Gut besuchter Neujahrsempfang mit dem Generalvikar

Cornel Hüsch (rechts), der Vorsitzende des Kreiskatholikenrats, begrüßte den Kölner Generalvikar Dr. Stefan Heße.
Cornel Hüsch (rechts), der Vorsitzende des Kreiskatholikenrats, begrüßte den Kölner Generalvikar Dr. Stefan Heße.
Den drohenden Zuschusskürzungen für kirchliche Träger öffentlicher Aufgaben gilt es beherzt entgegenzutreten. Diese Auffassung vertrat Cornel Hüsch, der Vorsitzende des Kreiskatholikenrats, beim Neujahrempfang der Laien im Neusser Augustinerinnen-Kloster Immaculata.
 
„Ohne gemeinsame wechselseitige Unterstützung ist das Gemeinwesen nicht zu halten. Dies gilt nicht nur für Zeiten gefüllter Kassen, sondern vielleicht sogar erst recht in Zeiten knappen öffentlichen Geldes“, so Hüsch vor fast 200 Besuchern. Ein Grundpfeiler des deutschen Gesellschaftssystems sei die Subsidiarität. „Subsidiarität bedeutet gerade nicht die Kürzung und den Entzug öffentlicher Mittel für die Erfüllung von Aufgaben, sondern die Weitergabe öffentlicher Mittel an private, auch kirchliche Träger“, hieß es. Dieses Prinzip, das Verfassungsrang genieße, sei auch im Rhein-Kreis Neuss oft zunehmend in Gefahr.
   
Hüsch erinnerte an die große Veranstaltung des Kreiskatholikenrats im Rahmen des Dialogprozesses im Rheinischen Landestheater: „Überwältigend war die positive Resonanz und die Bereitschaft vor allem der einfachen Gläubigen, sich um die Zukunft der katholischen Kirche zu mühen und miteinander ins Gespräch zu kommen.“ Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, „dass bei den deutschen Bischöfen beim Umgang mit Geschiedenen und Wiederverheirateten, aber auch bei glaubensverbindenden Ehen eine Entwicklung erkennbar ist“. Hüsch erinnerte an das Neusser „Augustinus-Forum“, bei dem der Verfassungsrechtler Professor Paul Kirchhof in einem Gespräch mit Erzbischof Robert Zollitsch gemahnt hatte, dass der Kirche nicht unbeschränkt Zeit bleibe, über ihre Positionen nachzudenken und zukunftsfähig zu werden. „Diesem Appell kann man sich auch im Licht der Kirchenaustritte nur anschließen“, so Hüsch. Barmherzigkeit und Nächstenliebe verpflichteten, auch Menschen, deren Lebensentwürfe gescheitert seien, in die kirchliche Gemeinschaft aufzunehmen und ihre Teilhabe nicht unnötig zu erschweren.
 
In der Kirche kommt es nach dem Sprecher der Katholiken nicht auf Macht und Mächtigkeit an, „sondern darauf, jeden als getauften und gefirmten Christen zu akzeptieren und seine Meinung zu respektieren“. Das heiße nicht, dass an Glaubenswahrheiten gezweifelt werde, sagte Hüsch vor zahlreichen Gästen aus Kirche, Politik und Gesellschaft, darunter Kreisdechant Monsignore Guido Assmann und Vize-Landrat Dr. Hans-Ulrich Klose.
 
Eine große Zahl ehrenamtlicher Männer und Frauen engagiere sich in der katholischen Kirche für ihre Mitmenschen und schaffe es so, dem göttlichen Licht ein persönliches Gesicht zu geben, so der Vorsitzende der Katholiken in den Dekanaten Neuss/Kaarst und Grevenbroich/Dormagen. „Diesen mehreren tausend Jungen und Mädchen, Männern und Frauen im Rhein-Kreis Neuss, die sich über viele Stunden in der Woche ehrenamtlich um Menschen bemühen, gilt unsere Anerkennung und unser besonderer Dank. Ohne sie bliebe die frohe Botschaft Gottes eine Geschichte. Durch diese Jungen und Mädchen, Männer und Frauen lebt Kirche, erleben Menschen die freimachende und heilbringende Botschaft der christlichen Nächstenliebe. Ohne sie wäre unsere Gesellschaft arm und kalt“, so Hüsch. Seinen Optimismus verbarg er nicht: „Wir sind gewiss, dass unsere Kirche Zukunft hat.“ Der Kölner Generalvikar Dr. Stefan Heße referierte im Anschluss über das Zweite Vatikanische Konzil sowie den Dialog zwischen Mensch und Gott,  Kirche und Welt.