen und Kritikern macht die Gläubigen ratlos und vor allem sprachlos. Sie können in den Gemeinden nicht mehr auf die Frage antworten, warum sie „immer noch einem solchen Verein angehören“. Sie können ihren Kindern und Enkeln nicht erklären, warum die Botschaft Jesu von Nächstenliebe und Barmherzigkeit und einer den Menschen zugewandten Haltung von der Bistumsleitung nicht vorbildhaft gelebt wird. Sie können Diskussionen in den Pfarreien nichts mehr entgegensetzen, da die Kirche als moralische Instanz versagt hat.

Nicht das Evangelium steht in diesen Tagen in der Mitte der kirchlichen Botschaft, nicht Gottes Liebe zu den Menschen, nicht die Wahrheit, sondern Vertuschung und Schweigen.

Mitten in der Corona-Pandemie ist die Kirche mit sich selbst beschäftigt anstatt den Gläubigen Orientierung zu geben sowie Hilfe und Unterstützung zu sein. Die Kirche hat durch das Verhalten der Bistumsleitung gegenüber den Betroffenen ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Es ist eine beispiellose Vertrauenskrise, die die Gläubigen im Erzbistum Köln in große Verzweiflung stürzt. Sie können sich immer weniger mit den Entscheidungen, mit den Aussagen oder besser den Nicht-Aussagen der Bistumsleitung identifizieren. Sie sind zutiefst erschüttert, denn sie sehen unter diesen Voraussetzungen keine Zukunft für die Kirche im Erzbistum Köln. Viele Gläubigen leiden und können nicht anders als nach Hilfe schreien.

Das Vertrauen ist nachhaltig zerstört. Eine fruchtbare, gedeihliche pastorale Zusammenarbeit zwischen dem Erzbischof und dem Volk Gottes des Erzbistums Köln ist auf Dauer nicht vorstellbar. Unabhängig von der Entwicklung der nächsten Wochen haben wir die große Sorge, dass der Riss im Bistum kaum mehr zu kitten ist.

Deshalb bitten die Unterzeichner eindringlich um eine Apostolische Visitation. Es bedarf einer externen Betrachtung und Begutachtung der Probleme. Wir bitten Sie, Eminenz, darum, dass Sie bei einer Visitation nicht nur die Bistumsleitung hören, sondern dass auch die Missbrauchsopfer und eine Delegation von Gläubigen der Gemeinden zu den Problemen und Sorgen im Erzbistum Stellung beziehen dürfen.

In der Hoffnung, dass Sie das Leid der Betroffenen und derer, die sich mit ihnen solidarisieren und all jener, die unter der momentanen Situation im Erzbistum Köln nach Lösungen suchen, nachvollziehen können, warten wir auf Ihre Antwort. Bitte handeln Sie schnell und unverzüglich, denn das Heil der Seelen der Gläubigen ist in großer Gefahr."