Erklärung veröffentlicht: Kaplan Lambertz bat um Entpflichtung vom Priesterdienst

Möchte nicht mehr Priester sein: Kaplan Sebastian Lambertz.

In einer Erklärung an die Seelsorgebereiche „Neusser Süden“ und „Rund um die Erftmündung“ hat Kaplan Sebastian Lambertz erläutert, dass er den Erzbischof um seine Entbindung vom Priesterdienst gebeten hat, um eine Frau heiraten zu können. Der Text im Wortlaut:

„Meine Lieben! Ende Juni habe ich mich nach drei Jahren priesterlichem Dienst von meinen Gemeinden in Neuss verabschiedet. Ich habe gerne den Auftrag meines Bischofs erfüllt, der mir vor anderthalb Jahren als Pfarrstellvertreter und später Pfarrverweser die Leitung der acht Pfarrgemeinden im Süden der Stadt Neuss anvertraut hatte. Mit meiner Verabschiedung bin ich froh, diese Aufgabe erfüllt zu haben. Es waren anderthalb Jahre, in denen ich nach dem plötzlichen Weggang des Pfarrers manche Hürde bewältigen musste. Manches Mal habe ich mich an mein Weiheversprechen erinnern müssen, in dem ich meine Bereitschaft ausgedrückt hatte, ,unter der Führung des Heiligen Geistes die Gemeinde des Herrn umsichtig zu leiten‘ (aus der Weiheliturgie).

Vor acht Jahren habe ich dieses Versprechen gegeben, meinem Bischof Ehrfurcht und Gehorsam in die Hand versprochen und zugesagt ,mich mit Christus dem Herrn von Tag zu Tag enger zu verbinden und so zum Heil der Menschen für Gott zu leben‘, wie es in der Weiheliturgie weiter heißt. Ich konnte aus der tiefen Überzeugung meines Herzens Ja sagen zu diesem Schritt und meiner Bereitschaft, mich ganz in den Dienst Christi und seiner Kirche nehmen zu lassen.

Heute schaue ich zurück auf ein Jahr der Prüfung, in dem ich in vielen Gesprächen und im Gebet erkennen musste, dass ich mein damals gegebenes Versprechen nicht halten möchte. Ich muss mir und Euch eingestehen, dass ich zu der Erkenntnis gelangt bin, dass der Herr mich zu etwas Anderem ruft. Ich habe deshalb Kardinal Woelki gebeten, mich vom priesterlichen Dienst zu entbinden. Ich danke ihm sehr für die väterliche Sorge, mit der er mir im Gespräch begegnet ist und dem Generalvikar und den Personalverantwortlichen für die gute Begleitung in den vergangenen Wochen.

Meine Liebe zur Kirche ist ungebrochen. Ich bejahe nach wie vor zutiefst, was die Kirche lehrt und feiert. Ich empfand es auch als den einzig anständigen Weg, meinen Dienst in Neuss bis zum Tag meiner Verabschiedung zu Ende zu bringen. Ich habe mich aber in den vergangenen Monaten geprüft und habe erkannt, dass ich mein Versprechen, ein Leben nach dem evangelischen Rat der Ehelosigkeit zu leben, nicht halten möchte. Gleichwohl erkenne ich nach wie vor die Sinnhaftigkeit der Ehelosigkeit um des Himmelreiches Willens. Ich weiß, dass meine Liebe zu einer Frau die Exklusivität meiner Christusbeziehung einschränkt und ich sie damit nicht an die erste Stelle stellen könnte, wie es die zölibatäre Lebensform unbedingt erfordert.

Das habe ich in den vergangenen Monaten gespürt und musste deshalb auch konsequent sein – so wie ich es auch von anderen erwarten würde. Besonders mit Euch, liebe Mitbrüder, fühle ich mich weiter verbunden, die ihr wahrhaftig und entschlossen diese Form der besonderen Christusnachfolge lebt. Ich habe vor Euch größten Respekt. Ich ahne, dass manche von Euch meine Entscheidung nicht verstehen werden. Ich wünsche mir aber inständig, dass unsere innere Verbindung und die Freundschaft auch weiterhin bestehen kann.

