KjG: Kritischen Konsum nicht mit fadenscheinigen Argumenten ablehnen!

KjG: Kritischen Konsum nicht mit fadenscheinigen Argumenten ablehnen!
Bei der Stadtversammlung des Bundes der deutschen katholischen Jugend (BDKJ) Neuss sorgten zwei Anträge der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) zum kritischen Konsum und zum Boykott von Coca Cola-Produkten für Aufregung. Redakteur Thomas Kaumanns sprach darüber mit dem Regionalleiter der KjG, Volker Andres:
 
Warum ist der KjG das Thema kritischer Konsum so wichtig?
 
Wir in der KjG leben kritischen Konsum schon seit Jahren vor. Immer wieder haben wir dies auch dem BDKJ-Vorstand nahegelegt, aber er hat es mit fadenscheinigen Argumenten abgelehnt. Da unsere Amtszeit im Mai ausläuft, war dies unser letzter Versuch als Regionalleitung, dieses Thema im BDKJ aufzugreifen.
 
Warum steht das Essen im Mittelpunkt der Überlegungen? Kleidung oder Handys sind auch Konsumgüter …
 
Natürlich kann man auch in anderen Bereichen genau hinsehen, zum Beispiel fair produzierte Kleidung kaufen. Die zuletzt angeschafften T-Shirts im KjG Regionalverband sind natürlich fair gehandelt.
Aber bei Themen wie Lebensmittel oder Verbrauchsmaterialien für Tagungen hat der BDKJ Neuss selber Einfluss und kann handeln. Darüber hinaus kann er ja dem Einzelnen nichts vorschreiben.
 
"Der Einzelne" ist ein gutes Stichwort. Wie sieht es in Eurem Privatleben aus? Ihr seid doch ganz normale junge Leute. Geht Ihr abends nur in Kneipen, die keine Coca Cola-Produkte anbieten?
 
Ich glaube, das ist von Person zu Person unterschiedlich. Ich persönlich frage durchaus kritisch nach, wenn Coca Cola-Produkte auf der Karte stehen. Oder ich wähle alternative Getränke aus, wobei ich in der Kneipe lieber Bier als Cola trinke (lacht). Aber auch beim Einkaufen bevorzuge ich biologisch produzierte und fair gehandelte Produkte, soweit das für mich als Student finanzierbar ist.
 
Die Debatte über Eure Anträge hat 90 Minuten gedauert, dem gegenüber gab es weder einen Gottesdienst noch ein Gebet, was für katholische Verbände unüblich ist. Ist das nicht eine falsche Schwerpunktsetzung?
 
Da liegt der schwarze Peter beim Vorstand. Bei uns in der KjG gibt es immer einen religiösen Impuls, für den Gottesdienst fehlt uns leider der Priester.
 
Eure Anträge wurden deutlich abgelehnt. Wie geht Ihr damit um? Werdet Ihr – um in der Sprache der Anträge zu bleiben – in Zukunft den BDKJ kritisch konsumieren oder gar boykottieren?
 
Es gab zunächst durchaus Stimmen, den BDKJ zu boykottieren. Aber wir haben die Versammlung noch nicht nachbereitet. Auf jeden Fall werden wir weiter für unser Anliegen eintreten – in welcher Form, das müssen wir sehen.
 
Auch alle anderen Anträge der KjG sind auf der Stadtversammlung gescheitert. Steht die KjG innerhalb des BDKJ isoliert da?
 
Isoliert sind wir nicht, schließlich haben wir alle Anträge gemeinsam mit den Pfadfindern gestellt. Und auch im Vorstand gab es Unterstützung. Bei der Schützenjugend allerdings vermuten wir eine gewisse Front, insgesamt stehen wir aber nicht isoliert da.