Kreisdechant Assmann zum Fastenhirtenbrief 2019

Kreisdechant Assmann zum Fastenhirtenbrief 2019
In Beantwortung einer Presseanfrage nahm Kreisdechant Msgr. Guido Assmann Stellung zum Fastenhirtenbrief 2019 von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki „Wenn Ihr als Gemeinde zusammenkommt“:
 
Es ist jahrzehntelanger Brauch im Erzbistum Köln, dass der Erzbischof zum 1. Fastensonntag einen Hirtenbrief schreibt, der in allen Sonntagsmessen als Predigt des Bischofs verlesen wird. In diesem Jahr beschäftigt sich der Erzbischof mit der Bedeutung der Messfeier am Sonntag für die Kirche.
Ein Hirtenbrief ist sozusagen eine Predigt des Hirten des Bistums an alle Gläubigen. Der Bischof nimmt darin seine Hirtenaufgabe und sein Lehramt wahr und stellt seine theologische und pastorale Linie vor. Insofern hat ein Hirtenwort die wichtige Bedeutung, die Gläubigen zu stärken und zum Weiterdenken anzuregen.
 
Das tut Kardinal Woelki auch mit seinem diesjährigen Hirtenwort. Dass er das Thema „Eucharistiefeier“ aufgreift, hat zwei Gründe:
Zum einen hat die Messfeier am Sonntag für rund 90 % der Katholiken keine oder nur noch rudimentäre Bedeutung. Für uns als Kirche aber ist der Sonntag mit der Feier von Tod und Auferstehung Jesu unaufgebbar, weil wir ohne die Beziehung zu Jesus Christus nicht Kirche sein können.
Zum anderen gibt es Pfarreien, in denen wegen der geringen Zahl der Priester am Sonntag nicht mehr die hl. Messe gefeiert werden kann.
 
Wenn aber die Messe sinnstiftend und Quelle des kirchlichen Lebens ist, muss beides schmerzen. In diesem Zusammenhang und aus dieser Glaubensüberzeugung ist es nicht nur Anliegen des Erzbischofs, sondern der ganzen Kirche, sicher zu stellen, dass die Katholiken am Sonntag zur Messfeier zusammenkommen und zusammenkommen können.
Was bin ich bereit aufzuwenden, um die Kirche zu erreichen, in der die Vollversammlung um Gottes Sohn gefeiert wird? Und wie kann angesichts der Priesterzahl die unaufgebbare Messfeier, die durch keine andere Gottesdienstform ersetzt werden kann, sichergestellt werden?
 
Der Erzbischof bringt im Konjunktiv die Frage auf, wie wir situationsbedingt und pastoral verantwortet damit umgehen können. Ich würde mich freuen, wenn wir in unseren Liturgiekreisen, im Pfarrgemeinderat und Katholikenrat uns an die Beantwortung dieser Frage machen würden.
 
Bereits heute gibt es viele Pfarreien, in denen eine hl. Messe am Sonntag gefeiert wird. Und hier muss kein „nur“ vor der Zahl eins geschrieben werden. Warum sollte man denn überhaupt mehr als eine hl. Messe feiern? In Neuss-Mitte gibt es am Sonntag in Hl. Dreikönige um 11.30 Uhr und in St. Pius X. am Samstag um 17.30 Uhr eine Messe. Es gibt aber im Dekanat auch Pfarreien, in denen es noch nicht einmal an jedem Sonntag eine hl. Messe geben kann.
Ich kenne die Kirchenbesucherzahlen und kann daher bestätigen, dass dann, wenn wir in Neuss-Mitte in jeder unserer Pfarreien St. Quirin, Hl. Dreikönige, St. Pius X. und St. Marien je eine Sonntagsmesse feiern würden, niemand wegen Überfüllung draußen stehen müsste. Wir würden uns als große Gemeinschaft erleben mit Christus. Es macht mehr Freude, in einer vollen Kirche zu singen und zu beten, als dreimal in einer zu einem Drittel gefüllten Kirche! Wenn die Priester, die dadurch frei werden würden, in die Pfarreien oder Kirchen im Dekanat fahren würden, in denen an diesem Sonntag keine Messfeier stattfinden kann, wäre das ein starkes solidarisches Zeichen. Ich habe das 3 ½ Jahre als Pfarrverweser in Grevenbroich-Elsbach/Erft und gleichzeitig als Pfarrer von Neuss-Mitte getan. Ich habe gespürt, wie die Menschen dort dankbar waren, dass ich als Priester zu Ihnen gekommen bin, während andere sich beschwerten, warum das Messangebot (was für ein Wort!) nicht größer sei!