Seit meiner Diakonenweihe am 3. Juni 2012 ist mir der Dienst der Verkündigung anvertraut gewesen. Ich habe in der Verkündigung immer Wert daraufgelegt, Menschen zur Wahrhaftigkeit zu ermutigen. Das gilt auch für mich selbst, ich möchte vor Gott wahrhaftig leben. Deshalb werde ich jetzt selbst diesem Anspruch gerecht, wenn ich diesen Schritt gehe. Ich bin nicht bereit, mich zu verstecken, mit dem was ich empfinde und als richtig erkannt habe. Und ich habe in den vergangenen Monaten im Reden, Schweigen und Hären erkannt, wohin Gott mich jetzt stellt.  

Ich weiß, dass diese Nachricht heute für die meisten von Euch eine große Überraschung darstellt und ahne, dass ich Menschen, die mir viel bedeuten, damit enttäuschen werde. Ich hoffe so sehr, dass es nicht den Glauben infrage stellt, der uns gemeinsam trägt. Mir ist bewusst, dass mich durch die ganzen Jahre des Studiums und im Dienst viele Menschen im Gebet und durch ihre Sympathie getragen haben und persönliche Opfer in Kauf genommen haben. Schmerzhaft ist mir auch bewusst, dass ich meiner lieben Familie und meinen engen Freunden gerade in den vergangenen Wochen viele Sorgen bereitet habe. Für jede empfundene Verärgerung und Enttäuschung bitte ich Euch aufrichtig um Verzeihung!

Gleichzeitig bin ich aber so dankbar, dass mir meine Familie und Freunde in dieser Zeit völlig unbedingt zur Seite stehen. In den letzten Wochen habe ich in mir eine große Sorge wachsen sehen, was diese Tage des Offenwerdens meines Entschlusses betrifft. Ich ahnte, dass ich meinen Bischof damit enttäuschen würde. Mir ist auch bewusst, dass es jetzt Leute geben wird, die meinen Entschluss benutzen werden, um in dieser für unsere Kirche schwierigen Zeit, eine andere Kirche zu fordern. Ich stehe fest zur Kirche, und die Krise dieser Tage ist nicht der Grund, warum ich diesen Entschluss getroffen habe.

Besonders mit Blick auf Sie alle in den Gemeinden in Hilden und Haan, die Sie bis heute davon ausgingen, dass ich ab Herbst Ihr neuer Pastor würde, ahne ich die Enttäuschung und bitte von Herzen um Verzeihung und Verständnis. Schließlich ist mir bewusst, dass durch das Verschweigen dieses Entschlusses in den vergangenen Wochen, Mitbrüder, Gemeindemitglieder, Mitarbeitende und Andere im Nachhinein manche Gespräche und Begegnungen infrage gestellt sehen werden. Ich hoffe, dass mir jeder glauben kann, dass mir dieses Verschweigen nicht leichtgefallen ist, ich es aber für unumgänglich hielt.

Gleichzeitig habe ich in den vergangenen Wochen eine immerzu wachsende Freude empfunden über das, was jetzt kommen wird. Ich darf erfahren, welch großes Geschenk es ist, sich von einem anderen Menschen so geliebt und angenommen zu wissen. Das stärkt mich in diesen Tagen des Abschiedes und Aufbruchs. Ich weiß, dass ich zum Schluss in den Händen Gottes geborgen bin. Und ich hoffe so fest, dass Gott mir meine Fehler und alle Enttäuschung verzeihen wird und mich mit der gleichen Zuversicht beschenken wird, mit der er mich in den vierzig Jahren meines bisherigen Lebens so gut geführt hat.

Am Ende meiner Zeilen bitte ich Euch und Sie alle um Verständnis, dass ich nun erst einmal eine Auszeit nehmen werde, in der ich mich neu sortieren und orientieren kann. Herzlich bitte ich, mir in der kommenden Zeit die notwendige Privatsphäre zu gewähren, die ich in den vergangenen Jahren nicht immer hatte. Ich möchte mit Euch und Ihnen allen im Gebet und in der Sympathie verbunden bleiben. Ich vertraue Euch alle und mich dem Herrn an, der mir Weg, Wahrheit und Leben ist.

Ihr und Euer
Sebastian Lambertz“